Die Nationalmannschaft 2018: Ein Rückblick

Ein Jahr zum Vergessen für den DFB

Veröffentlicht: Mittwoch, 5. Dezember 2018 um 16:03 Uhr

In einem schlussendlich bedeutungslosen letzten Spiel in der UEFA Nationenliga konnte die DFB-Elf gegen die Niederlande ein 2:2 Unentschieden erringen und sich in der letzten Partie des Jahres 2018 nochmals ordentlich verkaufen. Es war das Ende eines verkorksten Fussballjahres, dass die meisten Funktionäre und Spieler des Verbandes wohl am liebsten vergessen machen würden. In diesem Rückblick lassen wir 2018 für den DFB nochmals Revue passieren. Hier alle Länderspiele 2018.

Joachim Löw auf dem Rasen von Kasan nach dem Ausscheiden gegen Südkorea. / AFP PHOTO / Luis Acosta

Joachim Löw auf dem Rasen von Kasan nach dem Ausscheiden gegen Südkorea. / AFP PHOTO / Luis Acosta

Die erste Hälfte des Jahres: Ein hoffnungsvoller Anfang

Nach einem starken Confed-Cup 2017, einer souveränen WM-Qualifikation und guten Freundschaftsspielen gegen Spanien und Frankreich am Ende des Vorjahres standen die Zeichen für ein erfolgreiches Jahr 2018 sehr gut für den DFB. Im März verlor man knapp gegen ein starkes Brasilien, was jedoch noch nicht als Warnzeichen angesehen wurde. Zur gleichen Zeit kamen erste Bedenken bei Journalisten und Fans auf, was das Mannschaftslager in Russland, Watutinki, anbetraf. Viele dachten das ältere Hotel im Sowjet-Charme, das weit abgeschottet in einem Randbezirk von Moskau lag, würde nicht den Standards des DFB entsprechen und wäre kein gutes Quartier.

Kurz vor dem DFB Trainingslager sorgten Ilkay Gündogan und Mesut Özil durch einen skandalträchtigen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für ungewollte Unruhe und eine gänzlich unschöne politische Diskussion, die Fans, Politiker und Experten spaltete. Die Vorbildfunktion und integrative Wirkung der beiden sonst als Vorbilder für Integration geltenden Spieler ist durch diesen PR Stunt wohl ein für alle Mal dahin, das Wohlwollen von Fans und Zuschauern konnten beide das ganze Jahr nicht zurückgewinnen. Ein herber Schlag für beide Spieler aber auch für die Nationalelf in der Vorbereitung auf die WM.

Es folgte das traditionelle Trainingslager in Südtirol, das ohne große Zwischenfälle verlief und, zumindest von außen, sehr harmonisch und erfolgreich wirkte. Die darauf folgenden Freundschaftsspiele gegen Österreich (erste Niederlage gegen den Nachbarn seit 32 Jahren) und Saudi-Arabien (ein durchweg mittelmäßiger 2:1 Sieg) ließen jedoch erhebliche Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Mannschaft aufkommen.

Die Kadernominierung

Bei der Kadernominierung sorgte der Bundestrainer erstmals für einige Fragezeichen bei Fans und Journalisten. Jungstar Leroy Sané, der aus einer herausragenden Saison in der Premier League mit Manchester City kam und dort zum besten jungen Spieler gewählt wurde, musste den Sommer zuhause verbringen. Es gab einiges an Spekulationen zu Sanés Einstellung, Trainingsleistung und Teamfähigkeit. Während die internationale Presse größtenteils mit Unverständnis reagierte, konnten viele einheimische Fans und Reporter die Entscheidung zu einem gewissen Maße nachvollziehen.

Deutschland ist bei der Fußball WM 2018 ausgeschieden! Müller und Gomez enttäuscht. / AFP PHOTO / Luis Acosta

Deutschland ist bei der Fußball WM 2018 ausgeschieden! Müller und Gomez enttäuscht. / AFP PHOTO / Luis Acosta

Die  WM 2018

Bei der WM startete man gegen den wohl stärksten Gegner aus der Gruppe, Mexiko, ins Turnier. Die Mannschaft von Jogi Löw, trat dabei in Quasi-Bestbesetzung auf und verlor dennoch, nach uninspirierter Vorstellung und fragwürdigen taktischen Entscheidungen des Trainerstabes mit 0:1. Es war das erste verlorene Auftaktspiel des DFB bei einem großen Turnier seit 1982 – die Zweifel an der Mannschaft wurden lauter.

Im zweiten Spiel gegen Schweden stand der DFB schon mit dem Rücken zur Wand. Nach 90. Minuten stand es 1:1 und ein fulminanter Freistoß von Toni Kroos in der fünften Minute der Nachspielzeit sorgte für den späten, hart erkämpften Sieg der DFB Elf. Man hatte das Weiterkommen wieder in der eigenen Hand, die Fans waren zwar immer noch besorgt ob der Leistung, allerdings Überglücklich über den Siegeswillen und Charakter der Mannschaft.

