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Nach dem Saisonende droht der Bundesliga ein Trainerbeben. Während noch die letzten Entscheidungen auf dem Rasen ausstehen, laufen bei vielen Klubs bereits die Planungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren. Fast die halbe Liga könnte mit einem neuen Chefcoach in die Vorbereitung gehen.

Leverkusen und Frankfurt vor klaren Weichenstellungen
Bei Bayer Leverkusen gilt das Aus von Kasper Hjulmand als sicher. Zwar hat der Däne nach dem Chaosstart unter Erik ten Hag wieder Ruhe in den Klub gebracht, doch die Saison verlief zu schwankend, die Entwicklung stockte. Offiziell ist die Trennung zwar noch nicht vollzogen, dennoch wächst der Druck auf Sportchef Simon Rolfes bei der Trainersuche im Sommer. Fabian Hürzeler von Brighton and Hove Albion hat kürzlich verlängert, als mögliche Alternativen werden nun Oliver Glasner genannt. Der Kölner Stadt-Anzeiger brachte zudem den Brasilianer Filipe Luís ins Gespräch.
Auch bei Eintracht Frankfurt deutet alles auf einen Schnitt hin. Markus Krösche gab dem unter Dauerkritik stehenden Albert Riera zwar noch eine Jobgarantie für das letzte Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart, doch das Missverständnis mit dem 44-Jährigen dürfte danach beendet sein. Selbst die Qualifikation für die Conference League würde den emotional aufgeladenen Spanier, der am Main in dreieinhalb Monaten gefühlt mehr Brandherde gelegt als Punkte gesammelt hat, wohl nicht retten. Als Kandidaten für die Nachfolge kursieren Matthias Jaissle, Domenico Tedesco, Kjetil Knutsen und Jacob Neestrup.
Augsburg hält an Baum fest, Union plant mit neuem Profil
Beim FC Augsburg spricht vieles für eine Fortsetzung mit Manuel Baum. Der Spiegel hatte den 46-Jährigen gerade erst zum Trainer des Jahres ausgerufen, und die Zahlen geben ihm recht: Nach der Trennung von Sandro Wagner mit 10 Punkten aus 12 Spielen brachte Baum die Mannschaft wieder in die Spur. Unter seiner Regie sammelte Augsburg 33 Punkte aus 21 Partien, stellte die fünftbeste Rückrundenbilanz und schlug als einziger Bundesligist den FC Bayern. Sogar der Sprung in die Conference League ist noch möglich. Auch innerhalb des Teams gilt Baum, der den Posten nur bis Saisonende übernehmen wollte, inzwischen als Wunschlösung für die Zukunft. Gespräche laufen. Als mögliche Nachfolger werden Ralf Kettemann vom SC Paderborn und Tonda Eckert vom FC Southampton genannt.

Union Berlin hatte mit der Beförderung von Marie-Louise Eta zur ersten Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga in dieser Saison für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch auch sie soll die Mannschaft nur bis zum Saisonende betreuen, bevor sie wie geplant das Frauenteam übernimmt. Nach kicker-Informationen sucht der Klub aus der Hauptstadt einen Coach, der fließend Deutsch spricht, junge Spieler gezielt weiterentwickelt und für einen aktiven, mutigen Stil steht. In dieses Anforderungsprofil würde unter anderem Christian Eichner passen, der den Karlsruher SC zum Saisonende verlassen wird. Über einen solchen Weg sollen bereits seit längerer Zeit Gespräche laufen.
Gladbach, Köln, Wolfsburg und St. Pauli mit offener Zukunft
Bei Borussia Mönchengladbach hat Eugen Polanski den vorzeitigen Klassenverbleib gesichert, dennoch steht der 40-Jährige auf der Kippe. Nach dem 3. Spieltag hatte er bereits mit reichlich Vorschusslorbeeren Gerardo Seoane abgelöst, zunächst als Fanliebling. Inzwischen hat sich die Stimmung wegen zahlreicher schwacher Auftritte und der ausbleibenden Entwicklung gedreht. Sportchef Rouven Schröder hat eine Analyse nach der Saison angekündigt, der Ausgang ist völlig offen.
Am Geißbockheim in Köln wirkte zunächst alles geregelt. Nach der Entlassung von Lukas Kwasniok wurde René Wagner installiert, Thomas Kessler machte aus seiner Wertschätzung für den 37-Jährigen, der zuvor noch nie als Chefcoach gearbeitet hatte, keinen Hehl. Wagner galt als Kesslers Plan A auch für die kommende Saison. Doch das 1:3 im letzten Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim bringt vieles ins Wanken. Der Newcomer hat zwar den Klassenerhalt geschafft, mit 6 Punkten aus 6 Spielen wirkt das Team jedoch nicht stabil. Der Express titelte bereits: „Widerstand gegen Wagner wächst“ – in Köln steht ein spannender Sommer bevor.
Auch beim VfL Wolfsburg ist die Lage angespannt. Der Klub steckt tief in der Krise und kämpft um den Bundesliga-Verbleib. Nach Paul Simonis und Daniel Bauer sollte Dieter Hecking die Wende herbeiführen, sein Vertrag läuft jedoch nur bis zum Saisonende. Weil zudem Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen entlassen wurde, erwägen die Wolfsburger Bosse laut Bild, Hecking nach der Saison in neuer Funktion im Verein zu halten. Für den dann freien Posten auf der Bank gelten Danny Röhl, Alexander Blessin und Thomas Reis als Wunschkandidaten.
Bei FC St. Pauli genießt Alexander Blessin trotz früherer Spekulationen weiter einen ausgezeichneten Ruf. Schon im Vorjahr hatte der 52-Jährige die Kiezkicker souverän zum Klassenerhalt geführt und dafür bundesweit Anerkennung erhalten. Damals wurde über seine Zukunft und einen möglichen Wechsel spekuliert, doch Blessin blieb. Diesmal könnte es anders ausgehen, obwohl der gebürtige Stuttgarter noch bis 2027 an den Klub gebunden ist. Selbst bei erneutem Klassenverbleib gilt ein Verbleib längst nicht als sicher. Vor allem Wolfsburg soll starkes Interesse an ihm haben.