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Manuel Neuer reist zwei Jahre nach seinem Rücktritt als Nummer eins im DFB-Team offenbar doch noch zur Fußball-WM. Vor dem Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart am Samstag steht der Bayern-Torwart zudem wieder im Fokus, nachdem seine Wade aus dem Spiel gegen den 1. FC Köln zuletzt nur noch leicht zwickte. Hinter dem möglichen Comeback steckt ein längerer Prozess mit mehreren Fürsprechern aus Nationalmannschaft und DFB.

Neuer öffnete die Tür nur langsam
Der Weltmeister von 2014 hatte Mitte Februar, als der FC Bayern gerade mit dem 1:0 gegen RB Leipzig den Einzug ins Pokal-Halbfinale klargemacht hatte, einen Rücktritt vom DFB-Rücktritt noch ausgeschlossen. Auf die Frage, ob das endgültig sei, sagte Neuer damals klar: „Ja!“ Doch seitdem hat sich viel bewegt. Mehrere Leistungsträger aus der Nationalmannschaft sollen sich bei Bundestrainer Julian Nagelsmann für eine WM-Nominierung des Keepers starkgemacht haben. Auch Neuers starke Auftritte in der Champions League lieferten zusätzliche Argumente.
Lange hielt sich der Austausch zwischen Nagelsmann und Neuer in Grenzen, inzwischen sind die Telefonate deutlich häufiger geworden. Die Idee eines Comebacks wurde zwischen beiden Seiten ebenso besprochen wie intern beim DFB. Als Unterstützer gilt auch Rudi Völler. Der Sportdirektor hatte bereits vor Neuers Rücktritt im August 2024 nach der Heim-EM mit dem Bayern-Profi gesprochen. Damals dachte der Torhüter zeitweise sogar daran, nur für einige Monate aus dem Nationalteam auszusetzen und sich die WM-Option offen zu halten. Das aber, so wurde ihm erklärt, sei Marc-André ter Stegen nicht zuzumuten gewesen. Die Begründung lautete, der damalige Keeper des FC Barcelona habe schon zu lange hinter Neuer zurückstecken müssen und eine derart offene Konstellation sei nicht tragbar.

Ter Stegens Verletzung veränderte die Lage
Deshalb kam es zu einer klaren Vereinbarung. Neuer trat zurück, zugleich wurde festgehalten, dass man vor der WM 2026 bei Ausfällen auf der Torwart-Position erneut miteinander sprechen würde. Neuer sagte zu, Deutschland zu helfen, falls er gebraucht werde. Ende Januar änderte sich die Lage dann entscheidend, als Marc-André ter Stegen sich bei einem Ligaspiel gegen Real Oviedo für seinen neuen Klub FC Girona eine schwere Oberschenkelverletzung zuzog. Der Nationaltorwart war dorthin ausgeliehen worden, um seine WM-Chancen zu wahren. Zuvor hatte Oliver Baumann in den WM-Qualifikationsspielen zwischen den Pfosten gestanden.
Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass ter Stegens Chancen auf die WM als Nummer eins nur noch minimal waren. Von Neuer kam dennoch zunächst kein Signal, den Rücktritt vom Rücktritt tatsächlich zu vollziehen. Völler blieb deshalb in engem Kontakt mit der Neuer-Seite. Über Thomas Kroth, den Berater des Bayern-Keepers, war der Sportdirektor ohnehin gut vernetzt, schließlich hatten beide von 1975 bis 1978 gemeinsam bei den Kickers Offenbach gespielt. Als Völler beim Pokal-Halbfinale zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern im April auf Neuers WM-Perspektive angesprochen wurde, sagte der 66-Jährige: „Normalerweise nicht…“
Familie, Mitspieler und die neue Perspektive
Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht entschieden, ob Neuer seine Karriere über den Sommer hinaus fortsetzen würde. Die Reife für diese Entscheidung kam rund um die Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid. Dort spürte der Torwart, dass er weiterhin Lust auf eine weitere Saison auf höchstem Niveau hat und die Form dafür besitzt.
Auch innerhalb des FC Bayern wuchs der Druck in die gleiche Richtung. Seine Mitspieler drängten Neuer, den Rückzug aus der Nationalelf zu überdenken, und auch die Familie sprach sich sowohl für ein weiteres Jahr beim Rekordmeister als auch für eine mögliche WM-Teilnahme aus. Diese veränderte Haltung wurde anschließend an den DFB weitergegeben. Im Trainerstab der Nationalmannschaft herrschte daraufhin Einigkeit, dass sich mit Neuers Bereitschaft für die Weltmeisterschaft in Amerika eine neue Option ergab, nachdem ter Stegen verletzt ausfiel.
Nagelsmann hatte Oliver Baumann erst zum Nationalspieler gemacht und ihm das Vertrauen geschenkt. Dem Hoffenheimer die zwischenzeitlich übertragene Rolle als Nummer eins wieder zu entziehen, wäre allerdings vertretbar gewesen. Am Montag informierte Nagelsmann Baumann schließlich darüber, dass Neuer mit zur WM fährt.

Auch die Alternative im Tor wurde durchgespielt. Alexander Nübel und die übrigen Ersatzleute standen ebenfalls im Fokus, zudem kam die Idee auf, nicht nur drei, sondern vier Torhüter zu nominieren. Ein vierter Keeper im Training hatte sich schon vor der Heim-EM 2024 bewährt. Entsprechend landete Neuers Name auf der vorläufigen 55er-Liste für die Fifa, ebenso wie die von sechs weiteren Torhütern, darunter Jonas Urbig, Neuers Münchner Stellvertreter. Die Kadernominierung für die WM wurde von ursprünglich 12. Mai auf den 21. Mai nach dem letzten Bundesliga-Spiel verschoben, damit die Torwart-Frage nicht zu früh aufgemacht wird, solange nicht sicher ist, dass alle Kandidaten fit sind. Dann zwickte Neuers Wade ausgerechnet im letzten Ligaspiel gegen Köln. Eine MRT-Untersuchung ergab jedoch nichts Schlimmes, das Pokalfinale soll deshalb nicht gefährdet sein.