FIFA-Präsident: Wahl, Amtszeit, Aufgaben und Macht des FIFA-Chefs

Der FIFA-Präsident steht an der Spitze des Weltfußballverbands und prägt damit die Richtung des internationalen Fußballs. Doch wer wählt den FIFA-Chef eigentlich, wie viele Stimmen braucht ein Kandidat und welche Möglichkeiten gibt es, einen Präsidenten vorzeitig unter Druck zu setzen? Hinter dem Amt stehen wichtige Strukturen und Entscheidungen des Weltverbands, die regelmäßig für Diskussionen sorgen. Dazu gehören auch die zehn Jahre von Gianni Infantino an der FIFA-Spitze, seine mögliche Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten und die aktuellen Debatten um die Führung des Verbands. Ein Überblick über das Wahlverfahren, die Amtszeit und die Machtverhältnisse bei der FIFA.

Fußballfans versammeln sich vor dem FIFA-Hauptsitz in Zürich vor dem Hintergrund der Kritik an einem Vorschlag von Gianni Infantino.
ZÜRICH, SCHWEIZ – 30. Juli 2026: Fußballfans versammeln sich vor dem globalen FIFA-Hauptsitz. Ein Vorschlag von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an Fußball-Wettbewerben zu verkaufen, hat bei einigen nationalen und regionalen Sportverbänden für Kritik gesorgt. (Foto: Robert Hradil/Getty Images)

Wann wird der nächste FIFA-Präsident gewählt?

Die nächste Wahl findet am 18. März 2027 in Rabat statt. Dann kommt der 77. FIFA-Kongress in Marokko zusammen. Der Kongress ist das höchste beschlussfassende Organ des Weltverbands und wird bei dieser Sitzung auch den neuen FIFA-Präsidenten bestimmen.

Der Termin ist für die FIFA besonders wichtig, weil Gianni Infantino eine weitere Amtszeit anstrebt. Der Schweizer kündigte beim FIFA-Kongress im Mai 2026 offiziell an, erneut kandidieren zu wollen. Damit steht bereits fest, dass die Wahl 2027 nicht nur über die Besetzung des Präsidentenamtes entscheidet, sondern auch über den künftigen Kurs des Weltverbands.

Kandidaten müssen ihre Bewerbung bis zum 18. November 2026 einreichen. Für eine gültige Kandidatur sind zudem die entsprechenden Unterstützungen durch FIFA-Mitgliedsverbände erforderlich.

Wer wählt den FIFA-Präsidenten?

Die Entscheidung treffen nicht die großen Fußballnationen allein und auch nicht die sechs Kontinentalverbände. Gewählt wird der Präsident vom FIFA-Kongress, in dem die derzeit 211 Mitgliedsverbände vertreten sind.

Dabei gilt ein einfaches, aber politisch entscheidendes Prinzip: Jeder Mitgliedsverband hat eine Stimme. Deutschland verfügt bei der Wahl also über genau eine Stimme, ebenso beispielsweise Brasilien, Japan, Ghana oder Neuseeland. Die Größe des Landes, die Zahl der Einwohner oder die wirtschaftliche Bedeutung des Verbandes verändern dieses Stimmgewicht nicht.

Das macht die FIFA-Präsidentenwahl zu einem besonderen Machtkampf. Wer die Mehrheit der Verbände hinter sich bringt, kann auch dann gewählt werden, wenn die größten Fußballnationen nicht geschlossen hinter ihm stehen. Wie wichtig die Unterstützung einzelner Verbände für Infantino ist, zeigt der aktuelle Machtkampf bei der FIFA.

Die sechs Konföderationen UEFA, AFC, CAF, CONCACAF, CONMEBOL und OFC spielen politisch dennoch eine wichtige Rolle. Sie können ihre Mitgliedsverbände beeinflussen und Kandidaten unterstützen, die eigentliche Stimme bleibt aber beim jeweiligen nationalen oder regionalen FIFA-Mitgliedsverband.

Wie läuft die Wahl des FIFA-Präsidenten ab?

Die Wahl erfolgt grundsätzlich in geheimer Abstimmung. Das Verfahren hängt davon ab, wie viele Kandidaten antreten.

