Neue Regeln bei der Fußball-WM 2026 – Das musst du wissen

Die XXL-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada bringt nicht nur ein größeres Turnierformat mit 48 Teams und einer zusätzlichen K.o.-Runde, sondern auch ein deutlich schärferes Regelwerk. Die FIFA will Unsportlichkeit härter ahnden, Zeitspiel stärker eindämmen und den Videobeweis ausweiten. Besonders im Fokus stehen neue Strafen für provokantes Verhalten, strengere Vorgaben bei Unterbrechungen und angepasste Regeln für Gelb-Sperren.

Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert gestikuliert während des Fußballspiels der Gruppe D der Fußballweltmeisterschaft Katar 2022 zwischen Tunesien und Australien im Al-Janoub-Stadion in Al-Wakrah, südlich von Doha, am 26. November 2022. (Foto von Anne-Christine POUJOULAT / AFP)
Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert gestikuliert während des Fußballspiels der Gruppe D der Fußballweltmeisterschaft Katar 2022 zwischen Tunesien und Australien im Al-Janoub-Stadion in Al-Wakrah, südlich von Doha, am 26. November 2022. (Foto von Anne-Christine POUJOULAT / AFP)

Härtere Strafen gegen Unsportlichkeit

Nach dem Eklat in der Champions League, als Benfica-Profi Gianluca Prestianni in einem Wortgefecht mit Real-Star Vinicius Junior seinen Mund verdeckte und dadurch der Verdacht auf rassistische Äußerungen aufkam, zieht die FIFA Konsequenzen. Bei der WM 2026 kann das Verdecken des Mundes in einer Konfrontation mit der Roten Karte geahndet werden. Angestoßen wurde diese Regel von FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich.

Auch beim Thema Protest setzt der Verband ein klares Signal. Wer den Platz demonstrativ verlässt, um gegen eine Schiedsrichterentscheidung zu protestieren, riskiert ebenfalls den Platzverweis. Das gilt ebenso für Offizielle, wenn sie die Spieler zu diesem Schritt anstiften. Verursacht ein Team durch ein solches Verhalten einen Spielabbruch, wird die Partie grundsätzlich für den Gegner gewertet.

  • Mund verdecken: Werden bei Konfrontationen auf dem Platz die Lippen verdeckt (um z. B. Beleidigungen zu verschleiern), kann dies mit einer Roten Karte bestraft werden.

  • Protest-Abgang: Das demonstrative Verlassen des Spielfelds aus Protest gegen Schiedsrichterentscheidungen führt zum Platzverweis (gilt auch für Offizielle, die dazu anstiften).

  • Spielabbruch: Provoziert ein Team durch einen solchen Protest einen Spielabbruch, wird das Spiel für den Gegner gewertet.

Gelbe Karten, Pausen und Wechsel im neuen Rhythmus

Mit dem erweiterten WM-Modus passt die FIFA auch die Sperrenregelung bei Verwarnungen an. Gelbe Karten verfallen künftig nicht mehr nur nach dem Viertelfinale, sondern bereits nach der Gruppenphase und dann noch einmal nach dem Viertelfinale. Damit soll das Risiko reduziert werden, dass wichtige Akteure in entscheidenden Partien gesperrt fehlen. Eine Sperre droht künftig nur noch, wenn ein Spieler entweder in zwei der drei Gruppenspiele oder zweimal in der Phase vom Sechzehntel- bis zum Viertelfinale verwarnt wird.

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  • Zweifacher Verfall: Gelbe Karten werden nun zweimal gestrichen – nach der Gruppenphase und nach dem Viertelfinale.

  • Sperren-Regelung: Eine Gelb-Sperre droht nur noch bei zwei Verwarnungen innerhalb der drei Gruppenspiele oder bei zwei Verwarnungen im Zeitraum vom Sechzehntelfinale bis zum Viertelfinale.

