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Noch 117 Tage bis zum Anpfiff der WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA – und in Berlin kracht es bereits hinter den Kulissen. Grund ist die neue Lärmschutzverordnung von Umweltminister Carsten Schneider. Sie soll regeln, wie laut und wie lange beim WM 2026 Public Viewing gefeiert werden darf. Doch wegen der Zeitverschiebung werden viele Spiele erst am Abend deutscher Zeit angepfiffen – manche Partys könnten also bis tief in die Nacht laufen. Genau darüber streiten jetzt mehrere Ministerien.

Zeitverschiebung als politischer Spielverderber
Die Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 findet auf dem nordamerikanischen Kontinent statt. Rund die Hälfte der 104 Spiele wird zwischen 18 und 23 Uhr deutscher Zeit beginnen. Heißt: Abpfiff teilweise erst nach Mitternacht. Für Fans kein Problem – für Anwohner schon.
Umweltminister Schneider will deshalb Ausnahmen vom Lärmschutz ermöglichen, damit öffentliche Übertragungen auch spätabends rechtssicher stattfinden können. Die Idee: Kommunen sollen mehr Spielraum bekommen, um Fanmeilen und Großleinwände zu genehmigen. Doch im Kabinett stößt der Entwurf nicht überall auf Zustimmung.
Agrarministerium blockiert – Streit um Prioritäten
Wie bekannt wurde, hat das Agrarministerium unter Leitung von Alois Rainer (CSU) den Entwurf zunächst gestoppt. Offiziell heißt es, man habe nicht genug Zeit gehabt, die Pläne gründlich zu prüfen. Intern geht es offenbar auch um andere Gesetzesvorhaben, die parallel auf dem Tisch liegen.
Im Raum steht der Vorwurf, dass insbesondere Änderungen im Tierschutzgesetz – etwa zur verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen – aktuell Priorität genießen. Ein Sprecher des Agrarministeriums betonte, zeitkritische Gesetzesvorhaben müssten innerhalb der Bundesregierung mit derselben Verlässlichkeit vorangebracht werden. Für Schneider kommt der Widerstand zur Unzeit.
Fanmeilen oder Nachtruhe? Eine politische Abwägung
Für viele Städte ist die WM ein wirtschaftlicher Faktor. Public Viewings bringen Besucher in Innenstädte, Gastronomie und Tourismus profitieren. Gleichzeitig geht es um Lärmschutz und Anwohnerrechte. Ein klassischer Zielkonflikt.
Klar ist: Ohne Sonderregelungen könnten zahlreiche Veranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden. Doch eine generelle Lockerung des Lärmschutzes ist politisch sensibel. Die Regierung muss entscheiden, wie viel Ausnahmezustand eine WM rechtfertigt. Die Zeit drängt – der Turnierstart rückt näher.