Saudis verwarnen Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo

Die Saudi Pro League hat Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo nach seinem jüngsten Verhalten bei Al-Nassr deutlich in die Schranken gewiesen. Hintergrund ist, dass der Portugiese beim Ligaspiel gegen Al-Riyadh überraschend nicht im Kader stand und Medienberichte von einem Streik die Runde machten. Ein Ligasprecher betonte, kein Spieler – auch Ronaldo nicht – dürfe sich über seinen Klub erheben. Zugleich hob die Liga Ronaldos Bedeutung für Al-Nassr und seinen ungebrochenen Ehrgeiz hervor. Die Affäre legt Spannungen rund um den Einfluss des staatlichen Investors und die Transferpolitik in Saudi-Arabiens Eliteklasse offen.

Nassrs portugiesischer Stürmer (Nr. 07) Cristiano Ronaldo kämpft mit Akhdouds saudischem Verteidiger Hussain al-Zabdani um den Ball während des Fußballspiels der saudischen Profiliga zwischen Al-Nassr und Al-Akhdoud im Al-Awal-Park-Stadion von Riad am 24. November 2023. (Foto: AFP)
Nassrs portugiesischer Stürmer (Nr. 07) Cristiano Ronaldo kämpft mit Akhdouds saudischem Verteidiger Hussain al-Zabdani um den Ball während des Fußballspiels der saudischen Profiliga zwischen Al-Nassr und Al-Akhdoud im Al-Awal-Park-Stadion von Riad am 24. November 2023. (Foto: AFP)

Pro-League-Sprecher mahnt Ronaldo und stellt Klub-Hierarchie klar

Die saudi-arabische Pro League hat Cristiano Ronaldo im Zuge der Diskussionen um sein Verhalten bei Al-Nassr öffentlich verwarnt. „Kein Einzelner, wie bedeutend er auch sein mag, darf sich in seinen Entscheidungen über seinen Verein erheben“, erklärte ein Sprecher der Liga gegenüber der BBC. Damit spielte er auf Berichte an, der Superstar habe sich geweigert zu spielen und sich damit über die sportlichen Entscheidungen seines Arbeitgebers gestellt.

Gleichzeitig betonte der Ligasprecher Ronaldos Stellenwert für den Traditionsklub aus Riad. Seit seiner Ankunft habe sich der 41-Jährige „voll und ganz eingebracht“ und eine zentrale Rolle für Wachstum und Ambitionen von Al-Nassr übernommen. Dass der Offensivmann ständig gewinnen wolle, sei typisch für einen Spitzensportler. Dennoch machte die Ligaleitung klar, dass auch ein Weltstar wie Ronaldo sich an die vorgegebenen Strukturen und Entscheidungswege halten muss.

Streitpunkt Nichtnominierung: Medien berichten von „Streik“

Der Konflikt entzündete sich an Ronaldos Fehlen im Aufgebot von Al-Nassr für die Partie der Saudi Pro League bei Al-Riyadh (1:0). Der Portugiese stand am Montag nicht im Kader, was umgehend Spekulationen auslöste. Laut der portugiesischen Sportzeitung „A Bola“ soll Ronaldo die Einsatzverweigerung als Protest gegen die aktuelle Führung des Vereins verstanden haben, die vom mächtigen Staatsfonds PIF gesteuert wird. In den Berichten war explizit von einem „Streik“ die Rede.

Ronaldo reagierte seinerseits über die Sozialen Medien. Er veröffentlichte ein Foto, das ihn zurück im Training bei Al-Nassr zeigt, und versah es mit zwei Herzen in Gelb und Blau, den Vereinsfarben des Klubs. Eine direkte Stellungnahme zu den Vorwürfen oder den Berichten über einen Streik blieb der mehrfache Weltfußballer allerdings schuldig. Die Saudi Pro League sah sich dennoch veranlasst, die Rolle des Profis klar einzuordnen und das Primat der Vereinsentscheidungen zu unterstreichen.

Unzufriedenheit wegen Transferpolitik und PIF-Einfluss

Im Mittelpunkt der Unruhe steht offenbar die Transferpolitik im saudi-arabischen Spitzenfußball und der Einfluss des Staatsfonds Public Investment Fund (PIF). Dieser kontrolliert sowohl Ronaldos Klub Al-Nassr als auch Rekordmeister und Tabellenführer Al-Hilal, die derzeit um die Vormachtstellung im Königreich ringen. Medienberichten zufolge stört sich Ronaldo daran, wie der Investor die sportliche Ausrichtung und die Kaderplanung der Vereine steuert.

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Nach Darstellung der Liga liegen Entscheidungen über Spielerverpflichtungen, Ausgaben und strategische Ausrichtung jedoch ausdrücklich in der Verantwortung der einzelnen Vereine. Diese müssten sich an einen finanziellen Rahmen halten, der langfristige Nachhaltigkeit und ein gewisses Wettbewerbsgleichgewicht sicherstellen soll. Die jüngsten Transfers spiegelten nach Angaben des Sprechers die Unabhängigkeit der Klubs wider, auch wenn der übergeordnete Geldgeber derselbe ist.

Kontrast zu Al-Hilal: Transfers schüren Spannungen bei Al-Nassr

Ein Kernpunkt von Ronaldos Unzufriedenheit soll der spektakuläre Transfer seines früheren Real-Madrid-Teamkollegen Karim Benzema sein. Der Franzose wechselte innerhalb der Liga von Al-Ittihad zum Spitzenreiter Al-Hilal und legte dort einen Traumstart hin. Bei seinem Debüt für den Tabellenführer traf der Stürmer am Donnerstag bei Al-Okhdood direkt dreifach und unterstrich damit seine Klasse – ein weiterer Prestigeerfolg für Al-Hilal.

Al-Nassr dagegen hielt sich im jüngsten Winter-Transferfenster auffallend zurück. Der Klub verstärkte sich lediglich mit dem irakischen Mittelfeldspieler Haydeer Abdulkareem. Vor dem Hintergrund, dass beide Topklubs vom PIF kontrolliert werden, wirkt das Ungleichgewicht in der Transferaktivität brisant. Es nährt den Eindruck, dass Al-Hilal aktuell mehr sportliche Priorität genießt – ein Umstand, der für einen erfolgshungrigen Profi wie Ronaldo offenkundig schwer zu akzeptieren ist.