Vincent Kompany wird für seine Arbeit beim FC Bayern meist gelobt, doch nach dem Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris kippt der Ton zumindest teilweise. Nun meldet sich ausgerechnet Ex-Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn mit deutlicher Kritik am Meistercoach und dessen offensiver Ausrichtung zu Wort.

Kahn sieht hohes Risiko im Kompany-System
In der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ verwies der 56-Jährige auf die jüngsten Defensivprobleme der Münchner. Vor dem Rückspiel gegen Paris habe Bayern in vier Partien 13 Gegentore kassiert. Zwar habe man die Spiele dennoch noch gedreht, etwa mit dem 4:3 in Mainz und dem 3:3 gegen Heidenheim, doch genau darin habe sich bereits gezeigt, wie viel Wagnis das System von Vincent Kompany mit sich bringe.
„Vor dem Rückspiel gegen Paris hat Bayern in vier Spielen 13 Gegentore kassiert. Natürlich hieß es dann: Sie haben die Spiele trotzdem noch gedreht, 4:3 in Mainz gewonnen, drei Tore gegen Heidenheim (3:3; Anm. d. Red.) erzielt. Aber da hat man schon gesehen, wie viel Risiko das System von Vincent Kompany mit sich bringt“, sagte Kahn.
Warnung vor Kontrollverlust und falscher Sicherheit
Der frühere Bayern-Boss legte nach und warnte vor den Folgen, wenn in diesem Ansatz die Ordnung verloren gehe. „Wenn in diesem System die Kontrolle und die Balance verloren gehen, sieht man sehr schnell, wie anfällig es wird“, erklärte Kahn. Besonders die vergangenen zehn Pflichtspiele seit April liefern aus seiner Sicht reichlich Stoff für Zweifel, denn in diesem Zeitraum kassierten die Münchner 20 Gegentreffer.
Kahn machte zudem einen psychologischen Effekt aus, der die Probleme verdeckt haben könnte. „Wenn du viele Gegentore bekommst und trotzdem gewinnst, werden Probleme und Fehler überdeckt. Vielleicht hat sich die Mannschaft dadurch zu sehr in Sicherheit gewogen und gedacht: Es wird schon wieder funktionieren, wir schießen sowieso mindestens ein oder zwei Tore“, so der Ex-Vorstandsvorsitzende weiter.