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:

Gibt es nur einen Kandidaten, kann der Kongress entscheiden, ihn per Akklamation zu wählen. Bei zwei oder weniger Kandidaten reicht eine einfache Mehrheit der gültigen Stimmen. Treten mehr als zwei Kandidaten an, sind im ersten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen der anwesenden und stimmberechtigten Mitgliedsverbände erforderlich.

Wird diese hohe Hürde nicht erreicht, geht es in weitere Wahlgänge. Ab dem zweiten Wahlgang scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus, bis nur noch zwei Bewerber übrig sind. Dann entscheidet die einfache Mehrheit der gültigen Stimmen.

Das Verfahren erklärt auch, weshalb eine FIFA-Präsidentenwahl bei mehreren Kandidaten schnell zu einem politischen Ringen werden kann. Ein Bewerber braucht nicht nur möglichst viele Unterstützer, sondern muss zugleich verhindern, dass sich seine Gegner in späteren Wahlgängen auf einen gemeinsamen Herausforderer verständigen.

Wie lange ist ein FIFA-Präsident im Amt?

Eine Amtszeit dauert vier Jahre. Der Präsident kann nach den geltenden Regeln höchstens drei Amtszeiten absolvieren, unabhängig davon, ob diese unmittelbar aufeinanderfolgen.

Bei Gianni Infantino ist die Rechnung allerdings etwas komplizierter. Er wurde im Februar 2016 zunächst für den Rest der laufenden Amtsperiode zum FIFA-Präsidenten gewählt. 2019 begann seine erste reguläre vierjährige Amtszeit. Die FIFA stellte 2022 ausdrücklich fest, dass die verkürzte Amtsperiode von 2016 bis 2019 nicht als reguläre Amtszeit angerechnet wird.

Infantino wurde 2019 und 2023 jeweils für weitere vier Jahre gewählt. Seine Kandidatur für 2027 wäre damit die Bewerbung um eine vierte reguläre Amtszeit seit seinem Amtsantritt 2016. Die Besonderheit liegt in der Anrechnung der ersten, verkürzten Periode.

Welche Aufgaben hat der FIFA-Präsident?

Der Präsident ist das Gesicht und die politische Führungsfigur der FIFA. Er vertritt den Weltverband nach außen und steht dem FIFA-Rat vor.

Die tatsächliche Organisation des Weltfußballs liegt allerdings nicht allein in seiner Hand. Die FIFA verfügt über mehrere zentrale Gremien mit unterschiedlichen Aufgaben. Der FIFA-Kongress ist das höchste Organ und entscheidet unter anderem über Statuten, wichtige Grundsatzfragen und die Wahl des Präsidenten. Der FIFA-Rat ist das zentrale Entscheidungsorgan zwischen den Kongressen und besteht aus 37 Mitgliedern. Dazu gehören der Präsident, acht Vizepräsidenten und 28 weitere Mitglieder.

Die laufenden Geschäfte werden von der FIFA-Administration unter Führung des Generalsekretärs umgesetzt. Der Präsident besitzt deshalb großen politischen Einfluss, ist aber nicht der alleinige Entscheider über sämtliche Vorgänge im Weltverband.

Gerade bei Themen wie dem internationalen Spielkalender, der Organisation von Weltmeisterschaften, der Entwicklung des Fußballs oder den finanziellen Programmen der FIFA greifen mehrere Gremien ineinander.

Kann ein FIFA-Präsident vorzeitig abgesetzt werden?

Ein vorzeitiger Machtwechsel ist komplizierter als eine normale Präsidentenwahl. Die FIFA-Statuten sehen die Möglichkeit eines außerordentlichen Kongresses vor. Ein solcher Kongress kann unter anderem einberufen werden, wenn mindestens ein Fünftel der FIFA-Mitgliedsverbände dies schriftlich verlangt. Bei 211 Mitgliedern entspricht das derzeit 43 Verbänden. Der außerordentliche Kongress muss anschließend innerhalb von drei Monaten stattfinden.

Damit existiert ein institutioneller Weg, um die FIFA-Führung außerhalb des regulären Jahreskongresses mit einer politischen Krise zu befassen. Ein solcher Antrag bedeutet allerdings nicht automatisch die Absetzung des Präsidenten. Entscheidend ist, welche konkreten Anträge auf die Tagesordnung gelangen und welche Mehrheiten der Kongress dafür benötigt.

