DFB unter Druck: Boykott-Debatte vor WM 2026 spaltet Sport und Politik

Der Countdown zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 läuft – doch in Deutschland und darüber hinaus wird nicht nur über Taktik und Favoriten diskutiert. Die politischen Entwicklungen in den USA unter Ex-Präsident Donald Trump bringen eine alte Debatte neu in Schwung: Sollte der DFB einen Boykott des Turniers in Erwägung ziehen?

v.l. Bernd NEUENDORF DFB Präsident, Hans-Joachim WATZKE, Vorsitzender Geschaeftsfuehrer, Rudi VÖLLER, DFB Sportdirektor Nationalmannschaft enttäuscht auf der Tribuene. (Foto Imago)
v.l. Bernd NEUENDORF DFB Präsident, Hans-Joachim WATZKE, Vorsitzender Geschaeftsfuehrer, Rudi VÖLLER, DFB Sportdirektor Nationalmannschaft enttäuscht auf der Tribuene. (Foto Imago)

ICE-Einsätze und Trumps Politik sorgen für Unruhe

In den Vereinigten Staaten sorgt aktuell vor allem der aggressive Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE für Schlagzeilen – mehrere Todesopfer und massive Proteste, etwa in Minneapolis, haben die öffentliche Stimmung aufgeheizt. Inmitten dieser angespannten Lage wird die Rolle von Donald Trump hinterfragt, der enge Kontakte zu FIFA-Präsident Gianni Infantino pflegt und weiterhin großen politischen Einfluss besitzt.

Die Tatsache, dass ausgerechnet ein solcher Gastgeber eine Weltmeisterschaft austrägt, stößt nicht nur zivilgesellschaftlich, sondern zunehmend auch in sportpolitischen Kreisen auf Widerstand. ICE-Kontrollen an Flughäfen, Einreiseverbote für Fans aus Ländern wie Iran oder Haiti – die Sicherheitslage für WM-Besucher wird offen angezweifelt. Kritiker wie Mark Pieth und selbst Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter sprechen sich deutlich gegen das Turnier in den USA aus.

Petition: WM 2026 Boykottieren!

Der DFB intern gespalten – Göttlich wird zur Reizfigur

Innerhalb des DFB sorgte Oke Göttlich, Vizepräsident und gleichzeitig Präsident des FC St. Pauli, mit einem Vorstoß für Aufsehen. Er forderte keine Absage der WM, wohl aber eine offene Diskussion über einen möglichen Boykott – mit Verweis auf die Olympia-Boykotte der 1980er-Jahre.

Doch statt Rückhalt erntete Göttlich scharfe Kritik: DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Chef Hans-Joachim Watzke stellten klar, dass eine solche Debatte „zum jetzigen Zeitpunkt verfehlt“ sei. Auch Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen verwies auf den historischen Präzedenzfall: Noch nie sei eine Fußball-WM boykottiert worden, selbst nicht bei größeren politischen Verwerfungen wie in Russland oder Katar.

Politik hält sich bedeckt – oder doch nicht?

Auch in der deutschen Politik ist die Debatte angekommen, wenngleich dort die Meinungen ebenfalls auseinandergehen. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter brachte einen Boykott offen ins Spiel, sollte Trump seinen geopolitischen Kurs weiter eskalieren – etwa durch aggressive Pläne in Grönland oder Handelskriege gegen Europa.

Andere, wie Unionssprecher Stephan Mayer, lehnen sportliche Konsequenzen hingegen klar ab und sehen die Verantwortung bei diplomatischen Instrumenten. Für Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatović steht zumindest fest: Die Bundesregierung müsse deutsche Fans und Funktionäre im Fall einer WM-Teilnahme besser schützen – auch im Hinblick auf die Einreiseproblematik und die teils willkürliche Behandlung durch US-Behörden.

Spieler halten sich raus – Fans im Fokus

Nationalspieler wie DFB-Kapitän Joshua Kimmich wollen sich aus der politischen Debatte raushalten – zu negativ seien die Erfahrungen von der WM 2022 in Katar gewesen. Die Verantwortung, so Kimmich, liege bei Verbandsvertretern und der Politik.

Für die Fans könnte die Reise zur WM 2026 zur echten Herausforderung werden. Nicht nur wegen möglicher Einreiseverbote, sondern auch aufgrund der Sicherheitslage im Land. Linken-Politiker Sören Pellmann warnt: Wer in den USA nicht ins Raster passt, läuft Gefahr, verhaftet und inhaftiert zu werden – mit oder ohne gültige Papiere.

Die FIFA zeigt sich von alldem unbeeindruckt. Infantino setzt weiter auf seine Nähe zu Trump – sogar die gemeinsame Pokalübergabe nach dem Finale ist bereits angekündigt. Ein sportliches Fest, das unter politisch explosivem Vorzeichen steht.