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Am 11. Juni startet die Mammut-WM, doch einen Monat vor dem Anpfiff trüben gleich mehrere offene Baustellen die Vorfreude. Von politischen Spannungen über extreme Ticketpreise bis zu Sicherheits- und Kommerzfragen steht das Turnier schon vor dem ersten Spiel unter Druck.

Iran zwischen Kriegsgefahr und Reisebedingungen
Besonders heikel bleibt die Frage nach der Teilnahme Irans. Der Krieg in Nahost wirft weiter einen Schatten auf den Start der Asiaten in den USA, auch wenn der Verband FFIRI am Samstag seinen festen Willen bekräftigte, zur WM zu reisen. In derselben Erklärung machten die Iraner allerdings klar, dass die Gastgeber ihre Bedenken berücksichtigen müssten.
Konkreter wurde Teheran mit zehn Bedingungen, darunter die unkomplizierte Vergabe von Visa, Respekt für Flagge und Hymne sowie umfassende Sicherheitsgarantien an Flughäfen, in Hotels und auf den Wegen zu den Stadien. Auslöser für die zusätzliche Nervosität war auch ein Vorfall im April, als Kanada Verbandschef Mehdi Taj vor dem FIFA-Kongress die Einreise verweigerte. Taj gerät wegen seiner Verbindungen zu den Revolutionsgarden IRGC in die Kritik, die Kanada 2024 als Terrororganisation eingestuft hatte.

Ticketpreise, Gastgeber und schwindende Vorfreude
Für Empörung sorgen zudem die Eintrittspreise. Die Fanorganisation Football Supporters Europe, kurz FSE, spricht von „Wucher“ und einem „monumentalen Verrat“. Das teuerste Ticket für das Finale kostete 2022 noch regulär rund 1600 Dollar, inzwischen liegt es bei 32.970 Dollar. FIFA-Präsident Gianni Infantino hält diese Preisstruktur für passend. „Wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden“, sagte er.
Nach FIFA-Angaben gingen bereits mehr als 500 Millionen Ticketanfragen ein. Bei den Turnieren 2018 und 2022 waren es insgesamt nur 50 Millionen. Trotzdem sind auf Zweitmarktplattformen für viele Partien weiterhin Karten verfügbar, obwohl der Weltverband das Turnier als ausverkauft bezeichnet.
Auch die Rolle der Gastgeber sorgt für Unruhe. Durch Donald Trumps Wiederwahl ins Weiße Haus hat sich die ursprünglich als „Einheitsveranstaltung“ gedachte WM 2026 grundlegend verändert. Von einer harmonischen Beziehung zwischen den drei Ausrichtern USA, Kanada und Mexiko ist wenig geblieben. Seit seinem Amtsantritt spricht Trump wiederholt davon, Kanada zum „51. Bundesstaat“ der USA zu machen, parallel führt er einen Handelskrieg mit beiden Nachbarn.
Human Rights Watch warnt deshalb, die WM könne durch Trumps Politik gegen Einwanderung, Demonstrationen und Pressefreiheit von „Ausgrenzung und Angst“ geprägt werden. Amnesty International geht noch weiter und befürchtet, das Turnier könne zur „Bühne der Repression“ werden.
Parallel fehlt es in den USA an echter WM-Euphorie. Laut einem Bericht der American Hotel and Lodging Association bleiben die Hotelreservierungen deutlich hinter den Erwartungen zurück. In Kansas City lagen die Buchungszahlen sogar unter den sonst üblichen Werten für Juni und Juli. In Boston, Philadelphia, San Francisco und Seattle stuften viele der Befragten das Turnier als ein „Nicht-Ereignis“ ein. Als Hauptgründe gelten die Visahürden und allgemeine geopolitische Sorgen. Die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern verstärkt die Sicherheitsbedenken zusätzlich. Die USA und die FIFA müssten, so AHLA-Präsidentin Rosanna Maietta, sicherstellen, „dass internationale Reisende einen reibungslosen Aufenthalt erleben“.
Kommerz, Pausen und FIFA-Optimismus
Auch beim Turnierablauf setzt die FIFA auf ein Konzept, das Kritik provoziert. Alle 104 Spiele werden nach 22 Minuten für jeweils drei Minuten unterbrochen, offiziell damit die Spieler trinken können. Kritiker halten dagegen, dass die Werbewirkung für die TV-Sender im Mittelpunkt steht. Im Finale wird die Pause für eine aufwendig inszenierte Halbzeitshow außerdem auf voraussichtlich 30 Minuten ausgedehnt.
Infantino zeigt sich davon unbeeindruckt. „Es wird die größte Show der Welt. Fantastisch“, sagte der FIFA-Präsident. Grundsätzlich verweist der Weltverband darauf, dass mit Anpfiff des Turniers nur noch der Sport zähle. „Die Wahrheit ist, dass es sehr schwierig ist, etwas Negatives an dieser Weltmeisterschaft zu finden“, sagte Infantino jüngst auf einer Wirtschaftskonferenz in Beverly Hills.