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Das neue Panini-Sammelalbum zur WM 2026 macht den Gigantismus des Turniers sichtbar: 980 Bilder verteilen sich auf 112 Seiten. Gleichzeitig wird das Sammeln so teuer wie nie, denn eine Box mit 100 Tüten kostet 150 Euro, und voll ist das Album damit noch lange nicht. Ein Kommentar in der SZ zeigt das Gigantismus-Problems der WM 2026 auf. Dazu zählt eben auch da sPanini-WM-Heft. Laut Panini kommt das neue Sammelsticker Heft nun also am 12.Mai in den Handel.

Und doch bleibt das Einkleben vor der Weltmeisterschaft ein Ritual, das seit 1970 existiert und sich allen Veränderungen im Fußballgeschäft bislang hartnäckig entzieht. Gerade die Mischung aus Kommerz, Nostalgie und Sammelleidenschaft sorgt dafür, dass Panini vor jedem Turnier wieder zum Gesprächsthema wird.
Curaçao, Comenencia und die Sehnsucht nach dem Panini-Album
Wie groß die Bedeutung des Albums inzwischen ist, zeigte sich im vergangenen November nach dem WM-Ticket von Curaçao. Das 0:0 in Jamaika brachte den Karibikern den entscheidenden Punkt, und Abwehrspieler Livano Comenencia sagte danach zu Weltpresse und Öffentlichkeit: „Wir fahren zur WM, stehen bald im Panini-Album. Das ist unglaublich.“ Ein Platz in der Stickersammlung als persönlicher Höhepunkt einer Karriere war so zuvor noch von keinem Spieler formuliert worden.

Diese Begeisterung erklärt auch, weshalb die kommende US-amerikanische, mexikanische und kanadische Giga-WM mit 48 Teilnehmern, 104 Partien und 16 Stadien ihren ganz eigenen Reiz entfalten könnte. Teams wie Curaçao, Usbekistan oder Kap Verde werden zwar wohl kaum für große Fußballfeste sorgen, aber beim heimischen Publikum für Euphorie. Und weil im Fußballgeschäft Atmosphäre und Emotionen als gefragte Ware gelten, werden genug Fernsehteams an diese Orte geschickt werden, um die passenden Bilder zu liefern.
Im Album zur WM 2026 erhält tatsächlich fast jeder Profi aus den kleinsten Teilnehmernationen ein eigenes Stickerbild. Das war nicht immer so. Beim Album zur WM 1982 mussten sich etwa die Neuseeländer noch behelfen, weil auf einem Bild zwei Spieler Platz fanden. Wynton Rufer, später Europacup-Held von Werder Bremen, war damals nur gemeinsam mit Brian Turner zu haben, der später weit weniger legendär wurde. Das Album durfte eben nicht zu sehr ausufern.

Vom Kiosk zum Release-Day und in die sozialen Netzwerke
Heute ist genau dieses Ausufern Programm. 980 Bilder auf 112 Seiten machen das WM-Album 2026 zu einem wuchtigen Sammelwerk, und auch die Vermarktung hat neue Dimensionen erreicht. Früher lag so ein Heft wenige Wochen vor einer WM einfach am Kiosk, meist neben Kicker und der Sport-Bild. Inzwischen spricht jeder vom „Release“, als gehe es um ein Musikalbum und nicht um ein Bilderheft.
In den USA meldete USA Today dagegen schon am 1. Mai, das Album sei da. Parallel dazu rissen Sammler bei X und anderswo vor großem Publikum die ersten Tüten auf. Das Einkleben bleibt zwar eine schwer analoge Angelegenheit, doch das Sammeln selbst und vor allem das Kommentieren des Sammelns hat sich längst zu einem digitalen Phänomen entwickelt. Die einen warten auf den Release-Day, die anderen berichten schon davon und versorgen die Wartenden mit Geschichten und Tipps.
Mehr Infos zu den WM 2026 Panini-Stickers:
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Bei X kursierte etwa ein Video, das zeigt, wie man verhindert, dass Fußballsticker schief ins Album geraten. In dem weltweiten Gespräch über den richtigen Einklebewinkel, die Papierdicke und über falsch einsortierte Neuner aus der Demokratischen Republik Kongo gerät schnell aus dem Blick, wie viel Unbehagen diese Weltmeisterschaft insgesamt auslöst. Vor Katar 2022 war das nicht anders. Trotz aller Kritik an dem Turnier waren die Paninis in Argentinien zeitweise ausverkauft, noch bevor Lionel Messi mit seinen Mitspielern ein paar Bilder für die Ewigkeit in die Wüste zeichnete.

Das alte Motto lautet weiter: kleben und kleben lassen. Oder, wie Pierluigi Collina, der frühere Weltschiedsrichter, es in einem Werbespot formulierte: „The wait is over.“ Roberto Baggio wiederum, einst großer Angreifer, dachte auf Instagram über die Begegnung mit den eigenen Panini-Stickern nach. So schaffen es dank der italienischen Firma Panini sogar Italiener, zumindest auf diese Weise, wieder an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen.
Die FIFA kassiert mit, die Kundschaft trotzdem auch
Die finanzielle Seite ist ebenso deutlich. 150 Euro kostet die Box mit 100 Tüten, pro Tüte liegen sieben Bilder bei. Voll wird das Album damit dennoch nicht. Wer stattdessen die Fahrt von Manhattan Downtown zum MetLife Stadium in New Jersey hin und zurück bezahlt, muss während der WM mit 150 Dollar ebenfalls einen Rekordpreis hinlegen. Im Vergleich dazu kann das Geld im Album deutlich länger Freude machen.
Für Hardcover-Alben, Treasure-Boxen und Sondersticker wäre allerdings noch mehr Budget nötig. Die FIFA als Lizenzgeber des WM-Albums presst aus der Kundschaft alles heraus, was möglich ist, und die gnadenlos durchkommerzialisierte WM spiegelt sich auch im Sammelheft. Kinder, aber ebenso kindliche und mitunter zweifellos kindische Erwachsene, werden deshalb wohl trotzdem wieder zum Kiosk rennen wie bei jeder WM.

Denn etwas, das es immer schon gab, überlebt auch diese Vermarktung. Seit der WM 1970 gehört das Sammelbildersammeln vor dem Turnier einfach dazu. Panini brachte damals sein erstes WM-Album auf den Markt, mit 288 Bildern auf 48 Seiten. Beim Foto von Uwe Seeler hatte sich im Hintergrund ein Passant ins Bild gedrängt, so etwas passiert heute nicht mehr. Heute dominieren makellose Porträts, auch wenn manche Bildli seltener sind als andere.
Mit dem Gegenwert des Blue Crumple Online Exclusive-Stickers von Lionel Messi lassen sich fast drei Fahrten von Manhattan zum MetLife Stadium und zurück bezahlen. Livano Comenencia aus Curaçao, der sich nach der erfolgreichen Qualifikation so auf sein Stickerbild gefreut hatte, ist inzwischen tatsächlich im Album vertreten. Sein Bild mit der Nummer CUW 9 wird bei Ebay für einen Dollar angeboten, als Anfangsgebot. Denn selbst im Fußball der Gegenwart kosten manche Träume nicht die Welt.