Inhaltsverzeichnis - das findest du hier

Mehr als „nur“ Testspiele: Auch das Ergebnis ist wichtig
Vor Testspielen betonen Trainer häufig, das Resultat sei zweitrangig; vielmehr ginge es darum, Trainingsinhalte umzusetzen und die taktischen Vorgaben auf den Rasen zu bringen. Für die anstehenden Länderspiele gilt diese Devise nicht – zumindest nicht nur. Nagelsmann will sehen, dass sein WM-Plan Formen annimmt und die Mannschaft so auftritt, wie er sich das vorstellt.
Die Ergebnisse gegen die Schweiz und Ghana sind von enormer Bedeutung, weil die ersten Spiele im WM-Jahr maßgeblich die Stimmung bestimmen, die die Nationalmannschaft in den kommenden Monaten umgeben wird. 2006 war die Vorfreude auf die Heim-WM nach dem 1:4 gegen Italien quasi dahin und kam erst während des begeisternden Turniers zurück, 2024 sorgten die überraschenden Siege gegen Frankreich und die Niederlande für einen regelrechten Hype um das DFB-Team.
Wie schnell die öffentliche Meinung schwanken kann, zeigten die letzten Qualifikationsspiele: Im November herrschte nach dem biederen 2:0 gegen Luxemburg zunächst Pessimismus, wenige Tage später entfachte die Auswahl mit dem großartigen 6:0 gegen die Slowakei neue Euphorie. Diese gilt es nun mit zwei Siegen gegen zwei starke Gegner wieder auflodern zu lassen.

Musiala-Ersatz? Havertz? Antworten auf Offensiv-Fragen finden
So mancher verletzungsbedingter Ausfall erschwert Nagelsmann die Vorbereitung auf das Highlight im Sommer. Mit Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha musste die designierte Stamm-Doppelsechs kurzfristig passen, beide dürften aber zur WM wieder voll im Saft stehen. Gleichzeitig gibt es Fragezeichen in der Offensive, die nun beantwortet werden müssen.
Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz gelten im Vollbesitz ihrer Kräfte als unverzichtbar, allerdings ist derzeit nur Wirtz bei 100%. Der 23-Jährige ist beim FC Liverpool zwar nicht in Top-Form, genießt aber Nagelsmanns volles Vertrauen. Havertz und Musiala haben dagegen monatelange Leidenszeiten hinter sich und brauchen noch Zeit, um wieder ihr Leistungslimit zu erreichen.

Havertz steht erstmals seit Ende 2024 wieder im Kader; bei ihm muss Nagelsmann herausfinden, ob er in seiner aktuellen Verfassung in der Startelf oder doch als Joker für den formstarken Deniz Undav am wertvollsten ist. Musiala hat nach seinem Wadenbeinbruch bei der Klub-WM einen kleinen Rückschlag erlitten und wird gegen die Schweiz und Ghana nicht auflaufen. Noch sind Nagelsmann und Bayern-Trainer Vincent Kompany zuversichtlich, dass der Superdribbler bis zur WM wieder ganz der Alte ist.
Dennoch muss ein Plan B her, falls der Bayern-Star in Nordamerika nicht die für ihn vorgesehene Rolle einnehmen kann. Mit Lennart Karl steht ein Top-Talent im Kader, das seinen Einstand feiern könnte. Der 18-Jährige sucht wie Musiala gerne das 1-gegen-1 und strahlt mit seinem linken Fuß stets Torgefahr aus. Ob er dieser Rolle schon gewachsen ist, muss Nagelsmann bei den anstehenden Tests herausfinden.
Wer nimmt seine Rolle an? Nagelsmanns WM-Casting neben dem Platz
Bei der Kaderbekanntgabe betonte der Bundestrainer – unter anderem am Beispiel von Pascal Groß – wie wichtig ihm die Rollenverteilung in seiner Mannschaft ist. 14 bis 15 Akteure sollen den Kern bilden, der den Großteil der Spielzeit unter sich ausmachen wird. Die übrigen elf oder zwölf Spieler sollen je nach Bedarf punktuell zum Einsatz kommen.
Beim Lehrgang in Herzogenaurach mit den beiden Testspielen hat Nagelsmann nun nochmal die Chance, genau zu beobachten, welche Spieler aus der zweiten Reihe diese Back-Up-Aufgaben annehmen und sich gewinnbringend in die Mannschaft einfügen können. Wer im Rennen um die Startelf das Nachsehen hat, muss sich voll in den Dienst des Teams stellen, sonst wird es schwer mit einem Platz im WM-Aufgebot, ließ Nagelsmann immer wieder durchblicken.
Das WM-Casting findet daher in den kommenden Tagen nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Zeit zwischen den Einheiten und Spielen statt.