Es ist der schnellste Rückzug der jüngeren Fifa-Geschichte: Nur wenige Tage nachdem der Plan öffentlich wurde, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, hat Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) das Projekt in der Nacht zum Samstag, den 1. August 2026, gestoppt. Wir fassen zusammen, was die Fifa vorhatte, wie der Widerstand in einer Woche zur geschlossenen Front wurde, was die internationale Presse schreibt und welche Folgen der Rückzieher für Infantino selbst hat.

Worum es ging: die Fifa Forward Enterprise
Kern des Vorhabens war eine neue Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise. In ihr sollten die kommerziellen Aktivitäten des Weltverbandes gebündelt werden, vor allem die Vermarktung der Weltmeisterschaft und der Klub-WM. An dieser Gesellschaft sollten private Geldgeber Minderheitsanteile erwerben und damit indirekt an den Erlösen der größten Turniere des Weltfußballs verdienen. Alle Details, inklusive der Rolle von Investoren aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, haben wir in unseren Fragen und Antworten zum WM-Investorendeal zusammengefasst.
Öffentlich wurde der Plan durch Berichte der englischen „Times“, später zogen „Telegraph“ und „Financial Times“ nach: Infantino wollte die WM verkaufen. Für Infantino selbst war das Modell auch persönlich interessant, er hätte die Führung der Gesellschaft nach dem Ende seiner Amtszeit übernehmen können. Wie die Machtverhältnisse im Weltverband überhaupt verteilt sind, erklären wir in unserem Überblick dazu, wie die Fifa mit 211 Verbänden und 36 Council-Mitgliedern organisiert ist.
Die Chronologie: in einer Woche vom Milliardenplan zum Stopp
27. bis 29. Juli: Der Plan wird öffentlich
Schon vor dem Bekanntwerden der Verkaufspläne stand Infantino in der Kritik, etwa als Spaniens Ligaboss mit der Fifa abrechnete. Nachdem die „Times“ das Investorenmodell öffentlich machte, ging der Fifa-Chef selbst in die Offensive und teilte auf Instagram gegen seine Kritiker aus: „Ihr spaltet, wir vereinen“. Am 29. Juli lagen die Details auf dem Tisch, inklusive der Verbindungen ins Umfeld des US-Präsidenten. Der Vorstoß fiel in eine Phase, in der Investorengeld im europäischen Fußball ohnehin Dauerthema ist, wenige Tage zuvor wurde ein Milliardenangebot eines US-Investors für die Bundesliga bekannt.
29. Juli: Die Uefa droht mit Boykott
Die europäische Antwort kam schnell und härter als erwartet. Die Verbände beriefen eine Dringlichkeitssitzung ein, im Raum stand ein Boykott von Fifa-Turnieren: Uefa erwägt WM-Boykott. Hans-Joachim Watzke sagte dem „kicker“, viele im europäischen Fußball sähen darin einen Angriff auf den Sport. Auch der DFB positionierte sich deutlich, als Präsident Bernd Neuendorf vor der Öffnung der WM für Investoren warnte. Damit war aus einer Finanzidee ein Machtkampf geworden.
30. bis 31. Juli: Die Front schließt sich
Während die afrikanische CAF ihren 54 Mitgliedern empfahl, das Vorhaben wohlwollend zu prüfen, wuchs der Widerstand überall sonst: Rückhalt in Afrika, erbitterte Gegenwehr in Europa. Den entscheidenden Schlag setzte am 31. Juli die asiatische Konföderation, die AFC lehnte den Investorenplan ab. Gemeinsam mit Uefa und Concacaf standen damit 136 der 211 stimmberechtigten Verbände gegen den Präsidenten, und der Milliardendeal war praktisch gescheitert.
Auch aus der Bundesliga kam Gegenwind. Uli Hoeneß (74) machte am Tegernsee klar, wie stark die Europäer aus seiner Sicht wirklich sind: die Kampfansage des Bayern-Patrons.
