Bundestrainer Nagelsmann mit seinem DFB-Sturm: Wer steht in der deutschen Startaufstellung?

Kai Havertz ist zurück im DFB-Training und bringt Julian Nagelsmann eine neue Option für den deutschen Angriff – doch die Auswahl bleibt eine Qual: Nagelsmann sucht Lösungen zwischen spielerischer Flexibilität, kopfballstarken Brechern und schnellen Kontern. Der Bundestrainer spricht offen von einer „Baustelle, die wir schließen müssen“ und betont zugleich, dass Varianten notwendig sind für bis zu acht Spiele auf dem Weg zum fünften Stern. Mit Havertz, Florian Wirtz und Jamal Musiala bietet der Kader einen offensiven „Dreizack“, während Spieler wie Deniz Undav als „eierlegende Wollmilchsau“ und Nick Woltemade als Joker diskutiert werden. Für die Position des schnellen „Pfeils“ konkurrieren Karim Adeyemi, Maximilian Beier und Kevin Schade – nur Schade darf diesmal vorspielen.

Kai Havertz spricht bei der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft am 25. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach mit den Medienvertretern. Alexander Hassenstein / Getty Images
Kai Havertz spricht bei der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft am 25. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach mit den Medienvertretern. Alexander Hassenstein / Getty Images

Havertz-Rückkehr und seine Rolle im DFB-Sturm

Kai Havertz kehrte ins Team zurück und absolvierte sein erstes Mannschaftstraining mit der Nationalmannschaft seit 492 Tagen. Für seine sehnlichst erwartete Rückkehr ließ Havertz sogar seinen Sohn an dessen erstem Geburtstag sitzen: „Den Morgen konnte ich noch mit ihm genießen“, berichtete der Arsenal-Profi nach dem Training, dann musste er abreisen nach Herzogenaurach, „so ist das in dem Geschäft“.

Havertz machte klar, dass er gerne zurück in die Heimat geflogen sei: „Ich habe die Jungs vermisst. Für die Nationalmannschaft aufzulaufen, die Hymne zu singen – das ist etwas ganz Besonderes.“ Darüber hinaus betonte er seine Vielseitigkeit: „Bei mir war immer die Frage: Wo gehört er hin, wo spielt er?“, und fügte hinzu: „Ich fühle mich auf allen offensiven Positionen sehr wohl, bin sehr flexibel.“

Statistisch bringt Havertz Erfahrung und Torerfolg mit: In 55 Länderspielen hat er 20 Tore erzielt und bei jedem seiner drei Turniere doppelt getroffen. Persönlich fällt zudem auf, dass Havertz seinen eigenen Geburtstag am 11. Juni nicht mit seinem Sohn feiern kann: Drei Tage später startet Havertz mit der DFB-Elf gegen Curaçao in die WM.

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Nagelsmanns Auswahlproblem: Keine klassische Weltklasse-Neun

Bundestrainer Julian Nagelsmann stellt sich der Aufgabe, die Neuner-Rolle zu besetzen – mit Wahlmöglichkeiten, aber auch mit Einschränkungen. Einen klassischen Mittelstürmer im Weltklasseformat eines Harry Kane oder Erling Haaland werde die DFB-Elf auch bei der WM nicht zur Verfügung haben, sagte Nagelsmann und nannte die Situation eine „Baustelle, die wir schließen müssen“.

Niclas Füllkrug von West Ham United feuert seine Teamkollegen während des Premier-League-Spiels Wolverhampton Wanderers gegen West Ham United im Molineux-Stadion in Wolverhampton, Großbritannien, am 1. April 2025 an. (Foto: Gareth Evans/News Images)
Niclas Füllkrug von West Ham United feuert seine Teamkollegen während des Premier-League-Spiels Wolverhampton Wanderers gegen West Ham United im Molineux-Stadion in Wolverhampton, Großbritannien, am 1. April 2025 an.
(Foto: Gareth Evans/News Images)

Gleichzeitig betonte der Bundestrainer die Notwendigkeit von Varianten: „Wir werden sicher einen Stürmer dabei haben, der in der Luft was regeln kann“, sagte Nagelsmann, „wenn wir mal nicht alles mit den Zauberern dahinter lösen können.“ Damit skizzierte er das Bedürfnis nach einem körperlich robusten Brecher, der Präsenz im Strafraum garantiert.

Füllkrug und Kleindienst als mögliche Brecher

Nagelsmann denkt bei der Suche nach einem kopfballstarken Stürmer an Namen wie Niclas Füllkrug oder Tim Kleindienst. Für Füllkrug sieht der Bundestrainer allerdings Probleme: Füllkrug „hat leider keine Quote und wenig Spielzeit“.

