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Knapp zwei Monate vor dem Start der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada wird immer klarer: Dieses Turnier droht für viele Fans zum Luxusprodukt zu werden. Hohe Ticketpreise, teure Parkplätze und nun auch noch massive Kosten für den öffentlichen Nahverkehr sorgen für massiven Ärger. Für organisierte Anhänger ist die Grenze offenbar längst überschritten.

Fans kritisieren Abzocke bei Anreise und Eintritt
Die Beschwerden über die Eintrittspreise haben bereits ein offizielles Nachspiel. Football Supporters Europe (FSE) wandte sich wegen der aus ihrer Sicht überzogenen Tickets sogar an die Europäische Kommission. Hinzu kommt der Frust über Parkgebühren von teils weit über 200 Dollar an den Stadien. Jetzt verschärfen Berichte über extreme ÖPNV-Preise die Lage weiter. FSE-Geschäftsführer Ronan Evain sprach von einem Turnier, dessen einziges Ziel es scheine, „so viel Geld wie möglich von einem gefangenen Publikum zu erpressen“. Fans, die sich für die sichere und umweltverträgliche Fahrt mit Bus und Bahn entschieden, würden „zur Kasse gebeten“ – das sei „ein Hohn auf die Klimastrategie der FIFA“.
Der Vergleich mit den jüngsten Großturnieren macht die Wut noch größer: Bei der WM 2022 in Katar und der EM 2024 in Deutschland hatten Zuschauer mit einem Spielticket den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können.
Reise, Hotel, Trikot: Die Kosten explodieren
Auch abseits des Stadions summieren sich die Ausgaben in ungeahnte Höhen. Nach Berechnungen des US-Reisemediums Upgraded Points müssen WM-Besucher für eine dreitägige Reise mit zwei Übernachtungen in den US-Spielorten im Schnitt zwischen 2600 Dollar in Miami und 8900 Dollar in Boston einplanen. In die Kalkulation fließen ein Zweitmarkt-Ticket, die Unterkunft, Flugkosten, Fahrdienste, Verpflegung und sogar der Kauf eines Trikots ein.

Die sozialen und politischen Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Der kalifornische Kongressabgeordnete Josh Harder bezeichnete es als „skandalös“, dass Zehntausende Fans aus seiner Region von einem „einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert wird“, wegen der hohen Preise ausgeschlossen würden. Die Kommunen müssten Millionen für Renovierungen, Polizei und Rettungsdienste zahlen, sagte Harder weiter: „Wenn wir die Rechnung bezahlen, verdienen unsere Familien auch Preise, die sie sich leisten können.“
Politischer Druck auf FIFA wächst
Auch Chuck Schumer verschärfte den Ton. Der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat forderte die FIFA auf, die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr in den Spielorten und Regionen während der WM zu übernehmen. Anlass waren Berichte über drastische Preiserhöhungen in New Jersey. Schumer schrieb bei X, die FIFA werde bei der WM fast elf Milliarden Dollar einnehmen, während Pendler und Anwohner in der Region New York die Rechnung zahlen sollten. Mindestens müsse der Verband sicherstellen, dass Fans ohne „überhöhte Preise“ ins Stadion gelangen könnten.
Zuvor hatte The Athletic berichtet, dass New Jersey Transit für Fahrten von Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey mehr als 100 Dollar verlangen will. Normalerweise kostet die Hin- und Rückfahrt für die 29 Kilometer lange Zugstrecke 12,90 US-Dollar. Das DFB-Team wird dort mindestens einmal im Finalstadion antreten; in der Vorrundengruppe E geht es am 25. Juni gegen Ecuador.
Auch in Massachusetts ist der Transportpreis ein Thema. Der Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in Boston und Umgebung teilte mit, dass der Fahrpreis für NFL-Spiele der New England Patriots von 20 US-Dollar auf 80 US-Dollar steigen werde. Ein Platz im Shuttlebus zum rund 43 Kilometer entfernten WM-Stadion in Foxborough soll für die Hin- und Rückfahrt 95 US-Dollar kosten.