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Nach dem Saisonende steht die Bundesliga vor einem spürbaren Trainerbeben. Gleich acht Klubs haben auf den Bankposten noch Klärungsbedarf, mehrere Entscheidungen sollen in den kommenden Tagen oder Wochen fallen. Besonders bei Eintracht Frankfurt, das sich am Sonntagabend von Albert Riera trennte, und bei weiteren Vereinen nimmt die Suche nach einer Lösung Fahrt auf.

Leverkusen und Frankfurt unter Zugzwang
Bei Bayer Leverkusen war das Aus von Kasper Hjulmand schon vor dem letzten Spieltag absehbar, nachdem die Werkself die Champions-League-Qualifikation verpasst hatte. Sportchef Simon Rolfes verweigerte nach dem 1:1 gegen Hamburg eine klare Rückendeckung und stellte lediglich in Aussicht, man wolle „in möglichst vielen Sachen so schnell wie möglich Klarheit“. Gleichzeitig wächst auch der Druck auf Rolfes selbst. Als Kandidat wird Oliver Glasner gehandelt, zudem brachte der Kölner Stadt-Anzeiger den Brasilianer Filipe Luís ins Spiel.
In Frankfurt endete das Missverständnis mit Albert Riera nach nur dreieinhalb Monaten. Dem Spanier fehlte im Umfeld jeder Rückhalt, außerdem verpasste die Eintracht erstmals seit sechs Jahren die Qualifikation für den Europapokal. Sportvorstand Markus Krösche steht damit bei der Nachfolgersuche unter Zugzwang. Genannt werden Matthias Jaissle, Marco Rose und Adi Hütter.
Augsburg, Union und Gladbach mit offenen Fragen
Beim FC Augsburg hat Manuel Baum die Mannschaft nach der Trennung von Sandro Wagner stabilisiert, obwohl er eigentlich nur bis Saisonende einspringen sollte. Der 46-Jährige genießt viel Wertschätzung im Team und sagte nach dem abschließenden 0:4 in Berlin, er wolle „das Ganze mal Revue passieren lassen“. Man werde „in Ruhe darüber reden, was am besten für den Verein ist“. Als mögliche Nachfolger wurden bereits Ralf Kettemann vom SC Paderborn und Tonda Eckert vom FC Southampton genannt.
Union Berlin setzte mit der Beförderung von Marie-Louise Eta zur ersten Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga einen ungewöhnlichen Akzent. Zur neuen Saison übernimmt sie jedoch das Frauenteam der Eisernen. Für die Männer hat der Klub offenbar bereits einen Favoriten ausgemacht: Laut übereinstimmenden Medienberichten soll der Schweizer Meistercoach Mauro Lustrinelli vom FC Thun nach Köpenick wechseln. Die Gespräche mit dem 50-Jährigen seien schon „weit fortgeschritten“, hieß es. Christian Eichner und Horst Steffen wären damit aus dem Rennen.
Auch bei Borussia Mönchengladbach ist die Lage offen. Eugen Polanski sicherte zwar vorzeitig den Klassenverbleib, dennoch gerät der 40-Jährige ins Wanken. Der frühere U23-Coach startete als Fanliebling, doch schwache Auftritte und die ausbleibende Entwicklung haben die Stimmung gedreht. Sportchef Rouven Schröder kündigte eine Analyse an, Polanski selbst geht von einer Fortsetzung aus und erklärte nach dem 4:0 gegen Hoffenheim, das Spiel habe „Lust auf mehr gemacht“.
Köln, Wolfsburg und St. Pauli im Wartemodus
Beim 1. FC Köln sah zunächst alles nach einer klaren Lösung aus: Nach der Entlassung von Lukas Kwasniok übernahm René Wagner, und Sportchef Thomas Kessler machte seine Wertschätzung für den 37-Jährigen offen deutlich. Wagner war offenbar auch für die kommende Spielzeit Kesslers Plan A. Eine endgültige Entscheidung steht aber weiter aus. Vor dem 1:5 zum Abschluss beim FC Bayern sagte Wagner, er habe „noch nichts gehört“. Bereits vor der Partie hatte der Express mit der Schlagzeile „Widerstand gegen Wagner wächst“ auf zunehmende Zweifel verwiesen.
In Wolfsburg hängt der weitere Kurs auch von der sportlichen Existenzfrage ab. Der VfL muss in der Relegation gegen den SC Paderborn um den Verbleib in der Bundesliga kämpfen. Der Vertrag von Dieter Hecking, der auf die glücklosen Paul Simonis und Daniel Bauer folgte, läuft nur bis Saisonende. Weil zuletzt auch Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen entlassen wurde, ziehen die Bosse laut Bild in Erwägung, Hecking nach der Saison in eine neue Rolle im Klub zu halten. Für den dann freien Trainerposten gelten Danny Röhl, Alexander Blessin und Thomas Reis als Wunschkandidaten.
Bei St. Pauli ließ Alexander Blessin nach dem Abstieg mit den Kiezkickern seine Zukunft offen. „Das ist jetzt kein Thema. Bei aller Liebe“, sagte der 52-Jährige nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg und kündigte an: „Das wird jetzt erst mal verdaut und dann setze ich mich in den nächsten Tagen mit Andreas (Bornemann, Sportchef, d. Red.) zusammen.“ Sein Vertrag in Hamburg läuft noch bis 2027, ein Abschied von Blessin gilt dennoch als wahrscheinlich. Unter anderem Wolfsburg soll den Coach bereits auf dem Zettel haben.