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Manuel Neuer patzte und glänzte zugleich, doch die Entscheidung über seine Zukunft lässt weiter auf sich warten. Nach dem 4:3 gegen Real Madrid im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League rückte beim FC Bayern nicht nur der dramatische Halbfinal-Einzug in den Fokus, sondern auch die offene Frage, ob der Kapitän noch ein Jahr dranhängt.

Neuer nimmt die Fehler mit Humor
Im lockeren Plausch mit Torwart-Legende Peter Schmeichel konnte der Münchner seine Aussetzer bereits mit Abstand betrachten. Schmeichel stichelte: „Du wolltest es spannend machen, was?“ Neuer konterte grinsend: „Nur für dich, nur für dich!“ Die späte Leichtigkeit hatte ihren Grund: Sein FC Bayern hatte an diesem von ihm selbst als „Drama-Abend“ beschriebenen Spieltag im Rückspiel gegen Real Madrid alle Widerstände überstanden und sich durchgesetzt – auch dank des Hinspiel-Helden Neuer, vor allem aber trotz seiner Patzer.
Den ersten Fehlgriff räumte der 40-Jährige offen ein. Über seinen Fehlpass nach wenigen Sekunden in die Füße von Arda Güler sagte er: „Das war ein Schweineball von mir“. Dass er dem türkischen Offensivtalent per Freistoß auch noch einen zweiten Treffer ermöglicht hatte, wollte Neuer nicht als Fehler gelten lassen. Er sprach von einem „super geschossen, auch vom Tempo her“ und suchte damit eher nach mildernden Umständen.
Eberl bremst die Debatte um den Vertrag
Dass die Münchner den wilden Beginn und die damit verbundenen Unsicherheiten nun gegen Neuer bei der Zukunftsfrage auslegen, erwartet im Klub niemand. Sportvorstand Max Eberl stellte klar: „An einem Fehlpass – und das ist ein Stück weit Manus Spiel – seine Vertragsverlängerung festzumachen, das sind nicht wir“. Im Fußball sei es eben so, erklärte Eberl weiter: „In einem Spiel bist du der Hero, im anderen bist du am Anfang der Depp.“
Gerade die Phase zu Beginn zählte für ihn dennoch zu Neuers Verdiensten. Mit einer starken Reaktion gegen Superstar Kylian Mbappé hielt der Bayern-Keeper sein Team beim Stand von 2:3 „im Spiel“, wie Eberl betonte. Neuer selbst bezeichnete diese Rettungstat bescheiden als „Klassiker von mir“ und fügte hinzu: „Das war, glaube ich, die entscheidende Parade.“
Auch ein weiteres Jahr beim Rekordmeister erscheint deshalb nicht ausgeschlossen. Laut Eberl liege Neuer „kein Angebot vor“, zugleich ließ der Funktionär erneut erkennen, dass sich die Klubführung nicht querstellen würde. Entscheidend seien „die Fitness, geistige Frische, die Lust auf ein weiteres Jahr“ – dann gebe es „wahrscheinlich eine Lösung“. Zeitdruck sieht Eberl nicht, obwohl Neuer vor der Partie betont hatte, „je eher“ die Angelegenheit geklärt sei, „desto besser“.
Mentor-Modell mit Urbig im Blick
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen deutete zudem an, dass sich der Klub eine Art Mentor-Modell vorstellen kann. Neuer könnte dabei als „Persönlichkeit, an der sich die Jungen ausrichten können“ fungieren – etwa für den designierten Erben Jonas Urbig. Dreesen stellte klar: „Er weiß, dass wir total committed und happy mit ihm sind.“ Am Ende, so der Vorstandschef, werden „sein Herz, seine Form und wie er sich selbst wohl und fit fühlt“ den Ausschlag geben – nicht irgendwelche lachhaften Patzer.