1990 Weltmeister Littbarski: emotionaler WM-Appell an die deutsche Nationalmannschaft

1990-Weltmeister Pierre Littbarski (65) hat bei der Premiere des WM-Films „Ein Sommer in Italien“ in München einen eindringlichen Appell an die deutsche Nationalmannschaft gerichtet. Der frühere Dribbel-König des 1. FC Köln, einer der Helden von Rom, forderte Respekt, Zusammenhalt und echte Identifikation mit dem Deutschland Trikot – Werte, die für ihn wichtiger sind als ein volles Bankkonto. Littbarski erinnerte an das Finale 1990 gegen Argentinien (1:0) und warnte zugleich vor zu viel Inszenierung. Sein Aufruf richtet sich ausdrücklich an die Spieler, die Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM in den USA, Mexiko und Kanada nominiert hat.

Mittelfeldspieler Lothar Matthäus (l.) und der Stürmer Pierre Littbarski feiern mit der WM-Trophäe, nachdem ihre Mannschaft den Titelverteidiger - Argentinien - im WM-Finale am 08. Juli 1990 in Rom durch einen Elfmeter von Verteidiger Andreas Brehme mit 1:0 besiegt hat. Es ist der dritte Weltmeistertitel für Deutschland (1954, 1974 und 1990). AFP-FOTO
Mittelfeldspieler Lothar Matthäus (l.) und der Stürmer Pierre Littbarski feiern mit der WM-Trophäe, nachdem ihre Mannschaft den Titelverteidiger – Argentinien – im WM-Finale am 08. Juli 1990 in Rom durch einen Elfmeter von Verteidiger Andreas Brehme mit 1:0 besiegt hat. Es ist der dritte Weltmeistertitel für Deutschland (1954, 1974 und 1990). AFP-FOTO

Erinnerung an Rom 1990 und die Bedeutung des Erfolgs

Pierre Littbarski, der als Dribbel-König beim 1. FC Köln Berühmtheit erlangte, spielte am 8. Juli 1990 die vollen 90 Minuten im WM-Finale gegen Argentinien, das Andreas Brehme per Elfmeter fünf Minuten vor Schluss mit 1:0 entschied. Die Erinnerung an diesen Moment in Rom prägt Littbarskis Blick auf Teamgeist und Identifikation. Für ihn ist der sportliche Erfolg untrennbar verbunden mit dem Verständnis, wofür eine Mannschaft antritt und wie Spieler miteinander umgehen.

Emotionaler Appell an die Nationalmannschaft

Bei der Filmpremiere reagierte Littbarski auf die Frage eines Zuschauers zur Identifikation der Fans mit modernen Stars sehr deutlich: „Wir leben in einer ganz anderen Zeit. Was sollen wir jetzt rumreden und sagen, oh, die verdienen zu viel? Mir geht es um ganz andere Dinge.“ Er forderte von den deutschen Nationalspielern, die Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM nominiert hat, konkret Einsatz, Respekt und Zusammenhalt.

Sein Appell richtete sich gegen reine Show: „Warum soll ich die Nationalhymne mitsingen? Es geht darum, dass ich für ein Land antrete – und nicht für mich. Ich habe von den Jungs (er zeigt dabei auf seine WM-Kollegen; d. Red.) nicht einmal gesehen, dass einer hinten auf sein Trikot gezeigt hat. Oder das Wappen geküsst hat. Das ist alles Show.“ Littbarski betonte, dass echte Identifikation nicht durch Inszenierung ersetzt werden dürfe.

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Charakter als Schlüssel zum Erfolg

Littbarski macht klar, dass Geld und Marktwert nicht die entscheidenden Faktoren sind: „Es geht darum, ehrlich was abzuleisten, Respekt zu haben, füreinander da zu sein. Wenn die Jungs nur die Hälfte davon beachten, was wir damals beachtet haben, dann können die ganz weit oben landen.“ Gleichzeitig unterstrich er den Stellenwert von Persönlichkeit: „Und dann ist vollkommen egal, ob du ein dickes Bankkonto hast. Du musst einen dicken Charakter haben. Und das ist viel, viel wichtiger, als dass du ein paar Millionen auf dem Konto hast.“

Kontext vor der WM: Gruppe und Erwartungen

Die Nationalmannschaft trifft bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) in der Vorrunde auf Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Littbarskis Appell an Haltung, Respekt und Teamgeist kommt damit unmittelbar vor dem Turnier und richtet sich an die Spieler und das Umfeld, die sportlich und mental erfolgreich sein wollen.