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Spielbericht: Confed-Cup Kamerun – Deutschland 1:3

Perspektivteam löst Halbfinalticket

Veröffentlicht: Montag, 26. Juni 2017 um 9:51 Uhr

Trotz zweier verletzungsbedingter Absagen, der Abszenz vieler Stammkräfte und einer schweren Gruppe hat es das junge Perspektivteam von Bundestrainer Joachim Löw geschafft, beim Confed-Cup in Russland bis ins Halbfinale vorzudringen. Dabei war der gestrige 3:1 Sieg gegen die „unzähmbaren Löwen“ aus Kamerun extrem wichtig. Im Fernduell kam kontrahent Chile gegen Australien nicht über ein mageres 1:1 hinaus und ermöglichte es somit der Mannschaft um Löw die Gruppe gar als Sieger zu verlassen. Jetzt geht es am Donnerstag den 29. Juni gegen den Gruppenzweiten der Gruppe A, Mexiko. Wir lassen das Spiel gegen Kamerun noch einmal Revue passieren.

So gut wie bei dieser Pressekonferenz konnte Bundestrainer Löw auch nach dem Spiel gegen Kamerun sein. Sein Team schenkte ihm im 150. Spiel den 100. Sieg und die Halbfinalteilnahme beim Turnier. / AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

So gut wie bei dieser Pressekonferenz konnte Bundestrainer Löw auch nach dem Spiel gegen Kamerun sein. Sein Team schenkte ihm im 150. Spiel den 100. Sieg und die Halbfinalteilnahme beim Turnier. / AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

So waren die Aufstellungen:

Kamerun: Ondoa – Fai, Teikeu, Ngadeu-Ngadjui, Mabouka – Siani, Zambo, Djoum (58. Ngamaleu) – Moukandjo (70. Guihoata), Aboubakar, Bassogog (82. Toko-Ekambi)

Deutschland: ter Stegen – Kimmich, Süle, Rüdiger, Ginter, Plattenhardt – Can, Rudy (74.Henrichs) – Draxler (80. Younes), Demirbay (77. Brandt) – Werner

Wie verlief die erste Halbzeit?

Jogi Löw hatte sein Team mit drei Innenverteidigern, zwei Sechsern und zwei recht tief stehenden Außenverteidigern sehr defensiv eingestellt. Vermutlich wollte er das Konterspiel der pfeilschnellen Afrikaner, allen voran deren Rechtsaußen Bassogog, im Keim ersticken. Zu Kontern kam der Afrikameister dadurch auch kaum, der Grund war jedoch ein anderer. Das Verbindungsspiel zwischen Abwehr und Angriff bei den Deutschen litt sehr unter der enorm defensiven Aufstellung. Ein ums andere Mal musste man sich Aufgrund des unterbesetzten Mittelfelds in die eigenen Hälfte zurückdrängen lassen. Ein ruhiges herausspielen aus der Abwehr heraus wurde von Kamerun stets unterbunden und so musste man oft auf lange Bälle zurückgreifen, welche meist direkt wieder beim Gegner landeten.

Draxler, Werner und Demirbay wirkten oft wie in der Schwebe, da sie kaum angespielt und von der Hintermannschaft in Szene gesetzt wurden. Kimmich und Plattenhardt konnten, wohl aufgrund der defensiven Marschrichtung die der Bundestrainer vorgegeben hatte, keine Akzente auf den Außen setzen. Erst nach fast 30 Minuten konnte die deutsche Mannschaft dann langsam aber sicher Zugriff auf das Spiel bekommen und Kamerun häufiger auch in deren Hälfte binden. Kimmich verpasste nach guter Flanke die Gelegenheit per Flugkopfball auf 1:0 zu stellen nur knapp, ansonsten blieb die deutsche Offensive in Halbzeit 1 oft Zahnlos.

Ein Highlight des Spiels war sicherlich die Glanztat von Marc-André ter Stegen nach einer gefährlichen Flanke von Mabouka. Diese fand inmitten von gleich 4 deutschen Spielern den sträflich frei zum Kopfball kommenden Zambo. Geistesgegenwärtig konnte ter Stegen den Kopfball jedoch noch spektakulär über die Latte lenken und somit ging man einvernehmlich mit 0:0 in die Pause.

Timo Werner war mit 2 Toren und einer guten Leistung gegen Kamerun sicherlich ein Kandidat für den Titel "Man of the Match". Der Spieler von RB Leipzig konnte unter Beweis stellen, warum er für viele als größte Hoffnung im deutschen Sturm gilt. / AFP PHOTO / Patrik STOLLARZ

Timo Werner war mit 2 Toren und einer guten Leistung gegen Kamerun sicherlich ein Kandidat für den Titel „Man of the Match“. Der Spieler von RB Leipzig konnte unter Beweis stellen, warum er für viele als größte Hoffnung im deutschen Sturm gilt. / AFP PHOTO / Patrik STOLLARZ

Wie verlief die zweite Halbzeit?

