Deniz Aytekin hört auf zum Saisonende: „Stimmung eskaliert jedes Wochenende“

Deniz Aytekin wie Patrick Ittrich hören als Bundesliga-Schiedsrichter zum Saisonende auf: „Stimmung eskaliert jedes Wochenende“ – der 47-Jährige hat seinen Rückzug aus der Bundesliga angekündigt und nennt die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Schiedsrichtern als entscheidenden Grund. Aytekin, dreimaliger „Schiedsrichter des Jahres“, geht nach 20 Jahren in den beiden höchsten deutschen Spielklassen in seine letzten Wochen als Profi-Referee. Vor seinem 250. Bundesliga-Einsatz am Sonntag beim Spiel VfB Stuttgart gegen RB Leipzig (19.30 Uhr/DAZN) erklärte er, die anhaltenden Belastungen und die Haltung von Fans, Publikum und Medien bestätigten seinen Entschluss zum selbstbestimmten Abschied. Gleichzeitig begrüßt er Regeländerungen und eine Ausweitung der VAR-Befugnisse, um klare Situationen schneller zu klären.

Schiedsrichter Deniz Aytekin gibt in seinem roten Trikot eine Entscheidung im UEFA-Europa-League-Achtelfinal-Hinspiel zwischen SS Lazio und dem FC Porto am 24. Februar 2022 im Olympiastadion in Rom. (Copyright Depositphotos.com)
Schiedsrichter Deniz Aytekin gibt in seinem roten Trikot eine Entscheidung im UEFA-Europa-League-Achtelfinal-Hinspiel zwischen SS Lazio und dem FC Porto am 24. Februar 2022 im Olympiastadion in Rom. (Copyright Depositphotos.com)

Rücktritt zum Saisonende: Gründe und Timing

Aytekin betont, dass sein Entschluss zum Ende der Saison bewusst und selbstbestimmt falle. Aufgrund der „ständig wachsenden Belastungen für Referees“ sowie der zunehmenden Feindseligkeit halte er den Zeitpunkt für „richtig“. Der Franke geht nach einer 20-jährigen Laufbahn in den beiden höchsten deutschen Spielklassen und hat sich bereits vor vier Jahren von der internationalen Bühne zurückgezogen. Vor dem anstehenden 250. Bundesliga-Einsatz schilderte er die Belastungen als deutlich höher als früher und machte klar, dass die aktuelle Atmosphäre maßgeblich zu seinem Rückzug beigetragen habe.

Kritik an Fans, Medien und Umgang mit Schiedsrichtern

Aytekin kritisiert explizit die Haltung von Fans, Publikum und Medien gegenüber Spielleitern. „Insgesamt“, sagte er im Interview mit der Frankfurter Rundschau, „eskaliert die Stimmung jedes Wochenende – gegen uns Schiedsrichter, gegen die Videoassistenten. Das ist eine sehr unschöne Entwicklung.“ Er beklagt zudem „teilweise menschenverachtende Äußerungen“ und berichtet von Hass, Beleidigungen und Drohungen, die hohe Anforderungen an die innere Stabilität der Unparteiischen stellten. Aus seiner Sicht fehlt im Fußball zunehmend die Bereitschaft zum Dialog: Die Menschen seien „extrem emotionalisiert“, urteilen zu schnell und wollten oft nicht den Kontext komplexer Situationen verstehen.

VAR und Regeländerungen: Technik als Lösung für klare Szenen

Gleichzeitig zeigt sich Aytekin offen für technische Unterstützung und kommende Regeländerungen. Er begrüßt weitgehend die Erweiterung der VAR-Befugnisse und weist auf die Bedeutung schneller, klarer Entscheidungen hin. „Man solle sich einmal vorstellen“, sagte der Betriebswirt, „das WM-Finale würde durch einen fälschlich gegebenen Eckstoß entschieden werden. Alles, was schnell gelöst werden kann, sollte vom VAR auch gelöst werden.“ Zugleich mahnt er Realismus an: „Eine 100-prozentige Trefferquote bei Entscheidungen kann auch mithilfe der Technik nicht geliefert werden.“

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Ausblick: Keine endgültige Abkehr vom Schiedsrichterwesen

Obwohl Aytekin seine aktive Rolle als Bundesliga-Referee beendet, schließt er eine spätere Tätigkeit im Schiedsrichterwesen des DFB nicht aus. Er sagte, er habe bereits vor vier Jahren die internationale Bühne verlassen, und ergänzte: „Wenn ich einen sinnvollen Beitrag leisten kann, dann werden wir sicher einen Weg finden.“ Damit lässt der dreimalige „Schiedsrichter des Jahres“ die Möglichkeit offen, seine Erfahrung künftig abseits des Spielfelds einzubringen.