Das Aztekenstadion schreibt am Donnerstag erneut WM-Geschichte. Zum dritten Mal ist die Arena in Mexiko-Stadt Gastgeber einer Männer-Weltmeisterschaft, wenn Co-Gastgeber Mexiko im WM 2026 Eröffnungsspiel zum Auftakt auf Südafrika trifft. Für DFB-Sportchef Rudi Völler bleibt das legendäre Rund ohnehin unerreicht, obwohl er auf den großen Fußballbühnen der Welt schon vieles erlebt hat.

Der frühere Nationalstürmer wurde in seinem geliebten Olimpico Weltmeister, spielte im Mythos Maracanã und blickte über den Stahlbogen von Wembley. Doch keine dieser Kulissen beeindruckt ihn so sehr wie die Schüssel von Mexiko-Stadt, in der er bei der WM 1986 ein WM-Finale verlor. „Das Aztekenstadion“, sagt Völler, „ist für mich mit Abstand das schönste Stadion der Welt.“
Ein Tempel voller WM-Momente
Kaum ein Stadion ist so eng mit der Fußballgeschichte verbunden wie das Estadio Azteca. Pelé hob hier den WM-Pokal in die Höhe, Diego Maradona schrieb bei der WM 1986 mit der „Hand Gottes“ und seinem Solo für die Ewigkeit gegen England Fußballmythen, und Deutschland sowie Italien lieferten sich dort ein Jahrhundertspiel. Am Donnerstag kommt mit der Partie zwischen Mexiko und Südafrika, die um 21.00 Uhr bei ZDF und MagentaTV läuft, das nächste Kapitel hinzu. 83.000 Zuschauer werden die modernisierten Tribünen füllen, früher fanden sogar 115.000 Fans Platz.

„Dieses Stadion ist die Kathedrale meines Lebens“, sagte Maradona einst über die Arena. Im WM-Viertelfinale 1986 gegen England (2:1) gelangen ihm binnen fünf Minuten zwei der denkwürdigsten Treffer der Fußballgeschichte, erst per Hand, dann nach einem unwiderstehlichen Sololauf. Bereits bei der WM 1970 hatte das weite Rund große Dramen gesehen. An das Halbfinale Deutschland gegen Spanien (3:4 n.V.) erinnert heute eine Gedenktafel, vier Tage später holte Pelé mit Brasilien seinen dritten WM-Titel, der Coupe Jules Rimet ging an jenem Tag in den Besitz der Südamerikaner über.
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Modernisiert, aber unverkennbar
Eröffnet wurde das Stadion 1966, gebaut wurde es in 2200 Metern Höhe auf den Basaltablagerungen des vor 2000 Jahren erloschenen Vulkans Xitle. Der harte Untergrund bewahrte die Arena beim verheerenden Erdbeben von 1985 vor schweren Schäden. Auch das ikonische fliegende Dach, die scheinbar über den Rängen schwebende Konstruktion ohne sichtbehindernde Pfeiler, blieb damals unversehrt.
Für die WM 2026 wurde das Aztekenstadion modernisiert, ohne seinen Charakter zu verlieren. „Durch unsere Renovierung bleibt die äußere und innere Struktur erhalten – und das Stadion behält seine Identität“, sagte Javier Ramirez Campuzano, der als Sohn des ursprünglichen Architekten den Umbau des von 66 gewaltigen Stahlbetonsäulen getragenen Stadions verantwortete. Die Bühne für neue Heldentaten ist damit bereitet.