Frauen-Fußballklubs stimmen gegen Zusammenarbeit mit DFB

Der nächste Anlauf für eine gemeinsame Zukunft der Frauen-Bundesliga mit dem Deutschen Fußball-Bund ist gescheitert: Der neu gegründete Ligaverband FBL e.V. lehnt ein Joint Venture mit dem DFB ab. Damit bleibt offen, wie und wann eine neue Organisationsstruktur für die Eliteklasse der Frauen in Deutschland an den Start geht. Im Zentrum des Konflikts stehen Fragen nach Zuständigkeiten, Entscheidungsgewalt und finanziellen Verpflichtungen. Während der DFB die Entscheidung bedauert, pochen die Klubs darauf, die strategische Ausrichtung der Frauen-Bundesliga selbst zu steuern.

FC Bayern & Nationalspielerin Giulia Gwinn (Foto Depositphotos.com)
FC Bayern & Nationalspielerin Giulia Gwinn (Foto Depositphotos.com)

FBL e.V. blockt Joint Venture mit dem DFB ab

Im Streit um die künftige Organisation der Frauen-Bundesliga hat der Ligaverband FBL e.V. auf seiner ersten Mitgliederversammlung die Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures mit dem Deutschen Fußball-Bund abgelehnt. Grundlage der Entscheidung bildeten nach Verbandsangaben die Ergebnisse der Verhandlungen der vergangenen Wochen mit dem DFB. In einer von Eintracht Frankfurt verschickten Mitteilung heißt es, die vom DFB kommunizierten Positionen und Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit im Rahmen eines Joint Ventures ließen sich nicht erfüllen.

Dennoch wollen die Klubs den Dialog mit dem Dachverband nicht komplett abbrechen. Der FBL e.V. kündigte an, nun nach alternativen Formen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem DFB zu suchen. Damit rückt zwar das ursprünglich geplante gemeinsame Konstrukt in weite Ferne, gleichzeitig bleibt die Tür für andere Modelle der Kooperation zur Professionalisierung der Liga offen.

DFB bedauert Entscheidung und wirbt weiter für Kooperation

Der DFB reagierte mit deutlicher Enttäuschung auf den Kurs der Vereine. Der Verband „bedauert die Entscheidung des FBL e.V., wonach die Frauen-Bundesliga künftig nicht unter dem Dach eines gemeinsamen Joint Venture organisiert werden soll“, ließ er mitteilen. Zugleich betonte der DFB, man sei weiterhin bereit, mit dem Ligaverband und den Klubs über die weitere Professionalisierung der höchsten Spielklasse zu sprechen.

Aus Verbandskreisen heißt es, man wolle in der Sache vorankommen und sei an „guten Lösungen“ interessiert. Allein die fortschreitende internationale Entwicklung des Frauenfußballs gebiete es, tragfähige Strukturen und eine wettbewerbsfähige Liga aufzubauen. Der DFB hatte in diesem Kontext Investitionen von 100 Millionen Euro über acht Jahre in Aussicht gestellt.

Klubs pochen auf Gestaltungshoheit und klare Governance

Für die Klubs bleibt die Frage der Steuerungshoheit zentral. FBL-Präsidentin Katharina Kiel bezeichnete den bisherigen Prozess als wichtig, weil er die entscheidenden Fragen und Antworten klar herausgearbeitet habe. Diese Klarheit nehme man nun in die weiteren Gespräche mit dem Verband mit. Für Kiel steht fest: Die Zukunft der Frauen-Bundesliga müsse dort gestaltet werden, wo der sportliche und wirtschaftliche Motor liege – bei den Klubs.

Die Vereine tragen nach eigener Darstellung die größte Investitions- und Umsetzungsverantwortung und fordern dafür klare Zuständigkeiten, hohe Handlungsfähigkeit und eine Governance-Struktur, die Wachstum beschleunigt und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Dabei geht es insbesondere um Mitspracherechte bei Kernentscheidungen, etwa bei der strategischen Ausrichtung, der Vermarktung sowie bei wirtschaftlichen Grundsatzfragen.

Finanzielle Lasten und Streit um Entscheidungsgewalt im Hintergrund

Im Kern des Konflikts stehen auch die finanziellen Dimensionen der angestrebten Reform. Während der DFB 100 Millionen Euro über acht Jahre investieren will, kalkuliert man auf Klubseite mit Gesamtaufwendungen zwischen 300 und 900 Millionen Euro, die auf die Vereine zukommen könnten. Diese Mittel sollen vor allem in Infrastruktur, Mindestgehälter für Spielerinnen, personelle Anforderungen in den Vereinen und die Nachwuchsförderung fließen.

Bereits im Dezember hatten die Bundesligisten als Reaktion auf Zerwürfnisse mit dem DFB im Alleingang den Ligaverband „Frauen-Bundesliga FBL e.V.“ gegründet. Ursprünglich sollte sich eine Art „Frauen-DFL“ am DFB-Campus konstituieren, doch die Vereine warfen dem Verband öffentlich vor, sich nicht an zuvor getroffene Verabredungen gehalten zu haben. Besonders strittig war die Frage, wer bei Entscheidungen in zentralen Bereichen letztlich das Sagen haben soll. Vor diesem Hintergrund wirkt die nun erfolgte Absage an ein gemeinsames Joint Venture als nächste Eskalationsstufe im Ringen um die Zukunftsstruktur der Frauen-Bundesliga.