Gleichzeitig verschärft der Weltverband die Vorgaben gegen Verzögerungen. Nach dem bereits im vergangenen Jahr eingeführten Countdown für Torhüter, die den Ball zu lange festhalten, wird die 5-Sekunden-Zählung nun auch bei Einwürfen und Abstößen eingesetzt. Der Unparteiische zählt dabei per Hand herunter. Wird das Spiel bis zum Ablauf nicht fortgesetzt, wechselt der Ballbesitz zum Gegner.

Neu ist auch eine Pflichtpause nach längeren Verletzungsunterbrechungen. Wird ein Spieler auf dem Feld behandelt und die Unterbrechung dauert mehr als 15 Sekunden, muss er das Spielfeld verlassen und eine Minute draußen bleiben, bevor er zurückkehren darf. Lionel Messi, der diese Regel bereits bei Inter Miami erlebt hat, kritisierte sie mit den Worten: „Diese Art von Regeln sind schräg.“ Eine Ausnahme gilt, wenn die Behandlung nach einem Foul erfolgt, für das bereits Gelb oder Rot gezeigt wurde.

Auch beim Wechselspiel greift die FIFA durch. Sobald der Vierte Offizielle eine Auswechslung angezeigt hat, bleiben dem ausgewechselten Profi zehn Sekunden, um das Feld zu verlassen. Schafft er das nicht, muss der eingewechselte Spieler bis zur nächsten Unterbrechung mindestens eine Minute warten, ehe er aufs Spielfeld darf. Der Spieler, der raus muss, muss das Feld jedoch in jedem Fall verlassen.

  • 5-Sekunden-Regel: Schiedsrichter zählen bei Einwürfen und Abstößen sichtbar per Hand herunter. Dauert es länger als 5 Sekunden, wechselt der Ballbesitz.

  • Behandlungspause: Wird ein Spieler auf dem Feld länger als 15 Sekunden behandelt, muss er den Platz verlassen und zur Strafe 1 Minute draußen warten (Ausnahme: Das vorausgegangene Foul wurde mit Gelb oder Rot bestraft).

  • Wechsel-Zeitlimit: Ein ausgewechselter Spieler muss den Platz innerhalb von 10 Sekunden verlassen. Braucht er länger, darf der neue Spieler erst nach 1 Minute (bzw. bei der nächsten Unterbrechung) das Feld betreten.

VAR greift tiefer ein und Trinkpausen sind fest eingeplant

Der Videobeweis erhält zudem mehr Befugnisse. Der VAR darf künftig drei weitere Szenen prüfen: eine falsch zugesprochene Ecke, eine zweite Gelbe Karte mit anschließender Gelb-Roter Karte sowie eine Spielerverwechslung bei Platzverweisen oder Verwarnungen. Die Prüfung einer unkorrekt gegebenen Ecke soll dabei sofort und ohne Verzögerung erfolgen.

Erweiterter Videobeweis (VAR)

  • Der VAR darf in drei neuen Situationen eingreifen:

    • Falsch zugesprochene Ecke (Prüfung muss sofort/ohne Verzögerung passieren).

    • Zweite Gelbe Karte (Gelb-Rote Karte).

    • Spielerverwechslung bei Gelben oder Roten Karten.

Hinzu kommen zwei wetterunabhängige Trinkpausen, die nach rund 22 und 67 Minuten jeweils drei Minuten lang angesetzt sind. Laut FIFA soll das für „gleiche Bedingungen“ sorgen. Gleichzeitig schaffen die Unterbrechungen zusätzliche Werbezeit für die übertragenden Sender und bringen dem Weltverband weiteres Geld ein. Während der Pausen ist nach Vorgaben der Regelhüter des International Football Association Board, kurz IFAB, auch Coaching per Videoanalyse auf Laptops und Tablets erlaubt.
  • Geplante Pausen: Es gibt zwei fest eingeplante, wetterunabhängige Trinkpausen (nach ca. 22 und 67 Minuten) von jeweils 3 Minuten Dauer.

  • Video-Coaching: Während dieser Pausen ist Taktik-Coaching mithilfe von Laptops oder Tablets erlaubt.