Jogi Löw und Marcus Sorg müssen in der Pause genau die richtigen Worte und Hinweise für ihre Spieler gefunden haben. In der zweiten Hälfte kam das deutsche Team nämlich wie ausgewechselt aus der Kabine. Taktisch fiel vor allem auf, dass die beiden Außenverteidiger Plattenhardt und Kimmich deutlich weiter nach vorne ins Mittelfeld rückten und Emre Can und Sebastian Rudy auf den Sechserpositionen mit etwas mehr Offensivdrang ins Spielgeschehen eingriffen. Dies sorgte dafür, dass die deutsche Mannschaft deutlich mehr Kontrolle über das Mittelfeld und somit den Spielverlauf hatte und viel mehr Druck auf Kamerun aufbauen konnte.

Bereits in der 47. Minute wurde Löws Team für ihren guten Einsatz belohnt, nach gutem Zusammenspiel und einer tollen Vorarbeit von Julian Draxler konnte Kerem Demirbay mit einem satten Rechtsschuss sein erstes Tor für den DFB markieren. Er zimmerte den Ball für Ondoa unhaltbar in den rechten Winkel, 1:0 für den DFB. Fortan nahm das Spiel deutlich an fahrt auf und die Nationalmannschaft kam ein ums andere Mal zu guten Chancen. In der 54. Minute hätte man auch Prompt auf 2:0 erhöhen können. Nach gutem Anspiel von Can konnten jedoch Werner und im Nachschuss auch Kimmich Ondoa nicht überwinden.

In der 64. Minute wurde es dann skurril. Nach einem recht Rüden, aber wohl nicht rotwürdigen Foul an Can gibt es Freistoß für deutschland und Gelb für Siani. Das Prolem: Siani war gar nicht der Übeltäter, es war Mabouka. Nachdem sich dann der Videoreferee eingeschalten hatte zeigte der Unparteiische dann statt gelb sogar rot, doch wieder für den Falschen. Nach einer weitern Rücksprache zwischen den offiziellen traf es dann doch noch den Richtigen, Siani, und dieser musste den Platz verlassen. Eine sehr harte Entscheidung. In den folgenden Minuten wirkte Kamerun angeschlagen und musste nur wenig später das 2:0 durch Timo Werner hinnehmen (66.).

In der 78. Minute patzte der sonst ruhig und gut spielende ter Stegen nachdem ihn seine Hintermannschaft im Stich gelassen hatte. Ngamaleu konnte von rechts viel zu ungestört flanken, Süle wiederum stand nicht eng genug an Aboubakar. Dieser touchierte die Flanke nur noch leicht doch ter Stegen griff deshalb völlig am Ball vorbei und es stand nur noch 2:1. Wie als wollte man den Anschluss ungeschehen machen konterte die deutsche Mannschaft jedoch schon wenige Minuten später. Nach gutem Zusammenspiel auf der Außenbahn durch die beiden eingewechselten Brandt und Henrichs fand dessen Ablage den in der Mitte freistehenden Werner der zum 3:1 Endstand einnetzte.

Deutschlands Startaufstellung gegen Kamerun: Marc-Andre Ter Stegen, Sebastian Rudy, Antonio Ruediger, Matthias Ginter, Emre Can, Niklas Suele, vorne: Timo Werner, Marvin Plattenhardt, Joshua Kimmich, Kerem Demirbay und Julian Draxler. AFP PHOTO / YURI CORTEZ

Deutschlands Startaufstellung gegen Kamerun: Marc-Andre Ter Stegen, Sebastian Rudy, Antonio Ruediger, Matthias Ginter, Emre Can, Niklas Suele, vorne: Timo Werner, Marvin Plattenhardt, Joshua Kimmich, Kerem Demirbay und Julian Draxler. AFP PHOTO / YURI CORTEZ

Fazit

Das Experiment Confed-Cup mit dem jungen Perspektivkader kann bereits jetzt als geglückt abgestempelt werden. Trotz einer sehr unerfahrenen Mannschaft ohne viele Leistungsträger hat man sich teuer verkauft und gegen Konkurenz die das Turnier sehr ernst und mit bestmöglichem Line-Up bestreitet gut ausgesehen. Einige der jungen Spieler konnten unter Beweis stellen, dass auch sie zu recht den Anspruch auf einen Platz im Kader der Nationalmannschaft haben. Einige von ihnen wird man sicherlich auch bei der WM 2018 in Russland wiedersehen werden. Vor allem für Timo Werner wird das Spiel Balsam für die Seele gewesen sein. Nachdem der RB Leipzig Stürmer vor allem in der 1. Halbzeit einen schweren Stand hatte, konnte er in Halbzeit 2 dann mit seinen ersten beiden Treffern im Dress des DFB ein Ausrufezeichen setzen. Er arbeitete viel, ließ sich immer mal wieder ins Mittelfeld fallen und half beim Spielaufbau. Werner hat gezeigt, dass er einer für die Zukunft ist und ganz viel Potential mitbringt.

Wie geht es weiter?

Die DFB-Elf hat nun erstmal einen freien Montag vor sich, bevor es mit den Vorbereitungen auf das Halbfinalspiel am Donnerstag den 29.06. losgeht. Dort trifft man, wieder in Sotschi, auf die auswahl des CONCACAF-Gold Cup Siegers Mexiko. Je nach Ausgang geht es danach am Sonntag den 02.07. entweder nach Moskau (Spiel um Platz 3) oder nach St. Petersburg ins Finale des Turniers gegen den Sieger aus der Partie Portugal – Chile.