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Die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird von einem handfesten Skandal überschattet. Weil die Ticketpreise in astronomische Höhen schießen und die günstigsten, offen verfügbaren Finalkarten mittlerweile unglaubliche 4.185 Dollar kosten, hat die europäische Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) gemeinsam mit der Verbraucherschutzorganisation Euroconsumers eine formelle Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht.

Die Kläger werfen der FIFA vor, ihr Monopol beim Ticketverkauf schamlos auszunutzen und Fußballfans durch „undurchsichtige und unfaire Kaufbedingungen“, falsche Lockvogelangebote sowie eine unkontrollierte „dynamische Preisgestaltung“ regelrecht abzukassieren. Während der Weltverband mit einer Rekordnachfrage von 508 Millionen Ticketanfragen argumentiert, wächst der politische Druck: Die EU-Kommission soll nun dringend eingreifen und die ausbeuterischen Praktiken der FIFA noch vor der nächsten Verkaufsphase im April stoppen.
Hier ist eine FAQ (häufig gestellte Fragen) zu der Beschwerde gegen die FIFA bezüglich der Ticketpreise für die WM 2026:
1. Wer geht gegen die FIFA vor und warum?
Die europäische Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) hat gemeinsam mit der Verbraucherorganisation Euroconsumers eine formelle Beschwerde beziehungsweise Klage bei der Europäischen Kommission gegen den Fußball-Weltverband FIFA eingereicht. Die Organisationen werfen der FIFA vor, ihr Monopol beim Ticketverkauf für die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada auszunutzen. Angeprangert werden insbesondere „überhöhte Eintrittskartenpreise“ sowie „undurchsichtige und unfaire Kaufbedingungen und Kaufprozesse“.
2. Was kritisieren die Kläger genau an den Preisen und Verkaufspraktiken?
Die Beschwerdeführer haben sechs konkrete Missbräuche identifiziert:
- Astronomische Preise: Die günstigsten, offen verfügbaren Finaltickets beginnen bei 4185 Dollar, was mehr als dem Siebenfachen des Preises des billigsten Tickets für das WM-Finale 2022 entspricht. Die FIFA hatte ursprünglich mit durchschnittlichen Ticketpreisen von 1408 Dollar gerechnet, was jedoch weit überschritten wurde.
- Lockangebote: Die FIFA bewarb angeblich Tickets ab 21 Dollar, tatsächlich kosteten die günstigsten Eintrittskarten jedoch 60 Dollar. Auch diese waren so knapp, dass sie quasi vergriffen waren, bevor der allgemeine Verkauf überhaupt begann.
- Dynamische Preisgestaltung: Es gab unkontrollierte Preisanstiege ohne Vorwarnung, bei denen Tickets zwischen den Verkaufsphasen um 25 Prozent teurer wurden.
- Intransparenz: Beim Kauf fehlten oft genaue Informationen zu Sitzplätzen oder sogar den spielenden Teams, wodurch Fans tausende Dollar ausgaben, ohne genau zu wissen, was sie dafür erhalten.
- Künstlicher Verkaufsdruck: Durch E-Mails, die eine künstliche Dringlichkeit suggerierten, wurden Käufer unter Druck gesetzt.
- Doppelte Gebühren beim Weiterverkauf: Die FIFA drängt Fans auf die eigene Wiederverkaufsplattform und verlangt dort sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer eine Gebühr von 15 Prozent.
3. Was fordern FSE und Euroconsumers?
Die Organisationen verlangen von der Europäischen Kommission, dass sie sofort eingreift und der FIFA konkrete Anweisungen gibt. Zu den Hauptforderungen zählen der sofortige Verzicht auf die „dynamische Preisgestaltung“ und das „Einfrieren“ der Preise für die nächste Verkaufsphase im April auf dem Niveau, das im Dezember 2025 angekündigt wurde. Außerdem soll die FIFA mindestens 48 Stunden vor Verkaufsstart transparent offenlegen, wie viele Tickets in den jeweiligen Kategorien noch verfügbar sind.
4. Wie reagiert die FIFA auf die Kritik?
Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP erklärte die FIFA, sie setze sich dafür ein, „einen gerechten Zugang“ für „aktuelle und künftige Fans zu gewährleisten“. FIFA-Präsident Gianni Infantino betonte, dass die Nachfrage enorm sei: Es seien 508 Millionen Anfragen für die fast sieben Millionen angebotenen Tickets der 104 Spiele eingegangen. Laut Infantino ist jedes Spiel bereits „ausverkauft“, obwohl der Verband noch eine nicht näher bezifferte Anzahl an Tickets zurückhält, die erst ab April verkauft werden sollen.
5. Gibt es Reaktionen aus der Politik?
Ja, auch auf politischer Ebene regt sich Widerstand. Der für Sport zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef hatte die FIFA bereits im Februar beim UEFA-Kongress scharf kritisiert. Er betonte, dass der Fußball „niemals, niemals kommerzielle und politische Erwägungen über das Erlebnis der Fans, über das Wohlergehen der Athletinnen und Athleten und die langfristige Entwicklung des Spiels stellen“ dürfe. Die EU-Kommission hat den Eingang der Beschwerde von FSE und Euroconsumers mittlerweile bestätigt und wird diese nach den geltenden Verfahren prüfen.