Nach Tuchel aus: Dortmund stellt neuen Trainer Bosz vor

Bosz wird Tuchel Nachfolger beim BVB

Veröffentlicht: Dienstag, 6. Juni 2017 um 13:51 Uhr

Die letzten Flaschen Bier und Sekt waren noch nicht ganz aufgeräumt auf dem Dortmunder Borsigplatz nach dem Triumph über Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale 2017 da kam schon die für einige schockierende Meldung: Thomas Tuchel wird in der Saison 2017/18 nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund sein. Heute nun stellt der BVB seine Lösung für die vakante Trainerposition vor, ihr Name: Peter Bosz. Warum Tuchel seinen Spint räumen musste und wer der neue Trainer der Borussia ist haben wir für euch zusammengefasst.

Letzte Amtshandlung in schwarz-gelb: Thomas Tuchel küsst den DFB-Pokal. Der Trainer wurde nach den Feierlichkeiten seines Amtes enthoben. Grund dafür sollen schon länger anhaltende Streitigkeiten mit Vereinsführung und einigen Abteilungen gewesen sein. / AFP PHOTO / POOL / Ina FASSBENDER

Letzte Amtshandlung in schwarz-gelb: Thomas Tuchel küsst den DFB-Pokal. Der Trainer wurde nach den Feierlichkeiten seines Amtes enthoben. Grund dafür sollen schon länger anhaltende Streitigkeiten mit Vereinsführung und einigen Abteilungen gewesen sein. / AFP PHOTO / POOL / Ina FASSBENDER

Warum musste Thomas Tuchel gehen?

Die Gründe für die Entlassung von Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund sind vielfältig und kompliziert. Wir versuchen etwas Licht in die Wirren der internen Probleme des BVB zu bringen. Der Fall Thomas Tuchel lässt sich generell in drei Problembereiche unterteilen: Scouting-Abteilung, Mannschaft und Vereinsführung. In diesen drei bereichen gab es in den vergangenen 18 Monaten reichlich Streit und Gesprächsstoff.

Ärger in der Scouting-Abteilung

Trotz des ersten Titels für Borussia Dortmund seit der Meisterschaft 2012 musste Thomas Tuchel schlussendlich seinen Hut nehmen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Seit einiger Zeit wird schon von Seiten der Fans der Borussia speluliert, dass Tuchel nicht nur mit Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke sondern gleich mit vielen weiteren Abteilungen und Personen beim BVB in clinch war. Laut Aussagen aus dem Verein soll sich Tuchel schon seit geraumer Zeit heftig mit der Scouting Abteilung des BVB zerstritten haben. Vor allem Chefscout Sven Mislintat, dessen gute Arbeit im suchen von Talenten für den BVB gänzlich unumstritten ist, hatte sich mit Tuchel wegen einiger Transferziele zerstritten und war kaum noch am Trainingsgelände zu sehen gewesen.

Marcel Schmelzer mit Freundin Jenny Rohde nach dem CL Finale Bayern Dortmund 2012. Schmelzer galt nach einigen Streits als einer der Gegner Tuchels. AFP PHOTO /POOL/ FEDERICO GAMBARINI

Marcel Schmelzer mit Freundin Jenny Rohde nach dem CL Finale Bayern Dortmund 2012. Schmelzer galt nach einigen Streits als einer der Gegner Tuchels. AFP PHOTO /POOL/ FEDERICO GAMBARINI

Entfremdung mit dem Team

Außerdem soll es auch von innerhalb der Mannschaft einige Stimmen gegeben haben, die Thomas Tuchel nicht mehr für die richtige Lösung in der Trainerfrage hielten. Besonders seine Art der Personalführung scheint dabei einigen, namentlich nicht bekannten, Profis gegen den Strich gegangen zu sein. Beispielhaft am Verlust des Vertrauens der Mannschaft an Tuchel sind vor allem zwei Ereignisse. Zum einen, als er den etablierten und von den Fans geliebten Schmelzer des Kapitänsamtes entheben wollte, zum anderen seine nicht Berücksichtigung von Mittelfeldmann Sahin für das Finale im Pokal. Bei der Kaptiänsfrage musste Tuchel nachdem er Schmelzer vorerst Aufgrund einer Verletzung von Reus im Amt beließ schließlich in der Winterpause zurückrudern. Zu groß war der Druck gegen die Entscheidung von innen und außen. Der Schaden innerhalb der Mannschaft war jedoch bereits angerichtet. Schmelzer fühlte sich nicht geschätzt, Reus war enttäuscht dass er nicht zum Kapitän wurde. So war es dann auch Kapitän Schmelzer der nach dem Sieg im Pokal endgültig klarstellte was Teile der Mannschaft von Tuchels Personalpolitik hielten. Dass Nuri Sahin nicht einmal im Kader für das Spiel gegen Frankfurt war, konnte er gar nicht verstehen und ließ dies auch die Presse direkt nach dem Spiel wissen. Eine Einstellung die wohl viele im Team teilten.

