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Krise beim FC Bayern? Für Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus ist von Panik an der Säbener Straße keine Spur. Zwar hat der FC Bayern München in der Bundesliga zuletzt gegen den FC Augsburg verloren und beim Hamburger SV nur ein Remis geholt, doch der TV-Experte bewertet die Lage entspannt. Trotz geschrumpftem Vorsprung an der Tabellenspitze und defensiver Wackler traut Matthäus der Mannschaft von Vincent Kompany eine schnelle Stabilisierung zu. Entscheidende Faktoren seien die hohe Belastung der vergangenen Monate und die Möglichkeit, in den kommenden Wochen wieder gezielter zu arbeiten und Kräfte zu sammeln.

Tabellenführung schrumpft – Diskussion um Mini-Krise beim FC Bayern
Der FC Bayern München steckt nach zwei sieglosen Ligapartien in Folge sportlich in einer ungewohnten Phase. Auf die 1:2-Heimniederlage in der Allianz Arena gegen den FC Augsburg folgte ein 2:2 beim Hamburger SV, wodurch der komfortable Vorsprung des Spitzenreiters in der Bundesliga deutlich geschmolzen ist. Borussia Dortmund sitzt den Münchnern inzwischen im Nacken und liegt nur noch sechs Punkte hinter dem Rekordmeister. Gleichzeitig hat sich die TSG 1899 Hoffenheim mit einer beeindruckenden Serie von fünf Siegen hintereinander bis auf Rang drei vorgeschoben und gilt aktuell als formstärkste Mannschaft der Liga.
Vor allem aufgrund dieser Konstellation wächst rund um den Rekordmeister die Debatte, ob sich tatsächlich eine Krise anbahnt. Vor dem direkten Duell mit Hoffenheim in der Allianz Arena nimmt Lothar Matthäus diese Diskussion jedoch deutlich den Druck. Der ehemalige Weltmeister und langjährige Bayern-Kapitän ordnet die jüngsten Ergebnisse vor allem als Folge hoher Belastung und kleiner Schwächen im Defensivverbund ein, nicht als strukturelle Schieflage im Titelrennen.
Matthäus lobt Offensive und warnt vor Defensivproblemen
Im Gespräch mit dem Pay-TV-Sender Sky zeigt sich Matthäus gelassen, was den Meisterschaftskampf angeht. Auf die Frage, ob der FC Bayern die Schale noch aus der Hand geben könnte, sagt der 64-Jährige: „Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“ Vor allem die Spielanlage nach vorne gefällt dem Experten. Unter Cheftrainer Vincent Kompany präsentiert sich der Rekordmeister offensiv variabel, mit viel Tempo und Attraktivität im Ballbesitzspiel. Das Leder zirkuliert häufig dominant durch die eigenen Reihen, die Kugel findet regelmäßig den Weg in den Strafraum des Gegners.
Gleichzeitig spart Matthäus die Schwachstellen nicht aus. „Sie haben Probleme in der Defensive – besonders, wenn der Gegner mit schnellem Umschaltspiel und über die Flügel mutig nach vorne stößt“, analysiert er. Die Abwehrarbeit gerät vor allem dann ins Wanken, wenn der Gegner nach Ballgewinn konsequent umschaltet und die Räume hinter der hochstehenden Bayern-Kette attackiert. Laut Matthäus ist dies kein neues Phänomen, sondern bereits in mehreren Partien sichtbar gewesen.
Defensive Wackler kein neues Phänomen
Nach Einschätzung des TV-Experten ziehen sich die defensiven Unsicherheiten wie ein roter Faden durch die vergangenen Wochen. „Das hat man schon bei Union Berlin, gegen Mainz, gegen Augsburg und auch beim 2:2 in Hamburg gesehen“, so der ehemalige Weltklasse-Libero. Immer wieder eröffneten die Münchner ihren Gegnern Räume, wenn das Gegenpressing nicht im ersten Moment griff oder die Flügelspieler nicht rechtzeitig in die Restverteidigung nachschoben.
Dennoch stellt Matthäus klar, dass diese Probleme nicht ausreichen, um von einer echten Krise zu sprechen. Vielmehr erkennt er im bisherigen Saisonverlauf eine grundsätzlich dominante Bayern-Mannschaft, die sich ihre Führungsposition in der Tabelle erarbeitet hat, nun aber punktuell nachjustieren muss. In seinen Augen geht es für Kompany und sein Trainerteam darum, die Balance zwischen Angriffswucht und defensiver Stabilität weiter zu verfeinern.
Hohe Belastung und kurze Sommerpause als Erklärungsansatz
Als weiteren Faktor für die jüngsten Punktverluste nennt Matthäus die enorme Belastung der vergangenen Monate. Durch die Teilnahme an der Klub-WM sei die Sommerpause des Rekordmeisters verkürzt gewesen, wodurch den Profis weniger Zeit zur Regeneration geblieben sei. „Die vergangenen Monate waren anstrengend. Zuletzt hatten sie mehrere englische Wochen“, erklärt der Experte. Die vielen Partien im Drei-Tages-Rhythmus hinterließen Spuren in der Frische, sowohl körperlich als auch mental.
Mit dem Ende der Ligaphase in der UEFA Champions League entspannt sich der Spielplan nun etwas. Unter der Woche stehen für die Münchner weniger Pflichtspiele an, was den Trainingsalltag an der Säbener Straße spürbar verändert. Vincent Kompany erhält mehr Einheiten, um an taktischen Details zu arbeiten, Automatismen in der Defensive zu schärfen und den Spielern gezielt Ruhetage zu geben. Genau darin sieht Matthäus einen entscheidenden Schlüssel, um die zuletzt verlorene Konsequenz wiederzufinden.
Matthäus erwartet Bayern-Reaktion – Hoffenheim als Härtetest
Matthäus zeigt sich überzeugt, dass der Rekordmeister das kleine Zwischentief zeitnah überwinden wird. „Vincent Kompany kann mit der Mannschaft an Feinheiten arbeiten und den Spielern den einen oder anderen Ruhetag geben. Wenn ihre Akkus wieder richtig aufgeladen sind, glaube ich, dass die Bayern wieder zu sich finden werden“, prognostiziert der ehemalige Bayern-Profi. Er rechnet damit, dass die Mannschaft nach einer Phase der Belastungssteuerung wieder mit frischerem Kopf und mehr Stabilität in der Rückwärtsbewegung auftreten wird.
Der kommende Gegner in der Bundesliga könnte dabei kaum anspruchsvoller sein. Die TSG 1899 Hoffenheim reist als aktuell positivste Überraschung der Saison nach München. Unter Coach Christian Ilzer sammelten die Kraichgauer bislang 42 Punkte und setzten mit fünf Siegen in Serie ein klares Ausrufezeichen. „Ihre Ergebnisse sind kein Zufall, sondern das Produkt von harter Arbeit, Leistung und Qualität. Sie spielen einen offensiven, mutigen Fußball, bei dem das Zuschauen Spaß macht“, lobt Matthäus die TSG. Für den FC Bayern wird das Duell in der Allianz Arena damit zum echten Gradmesser inmitten der Debatte um eine mögliche Krise.
Zwischen den Ligaauftritten wartet zudem noch das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen RB Leipzig, ehe für die Münchner die nächste Chance besteht, die Diskussionen um ihre Form mit Ergebnissen auf dem Rasen zu beantworten.