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1. August: Der Rückzug
In der Nacht zum Samstag zog Infantino die Reißleine und erklärte das Projekt für beendet. Nach BILD-Informationen hatte er sich massiv verschätzt: Zu sicher war er, die Mitgliedsländer mit zusätzlichen 20 Millionen Euro pro Verband gewinnen zu können. Die Rechnung ging nicht auf, und geblieben ist ihm vor allem der Rückhalt in Afrika, dem Kontinent mit der geringsten Lobby und dem größten Bedarf an Geld.
Die Pressestimmen: „Demütigende Niederlage“
International fällt das Urteil einhellig aus. Die „Daily Mail“ spricht von einer peinlichen Kehrtwende und einer demütigenden Niederlage für den Fifa-Präsidenten. Der „Telegraph“ ordnet den gestoppten 15-Milliarden-Pfund-Plan als Folge des breiten Widerstands und des Aufruhrs innerhalb der Fifa-Reihen ein.
Die spanische „Marca“ verweist auf den enormen Druck, der bereits vor dem Rückzug auf Infantino lastete. Und die französische „L’Équipe“ hält fest, dass die harte Linie der Uefa samt Boykottdrohung die Führung des Weltfußballs destabilisiert hat. Eine ausführliche Sammlung der internationalen Reaktionen findet sich auch in unseren Fragen und Antworten samt Pressestimmen.
Wie es mit Infantino weitergeht
Der Verkauf ist vom Tisch, die Machtfrage nicht. Ein Präsident, der ein Milliardenprojekt gegen den Willen von drei Konföderationen durchdrücken wollte und binnen weniger Tage einknicken musste, hat seine wichtigste Währung verloren: Autorität. Wie lange er sich halten kann, haben wir bereits analysiert, die Wiederwahl im März 2027 ist plötzlich keine Formsache mehr.
Dass der Rückhalt bröckelt, deutete sich früh an: Der DFB stellte sich schon im Juli gegen eine erneute Kandidatur, und auch bei der jüngsten Wiederwahl gab es Gegenstimmen aus den 211 Mitgliedsverbänden. Als mögliche Gegenstrategie gilt seit Monaten die Aussicht auf ein noch größeres Turnier, Stichwort eine WM 2030 mit 64 Teams. Ob sich damit Verbände zurückgewinnen lassen, die dem Präsidenten gerade erst die Rote Karte gezeigt haben, ist offen.
Alle Artikel zum WM-Investorendeal im Überblick
- 15. Juli 2026: DFB ist gegen Infantinos Fifa-Wiederwahl
- 17. Juli 2026: Wiederwahl von Gianni Infantino: nur wenige der 211 Mitgliedsverbände dagegen
- 19. Juli 2026: WM 2030 mit 64 Teams: 128 statt 104 Spiele
- 20. Juli 2026: WM 2030 mit 64 Teams: Infantino heizt die Debatte erneut an
- 22. Juli 2026: Spaniens Ligaboss rechnet mit der Fifa ab
- 26. Juli 2026: 1 Milliarde Euro für die Bundesliga: Angebot von US-Investor
- 27. Juli 2026: Infantino auf Instagram: „Ihr spaltet, wir vereinen“
- 29. Juli 2026: Infantino will die WM verkaufen: auch Trump spielt eine Rolle
- 29. Juli 2026: WM-Investorendeal der Fifa: die wichtigsten Fragen und Antworten
- 29. Juli 2026: Infantino-Plan: Uefa erwägt WM-Boykott
- 29. Juli 2026: Neuendorf warnt vor der Öffnung der WM für Investoren
- 30. Juli 2026: Infantinos Milliardendeal: Rückhalt in Afrika, Gegenwehr in Europa
- 30. Juli 2026: Wie ist die Fifa organisiert? 211 Verbände, 36 Council-Mitglieder
- 31. Juli 2026: AFC lehnt ab: Infantinos Investorenplan vor dem Aus
- 31. Juli 2026: Uli Hoeneß: Kampfansage an Infantino
- 31. Juli 2026: Infantino unter Druck: Milliardendeal scheitert am Widerstand
- 31. Juli 2026: Wie lange kann sich Fifa-Chef Gianni Infantino noch halten?