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Der SC Freiburg hat den ganz großen Coup verpasst. Im Finale der Europa League unterlag der Bundesligist in Istanbul dem Favoriten Aston Villa mit 0:3 (0:2) und verpasste damit den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte. Youri Tielemans (41.) und Emiliano Buendia (45.+3) brachten die Engländer mit zwei sehenswerten Treffern auf Kurs, Morgan Rogers (58.) sorgte nach der Pause für die Entscheidung.

Mutiger Start, dann die kalte Dusche
Vor 11.000 mitgereisten Freiburger Anhängern, die in der türkischen Metropole früh am Nachmittag die Atmosphäre aufheizten, begann der Sport-Club durchaus couragiert. Die Fans waren unter anderem mit Partybooten über den Bosporus unterwegs und stimmten sich in den Kneipen der engen Gassen im Stadtteil Besiktas mit ihren Liedern ein. Kapitän Christian Günter hatte vor dem Anpfiff angekündigt: „Wir werden auch für sie alles geben“, ergänzte aber auch: „Es wird ein besonderer Tag für uns und den Verein. Wir freuen uns einfach und wollen am Schluss das Ding in die Höhe halten.“
Sportlich suchten die Freiburger von Beginn an den offenen Schlagabtausch und wollten sich im ersten Duell überhaupt mit dem Klub aus England keineswegs verstecken. „Wir wollen gut reinkommen und unser Spiel bringen“, hatte Abwehrchef Matthias Ginter vor der Partie bei RTL erklärt, zugleich aber die Qualität des Gegners betont. Der Plan ging zunächst auf, denn schon nach wenigen Sekunden kam Igor Matanović per Kopf zum Abschluss. Auf der anderen Seite zwang Ollie Watkins Noah Atubolu bereits nach 123 Sekunden mit einem wuchtigen Schuss zur Parade. Auch ein Distanzversuch von Morgan Rogers in der 10. Minute strich nur knapp vorbei.
Freiburg startete nervös und leistete sich einige einfache Fehler, fand dann aber über Standardsituationen besser ins Spiel. Nicolas Höfler, der sein letztes Spiel als Profi bestritt, verfehlte nach einem Freistoß nur knapp das Tor in der 17. Minute. Danach stabilisierte sich der Bundesligist zunehmend, beide Teams kamen längere Zeit kaum zu klaren Abschlüssen. Viele Unterbrechungen durch Fouls prägten die Partie. Ein zu unplatzierter Versuch von Johan Manzambi in der 34. Minute setzte noch einmal ein kleines Ausrufezeichen.
Villans schlagen eiskalt zu
Der Sport-Club warf sich in jeden Abschluss der Engländer und hielt den Favoriten lange vom eigenen Tor weg. Kurz vor der Pause wurde er dann aber ausgerechnet nach einer kurzen Eckballvariante kalt erwischt. Morgan Rogers flankte auf Tielemans, der die Vorlage mit einer perfekten Direktabnahme verwertete. Als Freiburg sich schon in die Halbzeitpause retten wollte, legte Buendia nach und schlenzte den Ball präzise ins lange Eck.
Nach dem Seitenwechsel überließ Aston Villa den Freiburgern zunächst mehr Ballbesitz, doch der nächste schnelle Angriff beendete die Hoffnungen endgültig. Buendia brachte den Ball flach an den ersten Pfosten, Rogers enteilte dem schwachen Philipp Lienhart und spitzelte das Spielgerät in die kurze Ecke. Danach war der Wille des SC gebrochen.
Emerys Rekord und Freiburgs Europapokal-Abschied
Für Unai Emery bedeutete der Erfolg seinen fünften Europapokalsieg, womit er in den Kreis der ganz Großen aufstieg. Vor ihm hatten diesen Wert nur Giovanni Trapattoni, Carlo Ancelotti und José Mourinho erreicht. Aston Villa feierte den ersten Europa-League-Titel der Vereinsgeschichte und zugleich den ersten Europacup-Sieg seit 1982, als der Klub aus Birmingham im Endspiel gegen Bayern München triumphiert hatte. Auf der Tribüne fieberte Edelfan Prinz William mit seinem Herzensverein mit, während Freiburg Rückendeckung von der geballten deutschen Fußball-Prominenz erhielt. Bundestrainer Julian Nagelsmann, DFB-Präsident Bernd Neuendorf sowie die DFL-Spitze mit Hans-Joachim Watzke, Marc Lenz und Steffen Merkel waren in die türkische Metropole gereist. Auch die Klubikonen Christian Streich und Joachim Löw verfolgten das Endspiel vor Ort.
Für Freiburg bleibt trotz des bitteren 0:3 die Erinnerung an eine starke Europapokal-Reise, die in Istanbul kein Happy End fand. Durch die Niederlage verpasste der SC auch den erstmaligen Sprung in die Champions League, der mit dem Titel verbunden gewesen wäre. Stattdessen geht es für den Siebten der Bundesliga in der kommenden Saison in der Conference League weiter.