FIFA Beben – „Totale Diktatur“: Blatter kritisiert Infantino und Trump

Der frühere FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hat in einem Radio-Interview scharfe Kritik an seinem Nachfolger Gianni Infantino und an US-Präsident Donald Trump geübt. Blatter bezeichnet Trumps Einfluss auf die WM-Planung als „das Schlimmste, was der FIFA passiert ist“ und fordert die FIFA-Mitglieder zum Handeln auf. Zugleich warnt er vor einer zunehmenden „Diktatur“ innerhalb der FIFA unter Infantino und beklagt, dass Funktionären heute „Handschellen“ angelegt und Geld oder Aufstiegschancen angeboten würden, um sie zum Schweigen zu bringen. Einen Boykott des Turniers lehnt Blatter jedoch ausdrücklich ab.

Franz Beckenbauer (R) erhält den Presidential award von FIFA Präsident Joseph Blatter beim FIFA Ballon d'Or 2013. AFP PHOTO / OLIVIER MORIN
Franz Beckenbauer (R) erhält den Presidential award von FIFA Präsident Joseph Blatter beim FIFA Ballon d’Or 2013. AFP PHOTO / OLIVIER MORIN

Blatter kritisiert Trumps Einmischung in WM-Planung

Blatter bezeichnete die Einmischung von Donald Trump in die Planung der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) im Interview mit Radio Canada als schwerwiegenden Eingriff: „Trumps Einmischung in die Planung der Fußball-WM im Sommer sei ‚das Schlimmste, was der FIFA passiert ist‘.“ Er sieht in Trumps Drohungen, Spiele aus demokratisch regierten Städten zu verlegen, eine direkte Gefährdung der WM-Planung und der internationalen Integrität des Turniers. In Europa hatte diese Entwicklung kurzzeitig eine Debatte über einen möglichen WM-Boykott ausgelöst, nachdem Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern für zusätzliche internationale Kritik an Trumps Außen- und Innenpolitik sorgten.

Vorwurf gegen FIFA-Führung unter Infantino

Mit Blick auf die aktuelle FIFA-Führung unter Gianni Infantino sprach Blatter von verschärften Problemen im Verband: „Bei der FIFA sei es trotz der zahlreichen Skandale in seiner Amtszeit inzwischen ’schlimmer als früher‘.“ Er warnt vor Machtmissbrauch und fehlender Transparenz und kritisiert, dass Funktionären inzwischen quasi „Handschellen“ angelegt würden. Blatter moniert, dass vielen Verantwortlichen heute „Geld oder Aufstiegsmöglichkeiten angeboten [würden], um sie zum Schweigen zu bringen“ — ein Vorwurf, der die interne Ethik- und Governance-Debatte bei der FIFA erneut anheizt.

Aufruf an FIFA-Mitglieder — Boykott wird abgelehnt

Der 89-Jährige rief die FIFA-Mitglieder zur klaren Positionierung gegen das Vorgehen von Infantino und Trump auf: „Warum stehen wir nicht auf?“, fragte Blatter und bat sie, „aufzustehen und zu sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Wir haben noch Zeit, etwas zu unternehmen“. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er die Idee eines Boykotts ablehnt. Blatter kritisierte außerdem die aus seiner Sicht „diffamierende Politik gegenüber allem Fremden“ in den USA und zeigte sich irritiert über die Nähe Infantinos zu Trump — insbesondere die Verleihung des eigens geschaffenen „FIFA-Friedenspreises“ an den US-Präsidenten nannte er unpassend.

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Kontext: Blatters Amtszeit und die aktuelle Debatte

Blatter war von 1998 bis 2016 Präsident der FIFA; während seiner Amtszeit sei nach Ansicht des Interviews ein beispielloses Korruptionsnetzwerk entstanden. Diese historische Dimension prägt die Wahrnehmung der jetzigen Vorwürfe gegen die FIFA-Führung. Gleichzeitg sorgt die Nähe zwischen Infantino und Trump sowie die Diskussion um Menschenrechts- und Regierungsfragen in den Gastgeberländern der WM für zusätzlichen öffentlichen Druck auf den Weltverband.