Im letzten Spiel der Gruppe, gegen den vermeintlich schwächsten Gegner Südkorea, zeigte sich allerdings, was viele schon seit geraumer Zeit beim DFB bemängelt hatten. Die deutsche Mannschaft konnte kaum gute Chancen kreieren und die wenigen Abschlussmöglichkeiten zu denen man kam, wurden nicht genutzt. Eine Verkettung unnötiger Fehler in der Abwehr sorgte dann spät für einen 0:1 Rückstand und als man in der Schlussphase des Spiels für ein Unentschieden oder einen Sieg alles nach vorne werfen musste kassierte man den 0:2 Endstand und schied somit aus dem Turnier aus.

Wie historisch das Vorrundenaus des DFB war, kann gar nicht stark genug betont werden. Seit dem Turnier von 1938 hatte der DFB es immer in die KO-Phase oder Zwischenrunde der WM geschafft. Kein heute noch lebender Nationalspieler Deutschlands kannte das Gefühl in einer WM Vorrunde auszuscheiden. Nun kennen es 23. Der DFB galt für viele Wettbüros und Experten als einer der Favoriten auf den WM Titel, oder zumindest die Runde der letzten 4. Die Leistung der Nationalmannschaft sorgte allerdings für einen ungewöhnlich Fussballfreien WM Sommer 2018 und eine maßlose Enttäuschung bei den Fans.

Mesut Özil am 17.Juni 2018 gegen Mexiko bei der WM 2018. / AFP PHOTO / Kirill KUDRYAVTSEV

Mesut Özil am 17.Juni 2018 gegen Mexiko bei der WM 2018. / AFP PHOTO / Kirill KUDRYAVTSEV

Die Causa Özil

Das erste Lebenszeichen vom DFB nach der WM kam gleich wie ein Paukenschlag daher. Deutschlands Nummer 10 Mesut Özil trat aus der Nationalmannschaft zurück. Dabei waren seine gründe nicht hauptsächlich sportlicher Natur, oder dem Verschleiß der konstanten Doppelbelastung von Nationalmannschaft und Verein geschuldet, nein. Özil wollte systematischen Rassismus im DFB ausfindig gemacht haben und beschuldigte den Präsidenten, sowie indirekt auch den Sportdirektor und viele in den inneren Kreisen des Verbandes.

Sicherlich ist der DFB nicht frei von Schuld wenn es um Diskriminierung und Fehlverhalten geht. Ein Verband mit über 6 Millionen Mitgliedern hat sicherlich Probleme, schwarze Schafe und vieles mehr. Die Art und Weise, wie Özil sich jedoch selbst verhalten hat, lässt durchaus Zweifel an seinen Anschuldigungen aufkommen. Er besprach das Erdogan-Treffen nie wirklich deutlich und selbstkritisch öffentlich, seine eigenen Leistungen gossen weiterhin Öl ins Feuer der teils sehr harschen Kritik die es seit Jahren an seiner Person gab. Nun den ganzen DFB in ein systemisch rassistisches Licht zu rücken, der DFB der ihm maßgeblich zu der steilen Karriere die er als Fussballer hingelegt hatte verhalf und ihn als Eckpfeiler seiner Integrationskampagnen sah, hinterlässt selbst bei großen Fans Özils einen bitteren Beigeschmack.

Deutschlands Manuel Neuer bei einer Parade während des UEFA Nations League Spiels zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France in Saint-Denis am 15 Oktober 2018. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)

Deutschlands Manuel Neuer bei einer Parade während des UEFA Nations League Spiels zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France in Saint-Denis am 15 Oktober 2018. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)

Nach der WM: Die Nations League

Nach der WM traf man bereits im September wieder zu einem Pflichtspiel auf den Nachbarn und frisch gebackenen Weltmeister aus Frankreich. In einem ordentlichen Spiel konnte man den Franzosen dabei ein 0:0 abringen. Dies sorgte dafür, dass viele die WM Pleite nur als „großen Ausrutscher“ betrachteten. Was dabei einigen nicht auffiel: Der DFB hatte im kompletten Kalenderjahr 2018 in bisher in 7 Spielen nur 6 Tore geschossen und dabei 8 kassiert. Und das obwohl man mit Österreich, Südkorea, Mexiko, Saudi-Arabien und Schweden eher viele Gegner aus der fussballerischen „Mittelklasse“ auf dem Programm hatte.

Es folgte ein allzu knapper 2:1 Sieg gegen Peru und in der nächsten Länderspielpause eine Rückkehr auf den Boden der Tatsachen. Gegen die Niederlande verlor man verdient und deutlich mit 3:0, gegen Frankreich versuchte man viel, konnte jedoch wiederum die kreierten Chancen nicht nutzen und verlor mit 1:2. Um nicht aus Liga A der Nations League abzusteigen war man nun davon abhängig, dass die Niederlande nicht gegen Frankreich gewinnen würden, was sie natürlich prompt taten um das Seuchenjahr des DFB zu komplettieren. Ein bedeutungsloser Sieg (3:0) gegen eine hauptsächlich aus jungen Spielern und Ersatzkräften bestehende russische Mannschaft konnte darüber auch nicht hinwegtrösten.

Im letzten Spiel des Jahres sorgte ein 2:2 gegen die Niederlande für einen versöhnlichen Abschluss, dennoch steht der DFB vor einem großen Umbruch und muss sich bezüglich der Organisation, der Mannschaft und des Trainerstabes in den kommenden Monaten so einige Fragen gefallen lassen.

Hoffen wir auf ein besseres Länderspieljahr 2019 und einer erfolgreichen EM Qualifikation 2020.

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