Kaiser Franz Beckenbauer gestorben

Beckenbauer im Alter von 78 Jahren gestorben

Die Fußballwelt trauert um einen ihrer größten Helden: Franz Beckenbauer. Im Alter von 78 Jahren ist einer der herausragenden Protagonisten des deutschen Fußballs von uns gegangen. Beckenbauer, liebevoll auch als „Der Kaiser“ betitelt, hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über die Grenzen des Spielfelds hinausreicht.

Bundestrainer Franz Beckenbauer (C) feiert das 1:0 gegen Argentinen im WM Finale am 8.Juli 1990 in Rom. AFP PHOTO
Bundestrainer Franz Beckenbauer (C) feiert das 1:0 gegen Argentinen im WM Finale am 8.Juli 1990 in Rom. AFP PHOTO

Seine Karriere war geprägt von herausragenden Erfolgen und ikonischen Momenten. Beckenbauer revolutionierte die Rolle des Liberos und wurde sowohl als Spieler als auch als Trainer weltweit gefeiert. Seine Weisheiten und Zitate haben sich tief in die Kultur des Sports eingegraben und werden noch lange in Erinnerung bleiben.

  • Franz Beckenbauer ist im Alter von 78 Jahren verstorben.
  • „Der Kaiser“ war eine legendäre Figur im deutschen und internationalen Fußball.
  • Sein Einfluss auf das Spiel und seine kulturelle Bedeutung bleiben unvergessen.
  • ARD Doku in der ARD Mediathek „Beckenbauer“

Fußballikone Franz Beckenbauer im Alter von 78 Jahren verstorben

Franz Beckenbauer, eine Ikone des deutschen Fußballs, ist am Sonntag mit 78 Jahren verstorben. Diese Nachricht wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bestätigt. In den letzten Jahren hatte sich Beckenbauer aufgrund gesundheitlicher Probleme aus der öffentlichen Wahrnehmung zurückgezogen.

Als Spieler und später als Trainer hat Beckenbauer maßgeblich zur Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs beigetragen. Er führte die Nationalmannschaft sowohl 1974 als Spieler als auch 1990 als Trainer zum Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Seine Profikarriere startete er beim FC Bayern München, wo er zahlreiche nationale und internationale Siege feiern konnte. Später setzte er seine Karriere in den USA bei Cosmos New York fort und beendete seine aktive Laufbahn beim Hamburger Sport-Verein (HSV).

Karriere-Highlights:

  • Weltmeister als Spieler: 1974
  • Weltmeister als Trainer: 1990
  • Vereine als Spieler: FC Bayern München, Cosmos New York, HSV
  • Positionen nach aktiver Spielerkarriere: Trainer, FC Bayern Präsident

Bekannt wurde Beckenbauer unter dem Spitznamen „Kaiser“, der ihm aufgrund seiner unvergleichlichen Eleganz auf dem Spielfeld und seiner erfolgreichen Tätigkeiten als Trainer und Fußballfunktionär verliehen wurde.

Allerdings überschatteten Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit Zahlungen rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland sein Ansehen. Beckenbauer war eine Schlüsselfigur bei der Ausrichtung des als „Sommermärchen“ bekannten Turniers, welches durch die späteren Enthüllungen um die finanziellen Unregelmäßigkeiten in Verruf kam.

Franz Beckenbauer (R) erhält den Presidential award von FIFA Präsident Joseph Blatter beim FIFA Ballon d'Or 2013. AFP PHOTO / OLIVIER MORIN
Franz Beckenbauer (R) erhält den Presidential award von FIFA Präsident Joseph Blatter beim FIFA Ballon d’Or 2013. AFP PHOTO / OLIVIER MORIN

Die Stationen des Kaisers

Franz Anton Beckenbauer erblickte am 11. September 1945 in einer Klinik in München-Giesing das Licht der Welt. Aufgezogen in einer Postbeamtenfamilie, erhielt er von seinem Vater den Spitznamen „Stumpen“. Seine Fußballkarriere nahm eine entscheidende Wendung im Frühjahr 1958, als ein Vorfall bei einem Fußballturnier in Neubiberg ihn dazu verleitete, dem FC Bayern beizutreten – entgegen der ursprünglichen Planung, bei den Löwen von TSV 1860 München anzufangen.

