Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wirft ihre Schatten voraus. Doch wer sich schon auf laue Sommerabende vor den Großbildleinwänden in den deutschen Innenstädten freut, muss sich umstellen. Die massive Zeitverschiebung sowie die späten WM Anstoßzeiten und politische Hürden verändern das WM Public Viewing in Deutschland grundlegend. Die deutsche Fußballnationalmannschaft bzw. deren Fans sind noch vergleichsweise gut dran: Einmal wird um 19 Uhr gespielt und zwei Mal um 22 Uhr Deutscher Zeit.
Hier ist der komplette Überblick über die aktuelle Lage – in Deutschland und international.
Deutschland-Fans vor dem Brandenburger Tor in Berlin am 16. Juni 2014 beim Public Viewing des Fußballspiels Deutschland gegen Portugal in der Gruppe G der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Salvador, Brasilien. AFP PHOTO / CLEMENS BILAN / AFP PHOTO / CLEMENS BILAN
Deutschland: Die großen Fanmeilen sagen ab
In vielen deutschen Metropolen wird es zur WM 2026 keine offiziellen, zentral organisierten Fanfeste geben.
Hamburg: Auf dem traditionsreichen Heiligengeistfeld fällt das große Public Viewing aus. Zum einen starten viele Spiele durch die Zeitverschiebung sehr spät, wie etwa das deutsche Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste um 22:00 Uhr deutscher Zeit. Zum anderen kollidiert der Terminplan des durch 48 Mannschaften verlängerten Turniers mit dem Aufbau des Hamburger Sommerdoms.
Bayern: Auch in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt wird es keine offiziellen Fanfeste geben. Die Olympiapark München GmbH verweist auf einen spürbaren Rückgang des Interesses an Großveranstaltungen seit dem Boom-Jahr 2006; Fans weichen inzwischen lieber auf dezentrale Angebote wie Biergärten aus. Ausnahmen für große Fanzonen soll es in München künftig nur noch bei Heimturnieren geben.
WM 2026: Kein offizielles WM Public Viewing in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt(AFP PHOTO)
Zoff in der Bundesregierung: Späte Anstoßzeiten, der Lärmschutz vs. Fußballfieber
Ein Hauptgrund für die zögerliche Planung in Deutschland ist die Rechtslage zum Lärmschutz. Da rund die Hälfte der 104 WM-Spiele zwischen 18 und 23 Uhr deutscher Zeit angepfiffen wird, reichen viele Partien bis weit nach Mitternacht. Dies führt zu einem klassischen Zielkonflikt zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Städte, dem Wunsch der Fans und der nächtlichen Ruhe der Anwohner.
Umweltminister Carsten Schneider plant deshalb eine neue Lärmschutzverordnung, die Ausnahmen für späte Übertragungen auf kommunaler Ebene ermöglichen soll. Doch der Entwurf wird derzeit vom Agrarministerium blockiert. Dort räumt man offenbar anderen Projekten, wie Änderungen im Tierschutzgesetz, intern eine höhere Priorität ein. Solange diese bundesrechtlichen Verordnungen fehlen, können viele Städte schlichtweg keine rechtssicheren Genehmigungen für späte Fanmeilen erteilen.
Blick nach England: Längere Pub-Öffnungszeiten für die K.o.-Runde
Während Deutschland noch über den Lärmschutz streitet, schafft Großbritannien bereits Fakten. Die britische Regierung hat beschlossen, dass Pubs während der K.o.-Runde an Spieltagen bis 2:00 Uhr morgens geöffnet bleiben dürfen (statt der üblichen 23:00 Uhr) – vorausgesetzt, eine britische Nationalmannschaft wie England oder Schottland steht auf dem Platz. Die Regierung will damit sicherstellen, dass die Fans den Schlusspfiff der späten US-Spiele bei einem Pint im Pub miterleben können und erhofft sich gleichzeitig einen wirtschaftlichen Schub für das Gastgewerbe.
USA: Public Viewing wird in New York kostenpflichtig
Auch in den Austragungsländern gibt es einen Paradigmenwechsel. Wer in New York ein offizielles Fanfest besuchen möchte, muss künftig in die Tasche greifen. Für den Zugang zu den Fan Zones in Queens (Kapazität: 10.000 Personen) oder dem FIFA Fan Festival in Jersey City wird ein Eintrittspreis von 10 US-Dollar fällig. Die Veranstalter begründen das Ende der kostenlosen Fan-Feste in New York mit einer besseren Planbarkeit und höheren Sicherheitsstandards zur Bewältigung der Menschenmassen. Andere US-Städte wie Philadelphia oder Kansas City halten jedoch an kostenlosen Fan-Festen fest.
