UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti warnt vor „mikroskopischen VAR-Eingriffen“

UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti hat in Brüssel die VAR-Technik verteidigt und zugleich vor einer „Detektivmentalität“ gewarnt. Der 58‑jährige frühere Top-Referee betonte, dass man nicht in Richtung mikroskopischer VAR‑Eingriffe gehen dürfe und kündigte Gespräche zu dem Thema für das Saisonende an. Rosetti hob die Vorteile des Video-Assistenten für UEFA‑Wettbewerbe und nationale Ligen hervor und verwies auf die Bedeutung, klare Fehler zu korrigieren – im Interesse der Gerechtigkeit und der Fans. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Technologie bei Interpretationen und subjektiven Bewertungen schwieriger einzusetzen sei.

Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych zeigt dem polnischen Mittelfeldspieler Bartosz Kapustka während des Viertelfinalspiels der Euro 2016 zwischen Polen und Portugal im Stade Velodrome in Marseille am 30. Juni 2016 die gelbe Karte. / AFP PHOTO / BORIS HORVAT
Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych zeigt dem polnischen Mittelfeldspieler Bartosz Kapustka während des Viertelfinalspiels der Euro 2016 zwischen Polen und Portugal im Stade Velodrome in Marseille am 30. Juni 2016 die gelbe Karte. / AFP PHOTO / BORIS HORVAT

Rosetti verteidigt VAR und seine Ziele

Roberto Rosetti bezeichnete den VAR als „fantastisches Projekt“ und erinnerte daran, weshalb der Video‑Assistent eingeführt wurde: um klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Er betonte, dass die Technologie „bei sachlichen und objektiven Entscheidungen hervorragend“ funktioniere und dadurch die Gerechtigkeit auf dem Platz gestärkt werde. Trotz teils hitziger Diskussionen in einigen europäischen Ländern sieht Rosetti den Nutzen für UEFA‑Wettbewerbe ebenso wie für nationale Ligen und unterstrich den Vorteil für Spieler, Vereine und Fans.

Warnung vor mikroskopischen Eingriffen und Superzeitlupe

Gleichzeitig warnte Rosetti vor einer Überanalyse einzelner Situationen: „Wir können nicht in diese Richtung mikroskopischer VAR‑Eingriffe gehen. Wenn man eine Situation in Superzeitlupe betrachtet, findet man vieles. Wir müssen vorsichtig sein.“ Er macht damit deutlich, dass der Video‑Assistent nicht dazu dienen dürfe, jede noch so kleine Nuance bis ins Letzte zu sezieren. Den Umgang mit Zeitlupen und Detailprüfungen will die UEFA nach seinen Angaben am Saisonende thematisieren und gegebenenfalls Anpassungen beraten.

Handspielregel und eine einheitliche technische Sprache

Rosetti kündigte außerdem Gespräche über die Handspielregel vor der kommenden Saison an und forderte eine europaweit einheitliche „technische Sprache“. Ob europäischer Wettbewerb oder nationale Liga – es brauche „nur eine konsistente Interpretation. Wir arbeiten daran“, sagte der Italiener und machte damit die Angleichung von Auslegungen und Bewertungsstandards zur Priorität. Nur so, so Rosetti, lasse sich die Akzeptanz des VAR weiter stabilisieren.

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