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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation für 2027 in Brasilien erstmals Punkte abgegeben. Beim 0:0 in Ried im Innkreis gegen Österreich verpasste das Team von Bundestrainer Christian Wück den vierten Sieg im vierten Spiel, bleibt mit 10 Zählern aber Tabellenführer der Gruppe 4. Hinter Deutschland folgen Norwegen mit 9 Punkten und Slowenien mit 3.

Nach dem klaren 5:1 (1:0) am vergangenen Dienstag gegen denselben Gegner in Nürnberg war die DFB-Auswahl zwar erneut überlegen, fand diesmal aber zu selten Lücken. Nur der Gruppenerste löst das direkte Ticket für die Endrunde in Brasilien, die Zweit-, Dritt- und Viertplatzierten können sich noch über die Playoffs qualifizieren. Am 5. Juni geht es für Deutschland ab 20.30 Uhr in Köln im direkten Duell mit Norwegen weiter.
Vier Wechsel in Wücks Anfangsformation
Im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen vor vier Tagen nahm Wück vier Veränderungen vor. Vor Torhüterin Ann-Kathrin Berger rückten Sarai Linder, Camilla Küver und Carlotta Wamser für Giulia Gwinn, Rebecca Knaak und Franziska Kett in die Abwehr. Janina Minge übernahm die Kapitänsbinde von der an der Schulter verletzten Gwinn und bildete mit der Viererkette die Innenverteidigung.

Im Zentrum agierten erneut Elisa Senß und Sjoeke Nüsken auf der Doppelsechs. In der Offensive bekam Larissa Mühlhaus diesmal den Vorzug vor Linda Dallmann, auf den Außenbahnen starteten wieder Vivien Endemann und Jule Brand, im Sturm begann Nicole Anyomi.
Vor 4300 ausverkauften Zuschauer*innen im Stadion Ried legte Deutschland mit viel Selbstvertrauen los und kam früh zu einer Doppelchance. Über Linder gelangte der Ball zu Mühlhaus, deren hohe und präzise Flanke Brand im Strafraum fand (3.). Die Lyon-Spielerin brachte den Abschluss im Fallen gefährlich auf das Tor, scheiterte aber an Österreichs starker Keeperin Mariella El Sherif. Auch der folgende Eckball sorgte für Gefahr, doch Nüsken köpfte knapp links vorbei (4.).
Österreich macht die Räume eng
Die Gastgeberinnen traten im Vergleich zur Partie in Nürnberg deutlich kompakter auf und suchten immer wieder schnelle Umschaltaktionen. Die erste Gelegenheit gehörte dennoch Österreich: Nach sieben Minuten verfehlte eine Hereingabe von Barbara Dunst die mitgelaufene Naika Reissner am langen Pfosten nur um Haaresbreite.
Danach verflachte die Begegnung zunehmend. Deutschland hatte zwar mehr Ballbesitz, ließ im Aufbau aber die nötige Genauigkeit vermissen und kam im ersten Durchgang zu keinen nennenswerten Torchancen. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Offensive der DFB-Elf zunächst ideenarm, Chancen blieben Mangelware.
Anyomi legte für Senß ab, deren Abschluss in der 49. Minute jedoch harmlos blieb. Ein Freistoß von Mühlhaus in der 59. Minute fand keine Abnehmerin. Wück reagierte und brachte Linda Dallmann für Endemann sowie Franziska Kett für Linder, später sollte Lea Schüller anstelle von Anyomi für mehr Durchschlagskraft sorgen.
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Christian Wück: Wir sind alle unzufrieden. Wir haben uns etwas anderes vorgenommen und wollten das Spiel hier gewinnen. Aber man muss anerkennen, dass es uns die Österreicherinnen schwer gemacht haben. Es ist aber noch nicht viel passiert; wir sind noch Erster in der Gruppe und haben weiterhin alles in der eigenen Hand. Es ist natürlich nicht angenehm, so ein Spiel von der eigenen Mannschaft zu sehen. Wir ziehen das Positive daraus und merken, dass wir noch viele Themen haben, die wir verbessern können. Der Platzverweis für Janina Minge war eine klare Rote Karte, da kann man nicht anders entscheiden. Wir müssen uns jetzt einmal schütteln. Wir haben heute nicht gezeigt, was wir können, aber wir wissen, was in der Mannschaft steckt. Jetzt schauen wir, dass wir in der nächsten Qualifikationsphase zu alter Leistung zurückfinden. Wir hatten unsere Chancen, haben sie aber nicht genutzt. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen – das werden wir tun und gegen Norwegen und Slowenien wieder ein anderes Gesicht zeigen.
Sjoeke Nüsken: Wir wollten alles geben und als Sieger vom Platz gehen. An mangelndem Selbstvertrauen hat es nicht gelegen; wir haben uns viel vorgenommen, konnten es aber auf dem Platz nicht wie gewünscht umsetzen. Trotzdem sind wir weiterhin Tabellenerster und haben noch zwei Spiele vor uns. Wir haben den Gruppensieg selbst in der Hand und wollen diese kommenden Aufgaben unbedingt gewinnen.
Linda Dallmann: Wir sind heute zu spät wach geworden. Wenn man in so einem Spiel einem Tor hinterherläuft, wird es schwierig. Aber auch das gehört zu unserem Weg dazu. Wir sind eine junge Mannschaft und aus solchen Spielen lernt man extrem viel. Das Ergebnis bricht uns noch kein Bein, aber wir müssen es beim nächsten Mal anders angehen und von Anfang an mehr Druck ausüben. Wenn wir uns die Chancen konsequenter erarbeiten, dann wird auch wieder einer reingehen. Man muss aber auch ein großes Lob an Österreich aussprechen. Wir wollten viel über Flanken kommen, haben aber erst am Ende des Spiels konsequent die Abschlüsse gesucht. Gegen Norwegen in Köln wollen wir wieder ein anderes Gesicht zeigen.