Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
Irans Fußballerinnen gehen mit „großen Sorgen“ um Familien und Freunde in ihr zweites Gruppenspiel der Asienmeisterschaft in Australien. Wegen einer Internetsperre ist der Kontakt in die Heimat nahezu unmöglich, Trainerin Marziyeh Jafari sprach von einem vollständigen Abgeschnittensein. Stürmerin Sara Didar zeigte sich sichtlich emotional und bestätigte die Sorge um Angehörige angesichts der Lage im Iran. Sportlich bereiten sich die Iranerinnen trotz der Belastung auf das Spiel gegen Gastgeber Australien vor; nach der Auftaktniederlage gegen Südkorea folgt noch die Partie gegen die Philippinen.

Internetsperre und Kontaktabbruch
Die Mannschaft leidet unter einer Internetsperre, die es fast unmöglich macht, Kontakt zur Familie zu halten. „Natürlich machen wir uns große Sorgen um unsere Familien und unsere Lieben und alle anderen Menschen in unserem Land, zu denen wir keinen Kontakt mehr haben“, sagte Trainerin Marziyeh Jafari bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Australien. Zusätzlich erschwert die politische Lage und die nach dem Tod von Ayatollah Ali Chamenei angeordnete 40-tägige Staatstrauer die Situation für Spielerinnen und Angehörige. Jafari betonte zugleich den professionellen Anspruch der Mannschaft: „Wir sind hier, um professionell Fußball zu spielen, und wir werden unser Bestes geben, um uns auf das bevorstehende Spiel zu konzentrieren.“
Emotionale Belastung im Team
Die emotionale Belastung wurde besonders deutlich, als Stürmerin Sara Didar bei Fragen zum Krieg in Tränen ausbrach. „Natürlich sind wir alle besorgt und traurig wegen der Ereignisse in unserem Land und wegen unserer Familien und Angehörigen“, sagte die 21-Jährige gegenüber Reportern. Die australische Spielerin Amy Sayer äußerte Mitgefühl: „Es ist eine schwierige Situation, und es ist wirklich mutig von ihnen, hier zu sein und anzutreten.“ Gleichwohl versucht das Team, die Anspannung in professionelle Leistungsbereitschaft umzuwandeln.
Sportlicher Kontext: Asienmeisterschaft und Gruppenspiele
Irans Frauen bestreiten derzeit ihre zweite Asienmeisterschaft nach dem Debüt 2022 in Indien und wollen das Turnier als Bühne nutzen, um das Potenzial iranischer Spielerinnen zu zeigen. Die Mannschaft verlor das Eröffnungsspiel gegen Südkorea mit 0:3 und trifft nun in ihrem zweiten Gruppenspiel auf Gastgeber Australien (Donnerstag, 19.00 Uhr Ortszeit, Gold Coast). Zum Abschluss der Gruppenphase steht am Sonntag noch die Partie gegen die Philippinen an. Kapitänin Zahra Ghanbari hatte im Vorfeld von der Ambition gesprochen, die Qualifikation für die WM in Brasilien 2027 ins Visier zu nehmen: „Wir wissen, dass es harte Spiele werden, aber wir haben eine starke Mentalität und wollen unser Bestes geben.“
Regelvorgaben, Begleitung und öffentliche Unterstützung
Auf dem Platz erscheinen die Iranerinnen wie vorgeschrieben mit Kopftuch und knöchellanger Kleidung; das Regime beruft sich dabei auf islamische Gesetze. Sittenwächter begleiten die Mannschaft auch bei diesem Auswärtsturnier in Australien. Auf den Tribünen gab es sichtbare Solidarität: Iranischstämmige Fans skandierten Parolen, schwenkten rot-weiß-grüne Fahnen und zeigten unter anderem die Flagge aus der Zeit vor der Islamischen Revolution. „Wir sind so froh, dass die iranischstämmigen Australier uns hier unterstützen“, sagte Jafari und hob die Bedeutung der öffentlichen Unterstützung für das Team hervor.