Das ist auch für den aktuellen Machtkampf um Gianni Infantino wichtig: Öffentliche Kritik, der Entzug von Unterstützung durch einzelne Verbände oder ein Konflikt zwischen Konföderationen und FIFA-Führung führen nicht automatisch zum Ende seiner Amtszeit. Letztlich müssen die vorgesehenen Verfahren der FIFA eingehalten werden. Wie groß der politische Druck auf Infantino inzwischen ist, zeigt unter anderem die Rücktrittsforderung von Andreas Rettig.

Auch innerhalb Europas formiert sich Widerstand. Beim Krisengipfel gegen Infantino wurden mögliche gemeinsame Schritte diskutiert.

Warum haben 211 Verbände so viel Gewicht?

Das Stimmprinzip gehört zu den wichtigsten Besonderheiten der FIFA. Die Weltmeisterschaft wird von den größten Fußballnationen geprägt, die Präsidentenwahl funktioniert dagegen nach dem Prinzip „ein Verband, eine Stimme“.

Das verschiebt politische Macht. Europa stellt zwar mit der UEFA einen der einflussreichsten Kontinentalverbände, verfügt bei der FIFA-Wahl aber nicht über ein gemeinsames Stimmrecht. Entscheidend sind die einzelnen Mitgliedsverbände.

Für einen Kandidaten bedeutet das: Er muss eine möglichst breite internationale Koalition bilden. Stimmen aus Europa können wichtig sein, reichen allein aber nicht aus. Ebenso kann Unterstützung aus Afrika, Asien, Südamerika, Nord- und Mittelamerika oder Ozeanien den Ausgang einer Wahl maßgeblich beeinflussen.

Genau deshalb sind FIFA-Wahlen häufig weniger mit einer nationalen Wahl als mit einem internationalen Verbandskongress vergleichbar. Persönliche Beziehungen, Entwicklungsprogramme, Turniervergaben und die Interessen der verschiedenen Konföderationen spielen neben der eigentlichen Fußballpolitik eine wichtige Rolle.

Welche Rolle spielt der FIFA-Kongress?

Der Kongress ist das zentrale politische Forum der FIFA. Die 211 Mitgliedsverbände kommen dort zusammen, um über die wichtigsten Fragen des Weltverbands zu entscheiden.

Neben der Wahl des Präsidenten verabschiedet und ändert der Kongress unter anderem die FIFA-Statuten und weitere grundlegende Regelwerke. Die FIFA bezeichnet den Kongress deshalb als ihr höchstes Organ.

Für die Machtverhältnisse innerhalb der FIFA ist der Kongress damit entscheidend. Der Präsident führt den Verband, seine Legitimation beruht jedoch auf den Stimmen der Mitgliedsverbände. Wie die FIFA auf die aktuelle Auseinandersetzung reagiert, zeigte zuletzt eine Erklärung des Weltverbands zum Machtkampf.

Was bedeutet das für die FIFA-Wahl 2027?

Die Wahl am 18. März 2027 in Rabat wird deshalb zu einem wichtigen politischen Termin im internationalen Fußball. Gianni Infantino hat seine erneute Kandidatur angekündigt. Gleichzeitig gibt es im Sommer 2026 deutliche Kritik aus mehreren Teilen der Fußballwelt an seiner Amtsführung und an einzelnen Entscheidungen der FIFA. Besonders deutlich wird der Konflikt im Verhältnis zwischen UEFA und FIFA.

Entscheidend wird nicht allein sein, welche Verbände öffentlich Kritik äußern. Maßgeblich ist, welche Kandidaten bis zum 18. November 2026 tatsächlich ins Rennen gehen und welche Unterstützung sie anschließend bei den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden mobilisieren können. Eine mögliche Alternative ist dabei bereits vom Tisch: Aleksander Čeferin verzichtet auf eine FIFA-Kandidatur.

Damit ist das Verfahren klar: Die FIFA-Mitgliedsverbände entscheiden, der Kongress wählt und der Kandidat mit der erforderlichen Mehrheit übernimmt die Führung des Weltverbands. Alles, was davor passiert, ist vor allem Politik. Und davon gibt es bei der FIFA bekanntlich nicht gerade wenig.