Beckenbauers professionelle Laufbahn begann beim FC Bayern am 6. Juni 1964, wo er schnell zu einem wichtigen Spieler aufstieg. Seine internationale Karriere für Deutschland startete er am 26. September 1965 mit einem Spiel gegen Schweden und zeigte schon bald darauf sein Können mit zwei Toren im fünften Länderspiel gegen die Niederlande.

Im August 1971 wurde Beckenbauer mit einem Vergleich zu Kaiser Franz Joseph I. in den Medien zum „Kaiser“ und trat in die Fußstapfen von Uwe Seeler als Rekordnationalspieler im Jahr 1973. Sein Wechsel zu Cosmos New York beendete jedoch nach 103 Länderspielen seine Karriere in der deutschen Nationalelf.

Im Laufe der 70er Jahre erlebte er seine persönlichen Höhepunkte in New York, welche er als unvergleichlich beschrieb. Nach der Zeit in den Staaten kehrte er jedoch zurück zum deutschen Fußball und absolvierte 1980 sein erstes Spiel für den Hamburger SV.

Wichtige Stationen:

  • Übersee-Abenteuer: Letztes Pflichtspiel am 12. September 1983 für Cosmos New York in der NASL.
  • Trainerkarriere: Erstes Spiel als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft am 12. September 1984.
  • Historischer Erfolg: Am 8. Juli 1990 wurde er, nach Zagallo, der zweite Mensch, der sowohl als Spieler als auch als Trainer eine Fußball-Weltmeisterschaft gewann.

Am 7. Mai 1994 zeigte Beckenbauer seine Zielsicherheit, indem er im ZDF Sportstudio mit dem Weißbierglas insgesamt viermal die Torwand traf – ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Am 6. Juli 2000 erfolgte sein prägendster Beitrag als Chef des WM-Bewerbungskomitees, indem er die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland holte.

  • Auszeichnungen und Würdigungen:
    • WM-Eröffnung unter „Kaiserwetter“ am 9. Juni 2006.
    • Abschiedsspiel vom FC Bayern am 13. August 2010.
    • Überführung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland; als Dank für sein Engagement.

Trotz eines kurzen Rückschlags durch eine 90-tägige Sperre wegen eines vermuteten Verstoßes gegen Ethikregeln im Juni 2014, die später aufgehoben wurde, blieb Beckenbauers Ruf weitgehend intakt. Die Untersuchungen der Schweizer Justiz gegen ihn im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2006 wurden aufgrund von Verjährung eingestellt.

Durch alle Höhen und Tiefen hindurch bleibt Franz Beckenbauer eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des FC Bayern und des deutschen Fußballs.

Seine markantesten Zitate

Otto Rehhagel: „Ein Spitzencoach, sicherlich in der zweitklassigen Liga.“

Zum brasilianischen Fußballer Dante: „Er sollte den Ball problemlos kontrollieren können. Bei einem Isländer könnte man noch Skistiefel als Ausrede gelten lassen, aber das ist schrecklich.“

Umgang mit Druck: „Ich lasse es hinter mir.“

Bau eines neuen Stadions in München: „Es findet sich sicher jemand, der das Olympiastadion in die Luft jagt.“

Rudolf Nurejew: „Rodolfo, lass uns das sein, ich gehöre zu einer anderen Fakultät.“

Zum Fußballgeschäft: „Es bereitet mir oft Kopfzerbrechen. Konfuzius empfahl, die Sorgen des Tages für eine halbe Stunde anzusammeln und dann in dieser Zeit ein Nickerchen zu machen.“

Über das britische und portugiesische Fußballspiel: „Ich freue mich auf das morgige Spiel, denn die Engländer haben Schwächen in der Verteidigung und die Portugiesen erst recht.“

Uli Hoeneß partizipiert aktiv als Aufsichtsratschef: „Der Vorstand wird mein Mitleid haben.“

Meisterschaftsgewinn: „Wenn du die Trophäe in den Händen hältst, bist du der Meister.“