Borussia Dortmunds Vorstand Hans-Joachim Watze. Die Differenzen mit Ex-Trainer Thomas Tuchel konnte er nicht mehr kitten. / AFP PHOTO / SASCHA SCHUERMANN

Der Bruch mit Hans-Joachim Watzke

Welche Probleme hatte Tuchel jedoch mit Watzke? Diese Frage stellen sich sicherlich viele Fans und Fussballbegeisterte. Ein großer Kritikpunkt Tuchels waren der Weggang von gleich drei wichtigen Spielern für sein System am Anfang der Saison 2016/17. Mit Ilkay Gündogan, Henrikh Mkhitaryan und Mats Hummels verließen alle den Verein obwohl Watzke Tuchel versichert hatte, möglichst viele von ihnen bei der Borussia halten zu wollen. Nach dem Anschlag auf den BVB-Bus vor dem Spiel gegen Monaco kommt es dann zum totalen Bruch. Tuchel kritisierte Verein und UEFA stark, da sie das Nachholspiel bereits am Folgetag ansetzten. Watzke stellte jedoch klar, dass er Tuchel und dem Team ein Vetorecht eingeräumt hatte und Tuchel definitiv mit in die Entscheidung der Terminierung des Spiels involviert war. Watzke fühlte sich von Tuchel hintergangen und ins gänzlich falsche Licht gerückt, dies war wohl der Moment an dem klar war, dass man im nächsten Jahr getrennte Wege gehen würde.

Wann wird der neue Trainer vorgestellt?
Borussia Dortmund hat für heute, den 06.06.2017 um 14:30 eine Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Trainers Peter Bosz anberaumt. N-TV und Sky Sport News HD übertragen live.

Das ist der neue Cheftrainer von Borussia Dortmund: Peter Bosz. Hier ist er noch in den Farben seines alten Arbeitgebers Ajax Amsterdam zu sehen. / AFP PHOTO / PHILIPPE DESMAZES

Wer wird der neue Trainer von Borussia Dortmund?

Nach dem etwas unrühmlichen Abgang von Thomas Tuchel als Cheftrainer von Borussia Dortmund lief die Gerüchteküche um seinen Nachfolger auf hochtouren. Viele Trainer standen wohl auf der Liste der Oberen des BVB, doch vertragliche Gebundenheit, mangelndes Interesse und viele andere Faktoren machten den Borussen ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung. Lucien Favre, der Ex-Gladbach Coach und nun Trainer bei Nizza in der Ligue 1 war vertraglich gebunden. Nizza wollte ihn nach einer tollen Saison auf keinen Fall ziehen lassen. Viele glauben dass er der Wunschkandidat Nummer 1 in Dortmund gewesen wäre. Auch im Gespräch war Peter Stöger. Der etwas schrullige Coach des 1.FC Köln konnte diese Saison mit den Geißböcken sogar bis in die europäischen Ränge vorstoßen. Schlussendlich entschied man sich jedoch für Peter Bosz, einen in Deutschland ziemlich unbekannten trainer. Bosz war bis heute Cheftrainer bei Ajax Amsterdam und hatte das junge Team bis ins Finale der Europa-League geführt. Dort musste sich das Team um den deutschen Jungnationalspieler und Confed-Cup Fahrer Amin Younes jedoch Manchester United geschlagen geben.

Wer ist Peter Bosz?

Bosz, ehemaliger Spieler von Feyernord Rotterdam und Hansa Rostock hat ein großes Vorbild – Johan Cruyff. Der ehemalige Trainer und Spieler von Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona genießt nach seinem Tod 2016, bei beiden Clubs und in Holland ganz besonders, fast Heiligenstatus. Seine Spielphilosophie des totalen Fussballs wurde von Trainer wie Pep Guardiola übernommen und Perfektioniert und prägt heute viele der absoluten Spitzenmannschaften in Europa. Dieser Philosophie verschreibt sich auch Peter Bosz. Er ist es gewohnt schnelles, aggressives Gegenpressing zu spielen, genau das Richtige für das Dortmunder Team. Außerdem gilt er als ein Trainer der junge Talente gut integrieren kann und sie zu neuen höchstleistungen anspornt. Sieht man sich den Kader der Dortmunder mit Spielern wie Dembélé, Pulisic, Mor und vielen weiteren jungen Spielern an so könnte er beim BVB genau den richtigen Verein gefunden haben.

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