Weltmeistertrainer Jogi Löw hat keine Lust auf Curacao

Beim WM-Gegner Curacao herrscht einen Monat vor dem Turnierstart erhebliche Unruhe auf der Bank. Joachim Löw hätte ohnehin nicht eingesprungen, denn auf ein mögliches Angebot des Karibikstaats hatte der frühere Bundestrainer schon im Vorfeld klar verzichtet. Nun deutet alles darauf hin, dass ausgerechnet der von vielen gewünschte Dick Advocaat zurückkehrt.

Löw schließt ein Kurzzeit-Engagement aus

Als Löw am Montag in Berlin auf die theoretische Möglichkeit angesprochen wurde, kurzfristig noch für ein WM-Land wie Curacao einzuspringen, machte er unmissverständlich klar: „Das würde ich auf keinen Fall machen!“ Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass der Job beim WM-Neuling wenig später tatsächlich wieder vakant werden würde.

Für Löw hätte sich daraus ohnehin kaum eine realistische Chance ergeben. Bei Curacao waren es laut dem Bericht schon seit geraumer Zeit nicht Fred Rutten, der erst seit Februar im Amt war, sondern dessen Vorgänger Dick Advocaat, den Spieler und namhafte Sponsoren als Wunschlösung gesehen hatten.

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Rücktritt von Rutten öffnet Advocaat die Tür

Die Situation eskalierte am Montag, als Rutten seinen Rücktritt erklärte. In der Verbandsmitteilung begründete der 63-Jährige seinen Schritt damit, dass „kein Klima entstehen“ dürfe, „das gesunde professionelle Beziehungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerteams untergräbt“. Deshalb sei es ratsam, zurückzutreten. Zugleich verwies er darauf, dass die Zeit dränge und Curacao vorankommen müsse.

Am 14. Juni trifft der kleinste WM-Teilnehmer der Geschichte in Houston zum Auftakt auf die deutsche Mannschaft. Für Curacao ist die Partie gegen den viermaligen Weltmeister der Beginn einer Traumreise, die Advocaat im vergangenen Jahr überhaupt erst möglich gemacht hatte.

Enttäuschende Ergebnisse verstärken den Druck

Der Niederländer hatte Curacao zunächst sensationell zur WM geführt, ehe er im Februar zurücktrat, um sich um seine schwer erkrankte Tochter zu kümmern. Danach übernahm Rutten, doch die jüngsten Länderspiele verschärften die Kritik deutlich. Nach dem 0:2 gegen China und dem 1:5 gegen Australien wurden die Rufe nach einer Rückkehr Advocaats immer lauter.

Der Verband stellte sich zunächst noch demonstrativ hinter Rutten. Verbandspräsident Gilbert Martina betonte noch vor wenigen Tagen, Rutten werde „Curacao bei der Weltmeisterschaft als Nationaltrainer vertreten“. Die Entscheidungsfindung des Verbandes basiere, so Martina, auf „mehr als nur den Wünschen von Spielern und Sponsoren“.

Advocaats Rückkehr rückt näher

Am Ende sorgte Rutten selbst für die Wende und machte den Weg für Advocaat frei. Dessen Tochter soll es inzwischen wieder besser gehen, sodass einem WM-Engagement des 78-Jährigen aus privater Sicht nichts mehr im Weg stehen dürfte.

Mit einem Einsatz bei der Endrunde würde der frühere Gladbach-Coach Otto Rehhagel als ältesten Trainer bei einer Weltmeisterschaft ablösen. Rehhagel war 2010 bei der WM 72 Jahre alt. Joachim Löw kann da nicht mehr mithalten.