FIFA WM 2026 – Wie teuer wird das Turnier in den USA, Mexiko & Kanada für die Fans?

Schon das Parkticket in East Rutherford macht deutlich, in welche Kostenregion die Fans bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada vorstoßen müssen. Allein fürs Parken am Metlife Stadium, wo auch das Vorrundenspiel Deutschland gegen Ecuador steigt, werden 225 Dollar fällig. Insgesamt könnten die drei Turnierwochen für Reisende zur teuersten Sportveranstaltung der Geschichte werden, das berichtet das Handelsblatt in der Freitagsausgabe. Zuletzt startete die FIFA den Verkauf noch besserer – also noch teuerer – Tickets.

Das vollbesetzte Gillette Stadium in Foxborough bei Boston von innen während eines Fußballspiels im Abenddunkel – die Arena zählt zu den WM-2026-Spielorten in den USA und bietet mit ihrer stimmungsvollen Abendatmosphäre eine beeindruckende Kulisse für das Weltturnier. (Copyright Depositphotos.com)
Das vollbesetzte Gillette Stadium in Foxborough bei Boston von innen während eines Fußballspiels im Abenddunkel – die Arena zählt zu den WM-2026-Spielorten in den USA und bietet mit ihrer stimmungsvollen Abendatmosphäre eine beeindruckende Kulisse für das Weltturnier. (Copyright Depositphotos.com)

Parken, Tickets, Hotels: Die WM wird zum Luxusprojekt

Im Sommer finden im Stadion am Rand von New York acht Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Wer mit dem Auto anreist, muss allerdings auf das reguläre Parkgelände verzichten: Der große Parkplatz bleibt geschlossen, stattdessen bietet der Veranstalter nur sogenanntes Premium-Parken auf dem Areal einer nahe gelegenen Shoppingmall an.

Die hohen Kosten hören dort nicht auf. Auch Eintrittskarten und Übernachtungen treiben das Budget massiv nach oben. Aktuelle Berechnungen zeigen, dass Fans für eine dreitägige Reise mit zwei Hotelnächten in den elf US-Austragungsorten während der Gruppenphase je nach Stadt im Schnitt zwischen 2600 Dollar in Miami und 8900 Dollar in Boston einplanen müssen. Ermittelt hat das das Reisemedium Upgraded Points.

In diese Rechnung flossen ein Zweitmarkt-Ticket für einen guten Sitzplatz, eine Unterkunft in Stadionnähe, Flugkosten, Mitfahrdienste, Verpflegung vor Ort sowie ein Trikot ein. „Die Weltmeisterschaft 2026 wird sicher historisch sein. Doch für den durchschnittlichen Fan ist dieses einmalige Erlebnis mit hohen Kosten verbunden“, sagt Keri Stooksbury, Chefin von Upgraded Points.

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Fifa setzt auf dynamische Preise – und die Karten steigen rasant

Besonders teuer werden die Stadionbesuche. Bereits im Direktverkauf verlangte die Fifa deutlich mehr als bei früheren Turnieren, zudem setzte der Weltverband in mehreren Verkaufsphasen auf dynamische Preise, die sich an Nachfrage und Restkontingent orientierten. Die letzte Verkaufsrunde lief Anfang dieses Monats.

Die Folgen sind deutlich: Laut einer Analyse von „The Athletic“ stiegen die Preise in den obersten drei Kategorien von Oktober bis April im Schnitt um 34 Prozent. Manche Karten haben sich sogar mehr als verdoppelt. Für die Partie Spanien gegen Uruguay kostete ein Ticket in der höchsten Kategorie zunächst 345 Dollar, zuletzt lag der Preis bei 780 Dollar.

US-Präsident Donald Trump verfolgt die offizielle Auslosung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im John F. Kennedy Center for the Performing Arts am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. Foto: Patrick Smith / Getty Images
US-Präsident Donald Trump verfolgt die offizielle Auslosung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im John F. Kennedy Center for the Performing Arts am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. Foto: Patrick Smith / Getty Images

Wer im offiziellen Erstverkauf leer ausging, muss inzwischen oft tief in die Tasche greifen. Auf Zweitmarktplattformen wie Stubhub werden die Karten mitunter für ein Vielfaches des Originalpreises angeboten. Für das Deutschland-Spiel gegen Ecuador im Metlife Stadium waren dort zuletzt die günstigsten Tickets bei mindestens 1000 Dollar angesetzt, Plätze im Unterrang kosteten teils mehr als 11.500 Dollar pro Karte.

Auch die Fifa betreibt eine offizielle Resale-Plattform. Mit Ausnahme von Mexiko, wo der Weiterverkauf stark reguliert ist, folgen die Preise dort jedoch ebenfalls in der Regel Angebot und Nachfrage. Beim Weiterverkauf verlangt der Weltverband ein doppeltes Gebührenmodell: Sowohl Verkäufer als auch Käufer zahlen jeweils 15 Prozent des Weiterverkaufspreises.

Widerstand wächst: Politik und Verbände greifen die Fifa an

Die Preisexplosion sorgt inzwischen auch politisch für erheblichen Ärger. Der demokratische US-Kongressabgeordnete Josh Harder aus Kalifornien sprach von einem Skandal: „Es ist skandalös, dass Zehntausende Fans aus unserer Region von einem einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert wird, aufgrund der hohen Preise ausgeschlossen werden.“

Die Kommunen müssten schließlich Millionenbeträge für Renovierungen, Polizei und Rettungsdienste aufbringen. „Wenn wir die Rechnung bezahlen, verdienen unsere Familien auch Preise, die sie sich leisten können“, sagte Harder. In einem Brief an Fifa-Präsident Gianni Infantino forderte er vollständige Transparenz beim Ticketverkauf und eine Rückkehr zu einem erschwinglichen Preismodell.

