Anti-Infantino-Plan: Europa formiert sich beim Krisengipfel heute Abend beim UEFA Supercup

Ein entspannter Fußballabend ist nicht vorgesehen. Beim Supercup in Salzburg treffen sich Europas Verbandsbosse erstmals persönlich, um im Machtkampf mit Gianni Infantino die gemeinsame Linie zu finden. Im Zentrum der Gespräche steht die Frage, wie die Front gegen den FIFA-Präsidenten zusammengehalten werden kann und welche Reformen dem Weltverband nun aufgezwungen werden sollen.

Aleksander Ceferin (UEFA President), ber der offiziellen Enthüllung des UEFA EURO 2024 logos in Berlin, 05.10.2021, Photo: Thomas Boecker/DFB
Aleksander Ceferin (UEFA President), ber der offiziellen Enthüllung des UEFA EURO 2024 logos in
Berlin, 05.10.2021,
Photo: Thomas Boecker/DFB

Eigentlich sollte der Kurzbesuch für UEFA-Chef Aleksander Ceferin ein Nebenschauplatz bleiben, geprägt von lockeren Gesprächen auf der Tribüne rund um das Duell zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa. Doch seit dem offenen Ausbruch des Konflikts mit Infantino hat sich die Ausgangslage verändert. Ceferin, als Anführer des Widerstands längst zur zentralen Figur der Opposition geworden, lud die wichtigsten Entscheider des europäischen Fußballs zu einer Art Krisensitzung. Mehrere Treffen waren rund um das Supercup-Wochenende angesetzt, und die öffentlichen Rufe nach einem tiefgreifenden Strukturwandel beim Weltverband dürften dabei kaum zu überhören gewesen sein.

UEFA arbeitet mit Verbündeten an einem Grundsatzpapier

Laut Berichten des „Guardian“ feilt die UEFA gemeinsam mit Partnern aus Asien sowie aus Nord- und Mittelamerika bereits an einem gemeinsamen Grundsatzpapier für eine neu ausgerichtete FIFA. Im Mittelpunkt stehen demnach die künftige Rolle des Verbandes, seine interne Struktur und ein überarbeitetes Governance-Modell. Ein besonders heikler Punkt ist die Verteilung der Verbandsgelder, die Infantino bislang als wirkungsvolles Machtinstrument genutzt haben soll. Der Zeitung zufolge könnte dieses Konzept von einem möglichen Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im März 2027 übernommen werden, falls sich der amtierende FIFA-Boss nicht auf einen echten Reformprozess einlässt.

Dass UEFA, CONCACAF und AFC nach dem gescheiterten WM-Investorenplan Infantinos vor allem dessen Sturz anstreben, gilt längst als offenes Geheimnis. Mit einem gemeinsamen offenen Brief hatten die drei Verbände am Montag bereits öffentlich Druck aufgebaut. Vielen Beobachtern würde jedoch ein reiner Führungswechsel an der FIFA-Spitze nicht reichen, um das System dauerhaft zu verändern.

Rufe nach begrenzter Präsidentenmacht werden lauter

Immer deutlicher werden Forderungen, die künftige Machtfülle des Präsidentenamts unabhängig von der Personalie einzuschränken. Hans-Joachim Eckert, einst FIFA-Ethikrichter und kurz nach Infantinos Amtsantritt seines Postens enthoben, spricht sich für ein neues Modell aus: ein unabhängiger Generalsekretär sollte demnach das operative Geschäft führen, während der Präsident künftig eher eine repräsentative Rolle einnimmt. Diskutiert werden zudem strengere Amtszeitbegrenzungen sowie ein Rotationsprinzip, bei dem sich die sechs Kontinentalverbände alle vier Jahre an der Spitze abwechseln würden.

Ronan Evain von Football Supporters Europe brachte die Stimmung vieler Kritiker auf den Punkt: „Wir haben bei der FIFA genügend Krisen erlebt, um zu wissen, dass ein bloßer Wechsel an der Spitze nicht ausreicht.“ Auch Andrea Florence von der Sports and Rights Alliance mahnt zur Nutzung des aktuellen Momentums und fordert, dass die gegenwärtige Krise den „längst überfälligen Reformen neuen Schwung verleihen“ müsse. Bleiben strukturelle Anpassungen aus, drohe nach Einschätzung ihrer Organisation erneut „ein System, das Korruption toleriert und Missstände vertuscht“. Wie das angedachte Grundsatzpapier der Opposition im Detail aussehen könnte, ist bislang nicht bekannt.

Ceferin braucht Geschlossenheit vor der Frauen-U20-WM

Neben der Reformdebatte treibt Ceferin in Salzburg noch ein zweites Anliegen um. Der UEFA-Präsident fordert nach wie vor eine unabhängige Prüfung von Infantinos umstrittenem WM-Investorenplan. Damit diese Forderung Gewicht behält, muss er die europäischen Reihen geschlossen halten, denn schon bei der Frauen-U20-Weltmeisterschaft in weniger als einem Monat droht die angedrohte Boykotthaltung der Europäer auf die Probe gestellt zu werden. Sollte die Geschlossenheit bröckeln, liefe die Ansage Gefahr, als leere Drohung zu verpuffen.