Beruf: „Man könnte mich als Gelegenheitsarbeiter bezeichnen.“

Fußball als Leidtragender: „Mit am meisten tat der Ball leid.“

Taktik: „Rausgehen und einfach Fußball spielen.“

Trainerambitionen: „Ich wäre nicht für den Trainerberuf geeignet.“

Spielzeiten: „Ich habe mal in einem Jahr 15 Monate gespielt.“

Kritik: „Wir spielen eine andere Art von Fußball, Altherrenfußball. Wer Nachhilfe braucht, kann sich melden.“

Weltmeisterschaft 1990: „Die halbe Nation hat hinter dem Fernseher gestanden.“

Streitigkeiten mit Matthäus: „Meine Ansichten haben sich durchgesetzt. Die Siege sprechen dafür.“

Spielresultate: „Es gibt drei Möglichkeiten: Sieg, Unentschieden oder Niederlage.“

Spiel gegen Schweden: „Man hat gesehen, dass es keine Niederländer sind.“

Verdienste für den FC Bayern: „Ein wenig Stolz überkommt einen, da man selbst beigetragen hat.“

Uneheliches Kind: „Es ist noch kein großes Vergehen, jedes Kind erfreut Gott.“

Franz Beckenbauer (R) und Bundestrainer Joachim Loew zusammen vor der Fußball WM 2010 in Südafrika AFP PHOTO / JOHN MACDOUGALL
Franz Beckenbauer (R) und Bundestrainer Joachim Loew zusammen vor der Fußball WM 2010 in Südafrika AFP PHOTO / JOHN MACDOUGALL

Beckenbauers beeindruckende Errungenschaften im Fußball

Franz Beckenbauer, ein herausragendes Talent des Fußballs, etablierte sich als Schlüsselfigur sowohl auf Vereins- als auch auf internationaler Ebene. Als Spieler von Bayern München trug er in 427 Spielen das Trikot der ersten Mannschaft und erzielte dabei 60 Tore, von denen 44 in 396 Bundesliga-Begegnungen waren. Sein Einfluss erstreckte sich über den Atlantik zu Cosmos New York, wo er zwischen seinen zwei Amtszeiten von 1977 bis 1980 und 1983 insgesamt 105 Tore in 105 Spielen erzielte. Auch beim Hamburger SV hinterließ er mit 28 Einsätzen seine Spuren.

Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der „Kaiser“ 103 Spiele und netzte 14-mal ein. Seine Spielerkarriere war geprägt von zahlreichen Triumphen: Er wurde 1974 Weltmeister, erreichte 1966 das WM-Finale und sicherte sich Bronze 1970. Die europäische Fußballbühne beherrschte er mit drei aufeinanderfolgenden Siegen im Europapokal der Landesmeister (1974–1976) und dem Europapokal der Pokalsieger 1967. National triumphierte er mit mehreren deutschen Meisterschaften und DFB-Pokalsiegen. In den USA feierte er als US-Meister weitere Erfolge.

Als Trainer setzte Beckenbauer seine Erfolgsgeschichte fort. Er führte die deutsche Nationalmannschaft 1990 zum Weltmeister-Titel und erreichte 1986 den zweiten Platz bei der WM. Auf Klubebene holte er mit Bayern München den UEFA-Pokal 1996 und den deutschen Meistertitel 1994; mit Olympique Marseille wurde er 1991 französischer Meister.

Wer schreibt hier?

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  • Nils Römeling

    Nils Römeling, seit 2006 aktiv, hat sich als Autor und Betreiber mehrerer angesehener Fußballwebseiten etabliert. Diese Plattformen bieten umfassende Berichterstattung über diverse Aspekte des Fußballs – von der deutschen Nationalmannschaft über die Bundesliga bis hin zu internationalen Begegnungen und dem Frauenfußball. Er hatte das Privileg, bedeutende Fußballereignisse wie die Weltmeisterschaften 2010, 2014 und 2022 sowie die Europameisterschaften 2016 und 2021 live zu erleben und darüber zu berichten. In seiner Freizeit unterstützt er leidenschaftlich den FC Augsburg und besucht regelmäßig Spiele im Stadion.

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