DFB WM Kader Ernennung: Freiburgs heimlicher Chef Matthias Ginter wieder dabei?

Matthias Ginter erlebt beim SC Freiburg gerade die vielleicht beste Phase seiner Laufbahn. Vor dem Finale der Europa League in Istanbul kann der 32-Jährige nicht nur den größten Titel seiner Vereinskarriere gewinnen, sondern sich zugleich ein letztes Mal für die WM in Stellung bringen. Wird er doch in den WM Kader von Deutschland berufen?

Matthias Ginter vom SC Freiburg mit dem Ball am Fuß im Rückspiel des UEFA Europa League Halbfinales gegen SC Braga. Der Innenverteidiger der Breisgauer war am 7. Mai 2026 im Stadion am Wolfswinkel einer der Ruhepole, als Freiburg um den Finaleinzug kämpfte. (Daniela Porcelli / Getty Images)
Matthias Ginter vom SC Freiburg mit dem Ball am Fuß im Rückspiel des UEFA Europa League Halbfinales gegen SC Braga. Der Innenverteidiger der Breisgauer war am 7. Mai 2026 im Stadion am Wolfswinkel einer der Ruhepole, als Freiburg um den Finaleinzug kämpfte. (Daniela Porcelli / Getty Images)

Ruhepol vor dem größten Spiel der Vereinsgeschichte

Der Abwehrchef geht die Partie gegen Aston Villa im Tüpras Stadyumu mit bemerkenswerter Gelassenheit an. „Ich liebe die großen Spiele und versuche, mir der Wichtigkeit nicht ganz so bewusst zu werden“, sagte Ginter. „Wenn man sich davor so viele Gedanken darüber macht, dass das ein sehr besonderes Spiel ist, dann versucht man vielleicht besondere Dinge, und das geht meistens schief.“ Deshalb wolle er auch dieses Endspiel „so normal wie möglich“ angehen.

Gleichzeitig ist das Duell am Mittwoch um 21.00 Uhr MESZ bei RTL für ihn von enormer Tragweite. Für den Rio-Weltmeister ist es die letzte große Bühne, um sich für die Kader-Nominierung von Julian Nagelsmann am Donnerstag zu empfehlen. Der gebürtige Freiburger besitzt an der Europacup-Reise des Sport-Clubs einen großen Anteil und tritt damit in Istanbul in einer besonderen Doppelrolle an.

Freiburgs verlässlicher Anführer

In der laufenden Saison liefert Ginter Leistungen auf höchstem Niveau. Defensiv ist er die Zuverlässigkeit in Person und stellte internationale Angreifer wie Borja Iglesias, Pau Victor oder Olivier Giroud kalt. Nach vorne ist er mit fünf Treffern und acht Vorlagen sogar der gefährlichste deutsche Innenverteidiger. Die FAZ beschrieb ihn deshalb als „Anführer ohne Kapitänspatent“.

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Im „größten Spiel der Vereinsgeschichte“, wie Ginter selbst sagt, wird es gegen ein mit zahlreichen Nationalspielern besetztes Topteam besonders auf den Freiburger Abwehrchef ankommen. Er setzt dabei weniger auf große Worte als auf seine Taten. „Natürlich sind sie der Favorit. Aber letzten Endes wissen wir alle, dass ein Finale lediglich ein Spiel ist“, betonte Ginter. Es werde „auf Kleinigkeiten ankommen“.

WM-Traum bleibt im Hinterkopf

Der Titel ist für den Freiburger Jugendspieler ein „großer Traum und Antrieb“. Den Nebenschauplatz einer möglichen Rückkehr in die Nationalmannschaft versucht er auszublenden. „Ich mache das, was ich kann und vor allem beeinflussen kann“, sagte er kürzlich knapp.

Für Ginter werben dennoch andere offensiv. Igor Matanovic erklärte, würde er Bundestrainer sein, nähme er Ginter „definitiv mit“. Julian Schuster lobte dessen „unglaubliche Gewinnermentalität“ und ergänzte: „Das trägt er in sich und das tut jeder Mannschaft gut.“ Auch Lothar Matthäus hob die „überragenden“ Leistungen des 51-maligen Nationalspielers hervor. Dennoch setzte Julian Nagelsmann zuletzt auf andere Kräfte, das letzte Länderspiel von Ginter liegt im Juni 2023 unter Hansi Flick.

Beim WM-Titel 2014 gehörte Ginter zwar zum deutschen Kader, kam aber ohne Einsatzminute aus und verfolgte das Finale im Maracana von der Bank aus. Im Stadion von Besiktas wird er nun vor den Augen zahlreicher Freunde und seiner Familie eine Schlüsselrolle einnehmen. „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit schon öfter bewiesen, dass wir auch Sachen schaffen können, die uns nicht unbedingt zugetraut werden“, sagte Ginter. Das Team wolle noch einmal über sich „hinauswachsen“. Und vielleicht wartet am Donnerstag neben der 15 Kilogramm schweren Europa-League-Trophäe auch noch ein WM-Geschenk.