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Beim FC Bayern wächst die Zahl der Gegentore, an Zweifel am Weg von Vincent Kompany aber nicht. Vor dem Wiedersehen mit Paris Saint-Germain hält der Rekordmeister unbeirrt an seiner risikoreichen Spielidee fest. Der Fokus liegt weiter auf Angriff, Tempo und Intensität, auch wenn diese Linie zuletzt ihren Preis hatte.

Kompanys Fußball als Glaubensfrage
Nach dem wilden 4:5 in Paris hatte Kompany seine Haltung mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Fußball“ sei „wie Religion. Man glaubt, woran man halt glaubt.“ Genau an diese Überzeugung knüpft der Belgier seine Bayern an. Angriff, Tore und hohe Intensität gehören für ihn zur Grundidee, auch wenn damit klare Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind. Auf dem Weg zur Triple-Jagd bekommen die Münchner das derzeit deutlich zu spüren.
In den vergangenen sechs Spielen kassierte Bayern 16 Gegentore, davon allein elf in den jüngsten drei Partien gegen Mainz beim 4:3, gegen Paris beim 4:5 und gegen Heidenheim beim 3:3. Entsprechend stellt sich vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League am Mittwoch um 21.00 Uhr gegen PSG die Frage, wie der Einzug ins Finale von Budapest gelingen soll. Dort warten schließlich wieder Ausnahmekräfte wie Weltfußballer Ousmane Dembélé, Chwitscha Kwarazchelia oder Désiré Doué.
Zweifel am Stil bleiben ohne Folgen
Die Diskussion über den Kompany-Stil begleitet die Bayern schon länger. Erstmals größere Zweifel an der Spielanlage kamen im Oktober 2024 nach dem 1:4 beim FC Barcelona auf. Damals ging es um die Frage, ob der aggressive Mann-gegen-Mann-Ansatz zu viel Risiko birgt und zu wenig defensive Absicherung lässt. Seitdem bemühen sich die Münchner, solche Debatten früh zu beenden. Der risikofreudige Spektakel-Fußball gilt intern als „Grund-DNA“ des Teams unter Kompany.
Auch Sportvorstand Max Eberl stellte nach dem Spiel gegen Heidenheim klar, dass sich daran nichts ändern werde. Die Münchner würden diese Spielweise nicht verändern und wollten das auch nicht, „deswegen bist du ja so erfolgreich“, erklärte er. Das zuvor so spektakuläre Duell mit Paris bezeichnete Eberl als „pervers geil“.
Offensivstärke überdeckt die Defizite
Für Bayern sind die vielen Gegentore in erster Linie eine Begleiterscheinung ihres Ansatzes. Lästig, aber aus ihrer Sicht oft verschmerzbar. Denn vorne verfügt das Team mit seinem 101-Tore-Sturm um Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz über enorme Durchschlagskraft. Was die Defensive nicht immer sauber aufhält, gleicht die Offensive häufig aus.
Unter Kompany hat sich die Mannschaft eine regelrechte Shoot-out-Mentalität erarbeitet. Die einfache Rechnung lautet: Wenn Real Madrid oder Mainz drei Treffer erzielen, antworten die Münchner eben mit vier. Nur dreimal ging dieses Prinzip bislang schief, beim 1:3 gegen Arsenal, beim 1:2 gegen Augsburg und im Hinspiel gegen PSG. In Frankreich hätte es angesichts des zwischenzeitlichen 2:5-Zwischenstands sogar noch deutlich bitterer werden können.
Warum also sollte der Rekordmeister jetzt alles umwerfen? Auch Paris werde schließlich „nicht einfach akzeptieren, das anders zu machen“, hatte Kompany schon in der vergangenen Woche betont. Darum sei im Rückspiel erneut ein Duell „offenem Visier“ zu erwarten, wie Joshua Kimmich ankündigte. Der Vize-Kapitän zeigte sich „überzeugt, dass wir gegen Paris zu Hause auch gewinnen können“. An einer Anpassung der Bayern-Identität zweifelt er nicht: „Wird nicht passieren.“ Auch Kompanys „Jünger“ bleiben ihrer „Religion“ treu.