Die WM-Chancen von Christoph Kramer steigen

Die einstige Komfortzone der deutschen Nationalmannschaft, das zentrale Mittelfeld, ist knapp zwei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft zur größten Baustelle von Bundestrainer Joachim Löw geworden. Während mit Ilkay Gündogan und Lars Bender zwei Spieler verletzungsbedingt ausfallen, steht hinter den beiden Leistungsträgern Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger ein Fragezeichen. Die Ausfälle und Formkrisen der anderen könnte sich als die Chancen für DFB-Neuling Christoph Kramer entpuppen.

Verletzungsbedingte Ausfälle kurz vor einem internationalen Turnier wie einer Fußball-Weltmeisterschaft sind nicht nur für die betroffenen Spieler eine Katastrophe, auch die Nationaltrainer werden dadurch oftmals vor große Herausforderungen gestellt. Bundestrainer Joachim Löw steht derzeit genau vor solchen und hat noch rund zwei Wochen Zeit Lösungen dafür zu finden.

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Eine von vielen Baustellen: Wird Schweinsteiger wieder fit sein?

Das einstige Prunkstück der DFB-Auswahl, das zentrale Mittelfeld, hat sich binnen weniger Monate zum größten Fragezeichen im deutschen WM-Aufgebot entwickelt. Löw wird in Brasilien nicht nur auf den Langzeitverletzten Ilkay Gündogan (Rückenprobleme) verzichten müssen, seit vergangener Woche steht ihm auch Lars Bender (Oberschenkelverletzung) nicht mehr zur Verfügung. Zu den verletzten Spielern kommen auch noch jene hinzu die derzeit nicht ihr Leistungsmaximum abrufen können, z.B. Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira. Letzter ist nach seinem Kreuzbandriss zwar pünktlich zur WM-Vorbereitung wieder einsatzfähig, doch das Champions League-Finale am Samstag hat gezeigt, dass Khedira bei weitem noch nicht bei 100 Prozent ist. Auch Schweinsteiger fehlt der nötige Rhythmus, der Vize-Kapitän hat sich diese Saison mit zahlreichen Verletzungen herumgeplagt.

Christoph Kramer
Christoph Kramer

Während sich ganz Fußball-Deutschland seit Wochen fragt, ob Khedira und Schweinsteiger rechtzeitig zur WM ihre Form finden, bringt sich ein DFB-Neuling klangheimlich in Position. Der Gladbacher Christoph Kramer gab erst Mitte Mai im Freundschaftsspiel gegen Polen sein Länderspieldebüt für die A-Nationalmannschaft und könnte schon bald vor seinem ersten WM-Einsatz stehen. Kramer, der von vielen als Laufwunder bezeichnet wird, schaffte zur Überraschung vieler nachträglich den Sprung ins vorläufige WM-Aufgebot von Löw und sammelt seit dem von Tag zu Tag Pluspunkte beim Bundestrainer. Dieser äußerte sich gestern wie folgt zu dem 23-jährigen “Kramers Chancen auf eine WM-Ticket stehen gut, weil er im zentralen Mittelfeld läuferisch sehr stark, belastbar und ballsicher ist. Mein Eindruck ist sehr positiv”.

Kramer selbst möchte sich zu seinen WM-Chancen nicht nutzen, er ist dankbar “reinschnuppern” zu dürfen und will sich über starke Trainingsleistungen dem Bundestrainer empfehlen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Aussagen und den aktuellen Personalsorgen im zentralen Mittelfeld zweifeln die wenigsten Experten daran, dass Löw Kramer kommende Woche aus dem finalen 23 Kader für die WM-Endrunde streicht.