WM 2026 in den USA – New York
FAQ: Public Viewing zur WM 2026 – Alles, was du wissen musst!
Gibt es 2026 wieder riesige Fanmeilen in Deutschland?
Leider nein. In vielen Großstädten wird es keine offiziell organisierten Großveranstaltungen geben. Metropolen wie Hamburg, München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt haben bereits ihre zentralen Fanfeste abgesagt.
Warum werden die großen Fanfeste abgesagt?
Das liegt an einer Mischung aus verschiedenen Hürden: Durch die Zeitverschiebung nach Nordamerika starten viele Partien extrem spät am Abend. Gleichzeitig kollidieren die Termine oft mit anderen Stadtfesten, wie etwa dem Aufbau des Hamburger Sommerdoms. In Bayern verzeichnen die Veranstalter zudem seit Jahren ein gesunkenes Interesse an Massen-Events, da viele Fans inzwischen gemütliche Biergärten bevorzugen.
Dürfen Kneipen und Biergärten die Spiele denn draußen zeigen?
Grundsätzlich sind private Übertragungen in der Gastronomie weiterhin möglich. Das große Problem ist hierbei jedoch der Lärmschutz: Da rund die Hälfte der WM-Spiele erst zwischen 18:00 und 23:00 Uhr deutscher Zeit angepfiffen wird, droht Ärger mit der Nachtruhe. Eine bundesweite Ausnahmeregelung wird aktuell in der Bundesregierung diskutiert, steckt aber noch im politischen Streit fest.
Wie gehen andere Länder mit den Nachtspielen um?
Deutlich pragmatischer! Die britische Regierung hat bereits eine Ausnahmeregelung beschlossen: Sobald ein britisches Team (wie England oder Schottland) die K.o.-Runde erreicht, dürfen die Pubs an Spieltagen offiziell bis 2:00 Uhr nachts geöffnet bleiben.
Muss man beim Public Viewing in den USA Eintritt zahlen?
Teilweise ja. Wer in New York ein offizielles FIFA Fan Festival oder die große Fan Zone in Queens (Kapazität: 10.000 Menschen) besuchen möchte, muss erstmals 10 US-Dollar Eintritt bezahlen. Andere US-Gastgeberstädte wie Kansas City oder Philadelphia bieten jedoch weiterhin kostenlose Fan-Feste an.
WM 2026 Public Viewing selbst ausrichten
Wann eine Lizenz notwendig ist
Auch hier gelten jedoch klare Vorgaben der FIFA.
Für kommerzielle Public-Viewing-Veranstaltungen ist grundsätzlich eine kostenpflichtige Lizenz erforderlich. Ein kommerzieller Zweck liegt bereits vor, wenn Eintritt verlangt wird oder Sponsoren eingebunden sind. Auch indirekte Einnahmen können eine Rolle spielen, etwa durch Mindestverzehr oder erhöhte Preise für Getränke und Speisen.
Nicht-kommerzielle Veranstaltungen können unter bestimmten Voraussetzungen ohne Gebühren stattfinden. Allerdings ist auch hier eine Lizenz erforderlich, wenn mehr als 5.000 Zuschauer erwartet werden.
Kleinere Übertragungen in Bars, Restaurants oder Clubs gelten meist als regulärer Geschäftsbetrieb. Wenn kein Eintritt verlangt wird und keine zusätzlichen Sponsoringaktionen stattfinden, ist in der Regel keine Lizenz notwendig.
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Organisation und Werbung für Public-Viewing-Events
Wer ein Public Viewing organisiert, muss neben den FIFA-Vorgaben auch nationale Gesetze und lokale Regelungen beachten. Dazu gehören beispielsweise Lärmschutzbestimmungen, Sicherheitsauflagen oder mögliche Genehmigungen der Behörden.
Zusätzlich können Gebühren der GEMA anfallen, etwa wenn Musik gespielt wird oder die Veranstaltung musikalisch begleitet wird. Für frühere Turniere gab es spezielle GEMA-Tarife für Public-Viewing-Veranstaltungen. Ähnliche Regelungen werden auch für die WM 2026 erwartet.
Bei der Werbung für Public Viewing gilt ebenfalls: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um eine offizielle Veranstaltung der FIFA handelt. Offizielle Logos oder Marken dürfen nicht verwendet werden. Auch das Fernsehbild darf nicht verändert werden, etwa durch zusätzliche Grafiken oder Werbeeinblendungen.