Bei Tim Kleindienst lässt der Gesundheitszustand Fragen offen: Zum verletzten Kleindienst sagte Nagelsmann, dass „steht in den Sternen, wie er zurückkommt“ – damit bleibt seine Verfügbarkeit unklar.

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Nick Woltemade: Joker mit Präsenz, aber nicht der klassische Konterstürmer

Nick Woltemade hatte sich bereits im Herbst in den Fokus gespielt: Mit vier Toren in den letzten drei Qualispielen „hat er uns zur WM geschossen“, lobte Nagelsmann. Havertz ergänzte seine Einschätzung mit persönlichem Lob: „Nick bringt eine Riesenpräsenz in der Box mit.“

Nick Woltemade beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 24. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach. Alexander Hassenstein / Getty Images
Nick Woltemade beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 24. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach. Alexander Hassenstein / Getty Images

Woltemades Form entwickelte sich jedoch zuletzt nicht linear. Nach einem guten Start in Newcastle hänge er durch und spiele dort, wenn überhaupt, inzwischen Zehner, was zu einer abfallenden Quote führte. Nagelsmann blieb dennoch wohlwollend: „Ganz toller Charakter“, meinte er, „immer gut gelaunt“.

Der Bundestrainer sieht Woltemade als wertvolle Joker-Option: Er könne auch Joker sein, „weil er eine unorthodoxe Spielweise hat“. Und Nagelsmann verwies auf seine Geduld: „Ich habe totales Vertrauen und gebe ihm die nötige Geduld.“ Zugleich betonte er die Begrenzung des Spielertyps: Ein „klassischer Konterstürmer, der mit 33 km/h den Gegnern in die Tiefe wegläuft“, sei Woltemade aber nicht.

Der schnelle „Pfeil“: Adeyemi, Beier und Kevin Schade

Für den Typ des schnellen Konterstürmers – des „Pfeils“ – hat Nagelsmann einen weiteren Kaderplatz reserviert. Ausgespielt werden soll dieser Platz zwischen Karim Adeyemi, Maximilian Beier und Kevin Schade.

Aktuell erhielt nur einer von ihnen die Chance, sich zu zeigen: „Nur Letzterer darf diesmal vorspielen.“ Damit ist Kevin Schade der Kandidat, der im gegenwärtigen Trainingsverlauf mit Spielzeit bedacht wird.

Deniz Undav: Die eierlegende Wollmilchsau

Deniz Undav bezeichnete sein Vereinstrainer Sebastian Hoeneß als eine Art eierlegende Wollmilchsau in Fußballschuhen: „Deniz ist ein absolut kompletter Stürmer“, sagte Hoeneß und hob seine Vielseitigkeit hervor – einsetzbar als Neuner, hängende Spitze, Zehner. Das mache ihn „fast einzigartig“.

Undav bringt beeindruckende Zahlen mit: 22 Tore und zwölf Vorlagen seit November. Nagelsmann unterstrich den praktischen Wert dieser Quote: „Einen Stürmer mit der Quote kann man nicht zu Hause lassen“, sagte der Bundestrainer, zumal in der Offensive „das Momentum“ zähle.

Deniz Undav beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 24. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach. Alexander Hassenstein / Getty Images
Deniz Undav beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 24. März 2026 auf dem adidas Homeground in Herzogenaurach. Alexander Hassenstein / Getty Images

Darüber hinaus lobte Nagelsmann Undavs Einstellung zur Arbeit: Undav habe seinen „großen Maßnahmenkatalog“ mit vielen Aufgaben jenseits von Scorerpunkten „gut umgesetzt. Er darf gern so weitermachen.“

Offensive Grundordnung: Der Dreizack und die Erwartung an die Angreifer

Neben der reinen Besetzung der Neuner-Rolle denkt Nagelsmann auch an das Zusammenspiel hinter dem Stürmer. Havertz gilt als spielerische Lösung und mögliche Vorarbeiter-Rolle wie bei der Heim-EM, wobei er selbst reflektierte: „Bei mir war immer die Frage: Wo gehört er hin, wo spielt er?“

Nagelsmann sieht Havertz, Florian Wirtz und Jamal Musiala als Teil eines unwiderstehlichen „Dreizacks“. Zugleich weiß der Bundestrainer, dass bei bis zu acht Spielen auf dem Weg zum fünften Stern Varianten gefragt sind. Havertz forderte von der gesamten Offensive eine sichtbare Tororientierung: Sie müssten „Gier nach Toren“ ausstrahlen, und er wolle dabei „vorneweg marschieren“.

SID mm nt ak