Wiederwahl von Gianni Infantino – Nur wenige der 211 FIFA-Mitgliedsverbände dagegen!

Gianni Infantino kann sich einer breiten Rückendeckung aus den eigenen Reihen sicher sein. Mehr als 200 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände haben laut einem Bericht des „Guardian“ ein Schreiben zur Unterstützung seiner Wiederwahl als Weltverbandspräsident unterzeichnet. Der DFB gehört zu den wenigen prominenten Ausnahmen, die sich bislang verweigert haben.

UEFA Generalsekretär Gianni Infantino vor der Fußball WM 2022 in Katar / AFP / FABRICE COFFRINI
UEFA Generalsekretär Gianni Infantino vor der Fußball WM 2022 in Katar / AFP / FABRICE COFFRINI

Fast geschlossene Front hinter Infantino

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Nur eine Handvoll Verbände hat auf die Unterschrift unter das Unterstützerschreiben verzichtet, wie die englische Zeitung berichtet. Damit gilt die Wiederwahl Infantinos beim FIFA-Kongress am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat schon jetzt praktisch als Formsache. „Eine kleine Anzahl europäischer Länder zählt zu den Ausnahmen. Deutschland ist dabei der prominenteste Verband, der bislang keine offizielle Unterstützung zugesagt hat“, heißt es in dem Bericht. Bewerber für das Amt müssen ihre Kandidatur bis zum 18. November erklären, bislang ist Infantino jedoch der einzige Name im Rennen.

Dass ausgerechnet der DFB fehlt, ist kein Zufall. Verbandschef Bernd Neuendorf hat die Unterschrift der Bild-Zeitung zufolge verweigert. Auf SID-Anfrage bestätigte der DFB die Zurückhaltung knapp: „Der DFB hat kein Unterstützungsschreiben für die Wiederwahl von Gianni Infantino unterzeichnet. Weitere Schritte werden im DFB-Präsidium beraten.“ Wie die Bild weiter berichtet, hatte der für Europa zuständige FIFA-Direktor während der WM-Endrunde in Nordamerika gezielt bei den 16 europäischen Teilnehmern für eine Unterschrift geworben. Eine offizielle Positionierung zur Infantino-Wiederwahl steht beim deutschen Verband weiterhin aus.

Der Fall Balogun als Zündstoff

Hinter der deutschen Zurückhaltung stecken tiefere Verwerfungen zwischen DFB und UEFA auf der einen sowie der FIFA auf der anderen Seite. Spätestens der „Fall Folarin Balogun“ hat die schwelenden Spannungen offen zutage treten lassen. Die UEFA übte ungewöhnlich scharfe Kritik am Vorgehen des Weltverbandes und sprach von einer überschrittenen „roten Linie“. Neuendorf machte gegenüber dem SID deutlich, dass „dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf“.

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Konkret geht es um US-Angreifer Balogun, der trotz einer Roten Karte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) im Achtelfinale gegen Belgien (1:4) auflaufen durfte. Vor der überraschenden Aussetzung der Sperre durch die Disziplinarkommission hatte US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen und um eine Überprüfung des Falls gebeten. Infantino betonte daraufhin, weder er noch Trump hätten Einfluss auf die Entscheidung des Gremiums genommen, was die Disziplinarkommission selbst mit dem Verweis auf ihre Unabhängigkeit untermauerte.

Beschwerde beim IOC belastet Infantinos Kurs

Trotz der Kritik aus Europa gilt Infantinos letztmögliche Wiederwahl bis zum Jahr 2031 dank der erklärten Unterstützung mehrerer Konföderationen derzeit als sicher. Parallel dazu sorgt jedoch eine weitere Entwicklung für Gesprächsstoff: Die Menschenrechtsorganisation FairSquare hat beim Internationalen Olympischen Komitee eine zehnseitige Beschwerde gegen Infantino eingereicht. Als Begründung werden mehrere Verstöße gegen die Regeln zur politischen Neutralität angeführt, im Zentrum steht dabei die enge Nähe des IOC-Mitglieds Infantino zu Trump.