FIFA Fußball WM 2030 mit 64 Teams? 128 statt 104 WM-Spiele

Das Wort „Riesig“ wirkt für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft schon fast untertrieben. Sechs Länder, drei Kontinente und vermutlich 64 statt bislang 48 Mannschaften: FIFA-Boss Gianni Infantino denkt offenbar bereits über die nächste Aufblähung des Turniers nach, noch bevor die aktuelle Ausgabe richtig verdaut ist.

US-Präsident Donald Trump spricht am 17. Juli 2026 beim FIFA-Empfang im Trump Tower in New York an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Trump wird am Wochenende beim WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford zu Gast sein. (Andrew Harnik / Getty Images North America via Getty Images)
US-Präsident Donald Trump spricht am 17. Juli 2026 beim FIFA-Empfang im Trump Tower in New York an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Trump wird am Wochenende beim WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford zu Gast sein. (Andrew Harnik / Getty Images North America via Getty Images)

Bis zum Mond schafft es der Verbandschef vermutlich nicht. Doch auf dem Weg über Marrakesch, Madrid oder Montevideo könnte Infantino schon in vier Jahren neue Flughöhen erreichen, sollte die WM 2030 tatsächlich noch einmal aufgestockt werden. Einen Vorgeschmack darauf lieferte er bereits bei der Endrunde in Nordamerika, während der er per Privatjet nach eigenen Angaben mehr als zweimal die Erde umrundete.

Sechs Gastgeber, drei Kontinente und ein mögliches XXL-Upgrade

2030 wird die Weltmeisterschaft ohnehin schon zu einem logistischen Mammutprojekt: Ausgetragen in sechs Nationen auf drei Kontinenten, mit Jürgen Klopp aller Voraussicht nach als DFB-Chefcoach und Lionel Messi, der möglicherweise zum siebten Mal bei einem WM-Turnier auflaufen könnte. Kommt es zu einer weiteren Aufstockung, dürfte der vielgereiste Infantino noch etliche Flugmeilen mehr sammeln. Erst kürzlich erklärte der Schweizer, eine erneute Erweiterung sei „auf jeden Fall ein Thema, das man nach dieser WM anschauen und in den Gremien diskutieren wird“.

Die Mannschaften und Schiedsrichter stellen sich vor dem Anpfiff des Viertelfinals der WM 2026 zwischen Frankreich und Marokko am 9. Juli 2026 im Boston Stadium in Foxborough auf. (Alex Slitz / Getty Images North America via Getty Images)
Die Mannschaften und Schiedsrichter stellen sich vor dem Anpfiff des Viertelfinals der WM 2026 zwischen Frankreich und Marokko am 9. Juli 2026 im Boston Stadium in Foxborough auf. (Alex Slitz / Getty Images North America via Getty Images)

Hauptausrichter des Turniers 2030 sind Spanien, Portugal und Marokko. Den Zuschlag erhielten sie im Zuge eines wenig transparenten Vergabeverfahrens, bei dem gleichzeitig auch die WM 2034 an Saudi-Arabien vergeben wurde. Jeweils eine Partie soll zudem in Paraguay, Uruguay und Argentinien stattfinden, um an die erste Weltmeisterschaft überhaupt zu erinnern, die vor 100 Jahren in Uruguay ausgetragen wurde. Aktuell ist dies der geplante Stand, doch die drei südamerikanischen Nationen könnten am Ende mehr Spiele zugesprochen bekommen als bislang vorgesehen. Befeuert wird die Debatte auch durch Spekulationen, ob Messi mit dann 43 Jahren in seiner Heimat noch einmal einen WM-Anlauf wagen könnte.

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128 statt 104 Partien: Was ein Ausbau bedeuten würde

Sollte die Endrunde künftig mit 16 Vierergruppen von A bis P ausgetragen werden, stiege die Zahl der Begegnungen von 104 auf 128. Ein derart aufgeblähtes Teilnehmerfeld ließe sich kaum noch innerhalb von sechs Wochen unterbringen. Immerhin einen Vorteil hätte die Reform: Das komplizierte Rechenspiel um die besten Gruppendritten würde entfallen, stattdessen zögen wie einst nur die beiden Gruppenbesten ins K.o.-Rennen ein. Lediglich das neu eingeführte Sechzehntelfinale bliebe als Zwischenrunde erhalten.

Klopp selbst reagierte im Vorjahr wenig begeistert, als er erstmals von den Ausbauplänen hörte. „Ehrlich gesagt, ich habe es nur gesehen und dachte: Oh nein, darauf lasse ich mich nicht ein“, sagte der designierte Bundestrainer gegenüber The Athletic. Ob er sich der Entwicklung am Ende entziehen kann, ist allerdings fraglich.

Jürgen Klopp lächelt als TV-Experte beim Gruppe-E-Spiel der WM 2026 zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026 in Houston. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Jürgen Klopp lächelt als TV-Experte beim Gruppe-E-Spiel der WM 2026 zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026 in Houston. (Alexander Hassenstein / Getty Images)

Kritik von Neuendorf und Ceferin, Zustimmung von Infantino

Auch abseits von Klopp regt sich Widerstand gegen den fortschreitenden Gigantismus. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der sich für Deutschland gerne wieder eine WM-Endrunde sichern würde, bezeichnete den Ausbau-Vorschlag im Frühjahr 2025 als „aus sportlicher und organisatorischer Sicht nicht umsetzbar“. Noch deutlicher wurde UEFA-Präsident Aleksander Ceferin im kicker: „Erstens wäre das Turnier zu lang. Zweitens würden unsere Qualifikationsspiele bedeutungslos. Für die Qualität des Fußballs wäre es lächerlich.“

Tatsächlich würden sich bei 64 Teilnehmern rund 30 Prozent aller 211 FIFA-Mitgliedsverbände für die Endrunde qualifizieren. Für Infantino ist genau das kein Gegenargument, sondern der eigentliche Sinn der Reform. „Jede Nation soll davon träumen dürfen, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein“, betonte der 56-Jährige. Als Beleg dafür, dass eine größere Teilnehmerzahl keine sportliche Verwässerung bedeute, verweist er auf kleinere Fußballnationen wie Kap Verde, die zuletzt für Furore sorgten.

Wirtschaftlich dürfte sich die Ausweitung ohnehin lohnen. Schon die Nordamerika-WM soll der FIFA Rekordeinnahmen von rund 15 Milliarden US-Dollar bescheren und festigt damit zugleich Infantinos Machtposition im Weltverband. Der finanzielle Erfolg des Turniers könnte zudem den Ausrichtungschancen der USA für eine weitere Austragung in naher Zukunft zugutekommen, denn die Vergabe der Weltmeisterschaften ab 2038 steht noch aus. Sein Interesse hat US-Präsident Donald Trump bereits deutlich gemacht: „Diese WM war so erfolgreich, dass wir die USA einfach noch einmal auswählen sollten. Dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada außen vor.“