WM 2026 & die UEFA: Zwischen Russland & Trump-Boykott

Beim 50.UEFA-Gipfel in Brüssel steht die Debatte um die WM und die politische Positionierung des europäischen Fußballs im Mittelpunkt. Hans-Joachim Watzke und DFB-Chef Bernd Neuendorf versuchen, die Diskussion zu beruhigen, doch Druck durch die Machenschaften von Donald Trump, die umstrittenen Auftritte von Gianni Infantino und die mögliche Rückkehr Russlands lassen die Gremien nicht zur Tagesordnung übergehen. EU-Abgeordnete und Verbandsvertreter fordern ein klares Bekenntnis zu Menschenrechten, Inklusion und internationalen Normen. Auf dem Brüsseler Kongress könnten Entscheidungen des Exekutivkomitees weichen, die die Ausrichtung Europas gegenüber FIFA und WM beeinflussen. Um 18.00 Uhr MEZ findet zudem die Auslosung der Ligaphase der UEFA Nations League 2026/27 statt.

EM 2028 & EM 2032 - Wo finden die nächsten beiden Fußball Europameisterschaften statt? (Copyright depositphotos.com)
EM 2028 & EM 2032 – Wo finden die nächsten beiden Fußball Europameisterschaften statt? (Copyright depositphotos.com)

UEFA-Gipfel in Brüssel: WM-Debatte prägt die Gespräche

Der UEFA-Gipfel in der Brüsseler Messe sollte formal ohne die Mega-WM-Diskussion auskommen, doch auf den Fluren bleibt das Thema allgegenwärtig. Watzke und Neuendorf geben sich größte Mühe, die leidige Debatte im Keim zu ersticken; gleichzeitig sehen sie sich Rufen nach einer Reaktion auf Donald Trump und Gianni Infantino ausgesetzt. Auch die Frage der strategischen Ausrichtung gegenüber der FIFA und die Rolle der UEFA als politisches und moralisches Gegengewicht wird intern diskutiert. Die Atmosphäre bleibt angespannt, weil Europas Verbände an ihrer Glaubwürdigkeit gemessen werden.

EU-Abgeordnete fordern klares Bekenntnis zu Menschenrechten

Mehrere EU-Abgeordnete erinnerten die UEFA in einem Brief daran, dass sie zwar nicht Veranstalter der WM ist, innerhalb der FIFA aber moralisches und politisches Gewicht besitzt. Deshalb sollten die europäischen Verbände ihr Engagement für Menschenrechte, Inklusion und internationale Normen noch einmal betonen, fordern die Abgeordneten unter Verweis auf Berichte der Tagesschau. Annalena Baerbock mahnte in einem FAZ-Interview, „sich bei solchen Großereignissen nicht auf den Rängen als Claqueure politisch instrumentalisieren zu lassen“. Gleichzeitig wird anerkannt, dass der US-Markt für Europas Top-Ligen wirtschaftlich attraktiv bleibt und Interessenkonflikte hervorruft.

Boykott, Optionen und Stimmen aus dem Fußball

Die Debatte um einen Boykott der WM wird kontrovers geführt: DFB-Vize Oke Göttlich, der intern zu einem frühzeitigen „Nein“ gedrängt hatte, fordert eine klare Abwägung, „in welches Land wir in welchen Zeiten fahren und was wir dort repräsentieren wollen“. Er fügte im ZDF hinzu, man könne in die USA reisen und „hoffentlich weit kommt und für die Demokratie Fußball spielt“. Stanis Elsborg von Play the Game warnt davor, die Frage auf ein simples Ja-oder-Nein zu reduzieren; der EU-Abgeordnete Erik Marquardt nennt ein Fernbleiben „eine unter verschiedenen Optionen“, die die UEFA prüfen müsse. Norwegens Verbandschefin Lise Klaveness lehnt einen isolierten Boykott ab und fordert, „dass die europäischen Länder mit einer Stimme sprechen und zusammenstehen“.

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Russland, Infantino und die Rolle der UEFA

Die mögliche Rückkehr Russlands in den internationalen Spielbetrieb hat die Diskussion zusätzlich verschärft: Infantino brachte eine Rückkehr trotz des anhaltenden Angriffskrieges gegen die Ukraine wieder in Aussicht und setzte damit die UEFA indirekt unter Druck. Auf europäischer Ebene muss das Exekutivkomitee, das unter anderem Watzke angehört und am Mittwoch tagte, über eine mögliche Aufhebung von Sanktionen entscheiden. Der DFB äußerte sich auf Anfrage nicht zu seiner Position in den Gremien, während Stimmen laut werden, die sich eine entschlossenere europäische Opposition zur FIFA wünschen. Joseph S. Blatter bezeichnete frühere Proteste als „Schlag ins Wasser“, und Michel Platini forderte in einem Guardian-Interview, UEFA-Boss Aleksander Ceferin müsse in der FIFA „präsenter sein“, um Infantino „von weiteren Dummheiten abzuhalten“.