Nationalmannschaft: Kapitän Joshua Kimmich in der DFB Pressekonferenz: „Die Zeit ist reif“

Kapitän Joshua Kimmich hat in der DFB-Pressekonferenz in Herzogenaurach seinen Plan für die WM skizziert und den Teamgedanken in den Mittelpunkt gestellt. Er forderte persönliche Unterordnung unter das „Wir“ und machte deutlich, dass nicht der beste Kader, sondern das beste Team zählt. Gleichzeitig erinnerte Kimmich an die bitteren Erfahrungen der WM 2018 und 2022 und dämpfte Erwartungen: Die DFB-Elf zähle „nicht zu den Topfavoriten“. Vor den wichtigen Testspielen gegen die Schweiz (Freitag, 20.45 Uhr/RTL) und Ghana (drei Tage später, 20.45 Uhr/ARD) stellte er klare Leistungsansprüche an seine Mannschaft.

Joshua Kimmich bei der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft vor der DFB-Sponsorenwand, aufgenommen bei einem Medientermin 2026.
Joshua Kimmich bei der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft vor der DFB-Sponsorenwand, aufgenommen bei einem Medientermin 2026.

Kimmich skizziert Plan: Teamgedanke vor Individualität

Im Fokus seiner Presserunde stand der Teamgedanke: „Es ist nicht wichtig“, sagte Joshua Kimmich, flankiert von den beiden WM-Trikots in Herzogenaurach, „den besten Kader der Welt zu haben – sondern das beste Team der Welt.“

Der Münchner betonte, dass „diesem Leitgedanken … sich jeder unterordnen und alles für das Team in die Waagschale werfen“ müsse. Damit wolle er erreichen, „dass sich auch die Weltbesten vor dieser DFB-Elf fürchten müssen.“

Erinnerung an WM-Pleiten: Mahnung nach 2018 und 2022

Kimmich bezog sich ausdrücklich auf frühere Turnierenttäuschungen: „Auch der beste Kader der Welt hat keine Garantie, Titel zu gewinnen“, sagte er und erinnerte an die WM 2018. „Da hatten wir mit den besten Kader und wissen alle, wohin es uns geführt hat.“

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Er nannte das Ergebnis von 2018 beim „erstmaligen Vorrunden-Aus“ und verwies auf die Wiederholung dieser Pleite 2022 in Katar, „auch dort war Kimmich dabei.“ Zur aktuellen Leistungsbilanz gab er zu: „Die Bilanz ist nicht gut.“

Turnier-Einschätzung: „Nicht zu den Topfavoriten“

Im Hinblick auf das XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada schränkte Kimmich die Außenseiterrolle der DFB-Elf ein: Der viermalige Weltmeister zähle beim Turnier sicher „nicht zu den Topfavoriten.“

Gleichzeitig relativierte er historische Vergangenheiten: „Aber wenn es losgeht, interessiert niemanden mehr, was vor vier oder acht Jahren war.“ Vielmehr entscheide dann, „wie eng die Mannschaft … auf dem Platz zusammensteht.“

Bedeutung der Testspiele gegen Schweiz und Ghana

Kimmich hob die herausragende Bedeutung der bevorstehenden Testspiele hervor: Schon die Tests gegen die Schweiz am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Basel und drei Tage später gegen Ghana in Stuttgart (20.45 Uhr/ARD) kämen „überragende Bedeutung“ zu. Er nannte die Partien explizit als Prüfsteine.

Zu den Erwartungshaltungen sagte er unmissverständlich: „Ich erwarte, dass sich jeder dem großen Ganzen mit 100 Prozent hingibt, damit wir bereit sind, wenn es dann drum geht.“ Damit stellte er Performance und Einstellung vor individuelle Kriterien.

Nagelsmanns Plan, Variabilität und Geheimnisse zum Spielaufbau

Kimmich bestätigte, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann einen „klaren Plan“ verfolge: „und die Überzeugung von diesem Plan versucht er, in die Mannschaft zu transportieren“, erklärte der Kapitän. Den Plan beschrieb er als ausgesprochen strukturiert, verriet aber keine technischen Details.

Zur Frage, wie Nagelsmann mehr Variabilität schaffen wolle, sagte Kimmich nur: Es gehe um den Spielaufbau – und seine Mutter Anja würde sich „ein bisschen schwer damit tun, wenn ich es ihr erklären würde“. Wichtiger sei ohnehin „die Art und Weise“ der Umsetzung.

Fehlende Säulen, Chancen für Alternativen und Trainingsszene in Franken

In der fränkischen Frühlingssonne fehlten laut Kimmich „Säulen wie Jamal Musiala und Aleksandar Pavlovic sowie Alternativen wie Felix Nmecha und Jamie Leweling“, was dem Bundestrainer nicht gefallen konnte. Daraus ergäben sich jedoch Möglichkeiten für andere Spieler: „Chance, alles auf dem Platz zu lassen“, so Kimmich.

Debütanten und Aufforderungen vom Athletiktrainer

Als Beispiele nannte er die Münchner Debütanten Jonas Urbig und Lennart Karl; zu Karl lobte er dessen „Scheißegal“-Mentalität. Beim Warmmachen trieb der neue Athletiktrainer Bram Geers den 22-Jährigen an, rief wiederholt „Take some risk!“, „Well done!“ und „The time is right!“, was Kimmich mit der Übersetzung „die Zeit ist reif“ aufgriff.

Auch Alfred Schreuder, der neue Nagelsmann-Assistent, verfolgte die Einheit. Zuvor hatte Julian Nagelsmann im ersten Training sogar den WM-Ball gefühlvoll an den Pfosten geschlenzt, eine Szene, die die Stimmung im Camp unterstrich.

Benchmark Qualifikation: Das 6:0 gegen die Slowakei und die Erwartung

Kimmich setzte als Referenz den berauschenden Abschluss der holprigen WM-Qualifikation: den 6:0-Sieg gegen die Slowakei im November. Diese Partie nannte er als Maßstab für die erforderliche Spielidee und Durchschlagskraft.

Abschließend fasste er die Ansprüche an die Mannschaft zusammen: „Die Erwartungshaltung ist“, sagte der Kapitän unmissverständlich, „dass jeder Vollgas gibt.“ Und dann auch auf dem Platz ins Schwarze trifft.