Infantinos Milliardendeal: Afrika-Unterstützung & erbitterte Gegenwehr aus Europa

Gianni Infantino verteidigt seine umstrittenen Pläne, private Investoren an den Einnahmen der FIFA zu beteiligen. Während Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika samt Karibik Widerstand leisten, zeichnet sich vor allem in Afrika erste Unterstützung ab.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump präsentieren nach dem WM-Finale 2026 die Siegermedaillen. (Justin Setterfield / Getty Images North America via Getty Images)
FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump präsentieren nach dem WM-Finale 2026 die Siegermedaillen. (Justin Setterfield / Getty Images North America via Getty Images)

Infantino wirbt für seine Geschäftsidee

Nach dem weltweiten Aufschrei trat der FIFA-Präsident energisch die Flucht nach vorn an. In einem knapp fünfminütigen Video des Weltverbandes erklärte Infantino seinen Plan und betonte: „Es ist ein Vorschlag, ein Angebot, Teil eines demokratischen Beratungsprozesses.“ Zugleich stellte der 56-Jährige klar: „Es ist eine Gelegenheit, aber keine Verpflichtung.“

Den massiven Widerstand, der insbesondere aus Europa kommt, könne er nicht nachvollziehen. Vor der für Donnerstagnachmittag angesetzten Dringlichkeitssitzung der UEFA-Mitgliedsverbände, bei der auch ein Boykott der Weltmeisterschaft und der Klub-WM im Raum steht, stellte Infantino ausführlich die aus seiner Sicht positiven Seiten des Vorhabens dar.

Der FIFA-Chef verspricht sich von der Beteiligung privater Geldgeber die „Erschließung bisher nicht realisierter Werte“. Eine stärkere Vermarktung des Fußballs sei „der logische nächste Schritt“ in der Entwicklung des Sports. Nach Infantinos Darstellung kommen von den wachsenden FIFA-Einnahmen bislang zu geringe Beträge an der Basis an.

„Höhere Zahlungen an die Mitgliedsverbände bedeuten höhere Investitionen in bessere Fußballplätze, stärkere Nationalmannschaften und ebnen den Weg für Jungen und Mädchen überall auf der Welt“, sagte der Präsident. Zudem versprach er: „Wir kümmern uns um alle.“ Die FIFA wolle „das nächste Kap Verde schaffen“.

20 Millionen Dollar für ein Ja

Bis zum 19. September möchte Infantino die 211 Mitgliedsverbände des Weltverbandes von seinen Plänen überzeugen. Medienberichten zufolge läuft bis zu diesem Datum die Frist, innerhalb derer die Verbände ihre finanziell großzügig belohnte Zustimmung abgeben können.

Wer den Plan unterstützt, soll unmittelbar mit dem Ja-Wort Zugriff auf 20 Millionen US-Dollar erhalten. Das entspricht 17,46 Millionen Euro. Zusätzlich wird den Verbänden offenbar eine nochmals vergrößerte Weltmeisterschaft in Aussicht gestellt.

Für die Umsetzung braucht es neben der Zustimmung des offenbar vorab nicht informierten FIFA-Councils eine einfache Mehrheit der Mitgliedsverbände. 106 Ja-Stimmen würden genügen. Trotz der deutlichen Kritik aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika einschließlich der Karibik könnte diese Zahl erreichbar sein.

Infografik zum Aufbau der FIFA: 211 Mitgliedsverbände im Kongress und 36 Sitze im Council, aufgeteilt nach Konföderationen
Kongress und Council der FIFA im Vergleich. Grafik: fussballnationalmannschaft.net

Europa uneins, Afrika signalisiert Unterstützung

DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete die Investorenpläne als „fatales Zeichen“. Innerhalb der UEFA herrscht dennoch offenbar keine vollständige Geschlossenheit. Der Präsident des tschechischen Fußballverbands, David Trunda, sagte bei Sky News, er erkenne „die praktischen Vorteile“ des Vorhabens. „Natürlich brauchen wir noch weitere Einzelheiten, aber meiner persönlichen Ansicht nach sind die positiven Auswirkungen der Absichten der FIFA erkennbar“, erklärte Trunda.

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Der tschechische Ligaverband reagierte umgehend mit einer Rüge und stellte sich hinter die UEFA sowie deren Präsidenten Aleksander Ceferin. Die europäischen Verbände beraten während ihrer Dringlichkeitssitzung nicht nur über die inhaltlichen Folgen des Deals, sondern auch über mögliche Boykottmaßnahmen bei der WM und der Klub-WM.

Der asiatische Fußballverband AFC und die nord- und mittelamerikanische Konföderation CONCACAF zeigen sich vom Vorgehen der FIFA stärker irritiert als vom eigentlichen Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren. Südamerika hält sich bislang bedeckt.

Als erste kontinentale Dachorganisation stellte sich hingegen Afrikas Fußballverband CAF hinter den Konsultationsprozess. Die Mitgliedsverbände wurden aufgefordert, den Vorschlag zu prüfen und sich an den Beratungen zu beteiligen.

Die Position der CAF besitzt besonderes Gewicht. Afrikas Mitgliedsnationen verfügen innerhalb der FIFA über 54 Stimmen und könnten bei der Abstimmung über das geplante Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise, kurz FFE, eine entscheidende Rolle spielen. Die CAF erklärte, sie sei „entschlossen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsverbänden, der FIFA, anderen Fußballkonföderationen und Interessengruppen fortzusetzen, um die finanziellen und sonstigen Ressourcen für die Entwicklung und das Wachstum des Fußballs in Afrika und weltweit zu stärken“.