Auch im Ausland wächst der Widerstand. Football Supporters Europe (FSE) und Euroconsumers haben kürzlich bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Fifa wegen ihrer Ticketpraktiken eingereicht. Dem Verband werfen sie vor, „seine Monopolstellung missbrauchen, um europäischen Fans vor der WM 2026 übermäßige Ticketpreise sowie undurchsichtige, unfaire Kaufbedingungen und -prozesse aufzuzwingen“, heißt es in der Eingabe. „Fußball ist eine universelle Leidenschaft, aber die Fifa behandelt ihn wie einen privaten Luxus“, sagte Marco Scialdone, juristischer Leiter bei Euroconsumers.

WM 2026 Austragungsorte, Stadien und Spielorte - Wo wird die WM 2026 gespielt? 
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Die Fifa verweist dagegen darauf, ihr Modell entspreche „den gängigen Praktiken auf dem Ticketmarkt“ für Großveranstaltungen in den Gastgeberländern. Die anfallenden Vermittlungsgebühren beim Weiterverkauf seien im nordamerikanischen Sport- und Unterhaltungssektor Standard, die variable Preisgestaltung folge den Branchentrends. „Im Gegensatz zu den Betreibern gewinnorientierter Ticket-Marktplätze von Drittanbietern ist die Fifa eine gemeinnützige Organisation“, erklärte eine Sprecherin. Die Einnahmen würden in die weltweite Entwicklung des Fußballs reinvestiert.

Zugleich verweist der Verband auf günstigere Standardkarten: Bereits im Dezember hatte die Fifa ein Kontingent von Einsteigertickets für bestimmte Fangruppen der einzelnen Mannschaften angeboten. Diese Karten kosteten 60 Dollar.

Auch Unterkünfte werden knapp und teuer

Doch nicht nur die Tickets belasten die Fans. Vor allem die Unterkunftspreise sorgen für neue Kritik. Berichten zufolge verlangen Vermieter während des Turniers selbst für kleine Unterkünfte nahe der Stadien teils mehrere Tausend Dollar pro Nacht.

Besonders im Fokus steht Airbnb. Eine Anfrage zur Preisentwicklung ließ der Wohnraumvermittler unbeantwortet. Gleichzeitig startete das Unternehmen vor wenigen Wochen ein großes Anreizprogramm, um deutlich mehr Unterkünfte während der WM auf die Plattform zu bringen. Neue Gastgeber, die bis zum 31. Juli ihre ersten Gäste in einem der Austragungsorte aufnehmen, sollen unter bestimmten Bedingungen eine Einmalprämie von 750 Dollar erhalten.

Für Airbnb kann sich das doppelt auszahlen: Mehr Angebote könnten das Geschäft langfristig auch über das Turnier hinaus stärken, zugleich könnte zusätzlicher Wohnraum den Preisdruck in den WM-Städten etwas dämpfen. „Die Nachfrage nach Unterkünften für die Weltmeisterschaft auf Airbnb steigt rasant an und bietet den Bewohnern in den Austragungsstädten die Möglichkeit, ihr Einkommen aufzubessern“, sagte Airbnb-Manager Dave Stephenson.

 

Laut dem Unternehmen liegen die Suchanfragen nach Unterkünften in den WM-Orten im Schnitt rund 80 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. An diesem Mittwoch stellte Airbnb zudem einen Rechner vor, mit dem mögliche Gastgeber ihre Einnahmen während des Turniers kalkulieren können. Die durchschnittlichen Erlöse bezifferte der Anbieter auf 3000 Dollar, in New York sogar auf 5700 Dollar.

Parallel dazu wehren sich genau diese Metropolen seit Längerem gegen Plattformen wie Airbnb. New York sieht in dem Unternehmen einen Treiber der ohnehin schon hohen Mieten, weil Kurzzeitvermietungen das Angebot auf dem regulären Wohnungsmarkt verknappen. Seit 2023 gilt dort deshalb eine Registrierungspflicht für Gastgeber. Bei Vermietungen von weniger als 30 Tagen müssen sie außerdem selbst in der Wohnung leben; sämtliche Innentüren dürfen nicht verschlossen sein. Damit ist die Vermietung einer kompletten Einheit in New York für weniger als 30 Tage faktisch ausgeschlossen.

Lobbygruppen hatten im Hinblick auf die WM in den vergangenen Monaten auf eine Lockerung gedrängt. Unter dem amtierenden Bürgermeister Zohran Mamdani gilt das jedoch als unwahrscheinlich. Der 34-Jährige hatte bezahlbaren Wohnraum zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht. „New Yorks Wohnungsgesetze stehen nicht zum Verkauf“, schrieb Mamdani im November. Die geplante Gesetzesänderung würde „die Stadt unerschwinglicher machen und benachteiligte Gruppen verdrängen“, ergänzte er in einem Post auf X.

Auch Politiker anderer Städte erwägen inzwischen ähnliche Regeln, darunter Hoboken im benachbarten New Jersey. Für Gäste wäre das immerhin praktisch, weil der Weg zum Stadion in East Rutherford kurz ist und sie sich dort das Parkticket sparen könnten. Über die offizielle Verkaufsseite sind die Parkplätze bereits ausverkauft.