Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
FIFA-Ex-Boss Sepp Blatter wird 90 — sein öffentliches Vermächtnis ist geprägt von Klagen, Korruption und Krisen. Jahrzehntelang formte Blatter als Funktionär und Präsident die FIFA, ehe Razzien, Ermittlungen und Vorwürfe um Stimmenkauf und dubiose Zahlungen sein Erbe überschatteten. Auch heute, vor seinem 90. Geburtstag, kämpft er verbissen um seinen Ruf, kritisiert Nachfolger Gianni Infantino und fordert eine „ehrhafte“ Verabschiedung auf einem FIFA-Kongress. Symbole wie das Spielgeld-Interview von Juli 2015 und die Razzia im Hotel Baur au Lac stehen für eine Ära voller Kontroversen.

Razzia im Baur au Lac und die Folgen für die FIFA
Am 27. Mai 2015 erschütterte eine Razzia im Züricher Nobelhotel Baur au Lac den Weltfußball: Hochrangige Funktionäre wurden festgenommen, US-Behörden sprachen von Machenschaften, „die man sonst nur von der Mafia kenne“. Die Ereignisse führten zu einer politischen und personellen Erschütterung innerhalb der FIFA; Blatter blieb zunächst im Amt, trat aber kurz darauf zurück. Unter seiner Führung waren zudem die Vergaben der Weltmeisterschaften an Russland und Katar erfolgt — Entscheidungen, die bis heute umstritten bleiben und zentral für die Korruptionsdebatte stehen.
Korruptionsvorwürfe, Ethikkommission und der Platini-Prozess
Vorwürfe gegen Blatter begleiten ihn lange: Schon vor seiner Wahl 1998 gab es Anschuldigungen, etwa vom damaligen DFB-Chef Egidius Braun, wonach Stimmen für Wahlgänge „gekauft“ worden seien. Auch die Wiederwahl 2002 und der Wahlkampf 2011 blieben nicht frei von Gerüchten und Konfrontationen, zuletzt mit Mohamed bin Hammam. Es folgten Betrugsvorwürfe, eine lange Sperre durch die Ethikkommission und der Prozess um eine umstrittene Millionenzahlung aus dem Jahr 2011 an Michel Platini — ein Verfahren, das erst vor einem Jahr mit einem endgültigen Freispruch für Blatter endete.

Blatters Selbstbild, Machtstil und Kritik an Infantino
Blatter verteidigt sein Handeln bis heute energisch: Er beteuert, er habe ein „reines Gewissen“ und sagt öffentlich: „Ich bereue nichts, was ich nicht gemacht habe, wie ich auch nicht bereue, was ich gemacht habe.“ Gleichzeitig attackiert er seinen Nachfolger Gianni Infantino scharf, bezeichnet dessen Führungsstil als „Sonnenkönig“ und spricht von einer „totalen Diktatur“. Dabei hatte sich Blatter selbst an die Vorzüge der Macht gewöhnt: Als geschickter Taktiker steigerte er Einnahmen, verteilte Mittel und sicherte sich damit Einfluss innerhalb des Verbandssystems, das er als Diener des Weltfußballs für rund 40 Jahre darstellt.
Privates, Gesundheit und der 90. Geburtstag im Wallis
Das Leben als Rentner in den malerischen Bergen des Wallis lehnte Blatter ab; Gesundheitliche Probleme verhinderten das nicht völlig, dennoch berichtet er, es gehe ihm gut und er werde den Geburtstag im kleinen Kreis feiern, so Angaben an den Tages-Anzeiger. Sein öffentliches Ringen um Reputation setzt sich fort: Er fordert noch eine „ehrenhafte“ Verabschiedung auf einem FIFA-Kongress — eine Geste, die er sich wünscht, damit „die Ära Blatter bei der FIFA endgültig vorbei“ wäre, wie er in der Sport Bild sagte. In juristischen Auftritten, etwa als Zeuge im „Sommermärchen“-Prozess, blieben seine Aussagen oft wenig ergiebig; Richterin Eva-Marie Distler nannte die Vernehmung einen Akt mit begrenztem Informationsgewinn.
