2014er Weltmeister Bastian Schweinsteiger traut der deutschen Nationalmannschaft bei der kommenden Weltmeisterschaft keinen Platz unter den Topfavoriten zu. Der ARD-Experte erwartet vielmehr, dass der Weg ins Halbfinale lang und mühsam wird. Für den DFB wäre schon dieser Schritt nach den jüngsten Turnieren ein deutliches Ausrufezeichen.

Der Weltmeister von 2014 weiß aus eigener Erfahrung, wie sich große WM-Momente anfühlen. Im Finale gegen Argentinien hatte Schweinsteiger bis zum Schluss gefightet, wurde in der Nachspielzeit blutend behandelt und hielt am Ende im Nachthimmel von Rio de Janeiro den Pokal in den Händen.
Schweinsteiger setzt die Messlatte für das DFB-Team
Seit diesem Triumph sucht die deutsche Auswahl bei Weltmeisterschaften nach Konstanz und Rhythmus. 2018 und 2022 endete das Turnier jeweils schon in der Vorrunde, entsprechend wäre das Erreichen des Endspiels bei der nächsten Ausgabe in den USA, Mexiko und Kanada bereits eine Überraschung.
In genau einem Monat beginnt das Turnier, am 14. Juni steht für Deutschland das erste Gruppenspiel gegen Curacao an. Ob die Mannschaft dann schon in WM-Form ist, lässt Schweinsteiger offen. Zugleich erinnerte er daran, dass es zunächst vor allem um die innere Stabilität geht: „Wir haben eine Basis. Wenn Julian Nagelsmann es schafft, diese Stimmung innerhalb der Mannschaft wieder zu erzeugen und der Ehrgeiz, die Motivation, der Biss, der Wille und die Widerstandsfähigkeit wieder kommt.“

Unruhe um Nagelsmann bleibt ein Thema
Zuletzt geriet Bundestrainer Julian Nagelsmann immer wieder unter Druck. Vor allem seine wechselnden Startelf-Varianten und der Umgang mit Stuttgarts Angreifer Deniz Undav stießen auf Kritik, auch Uli Hoeneß äußerte sich als Bayerns Ehrenpräsident entsprechend deutlich.
Schweinsteiger beobachtet, dass der Chefcoach noch nach der idealen Formation sucht: „Er sucht noch nach der idealen Aufstellung“, analysiert er. „Er ist sehr strikt, sehr geradeaus. Ein paar Mal hat er sich dann wieder gefangen und wieder anders dargestellt. Da kann er ein bisschen ruhiger und gelassener mit umgehen. Das hat die großen Trainer immer ausgezeichnet.“
Etwas optimistischer hatte sich zuletzt Schweinsteigers langjähriger Mitspieler Philipp Lahm im BR24Sport-Exklusivinterview gezeigt und das Halbfinale klar als Ziel ausgegeben. Schweinsteiger bleibt dagegen vorsichtiger und sagt: „Wenn man es öfter sehen würde, dass wir 95 Minuten auf hohem Niveau spielen, dann gehören wir dazu. Wenn wir das Halbfinale erreichen würden, wäre das schön nach all den Jahren, aber das wird ein langer Weg.“
Gerade Ruhe und Gelassenheit dürften im Rennen um den Titel entscheidend werden, damit am Ende vielleicht wieder ein deutscher Nationalspieler einen WM-Pokal in den Händen hält.