Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
Die WM 2026 entwickelt sich für Fans zu einem kostspieligen Erlebnis. Zwischen Ticketpreisen von bis zu 10.990 Dollar, teuren Resale-Gebühren und happigen Anreisekosten kassiert die FIFA an fast jedem Schritt mit. Selbst der Stadionbesuch wird so für viele zur Luxusfrage. Aus einem Artikel im Rolling Stones Magazin.

Wer sich noch an die WM 2014 erinnert, denkt an Deutschlands Titelgewinn und an das 7:1, das für viele Brasilianer längst als Beleidigung taugt. Damals kostete ein Döner noch 4,50 Euro, ein Panini-Sticker 0,60 Euro. Zwölf Jahre später ist alles teurer geworden, doch die Preise rund um die WM 2026 sprengen selbst den Inflationsrahmen. Das Turnier bekommt durch einen aufgeblähten Spielplan, Dynamic Pricing und hohe Transportkosten ein geradezu kapitalistisches Gesicht, das den USA inzwischen leider würdig erscheint.
FIFA dreht an der Preisspirale
Die FIFA hatte zunächst Tickets ab 60 Dollar für die Gruppenphase beworben. In der teuersten Kategorie lag der Preis in der Vorrunde bei 6.730 Dollar. Durch Dynamic Pricing, also eine Nachfrage abhängige Anpassung der Preise, schnellte derselbe Platz schließlich auf 10.990 Dollar hoch.
Dazu kommt der Zweitmarkt, auf dem die FIFA ebenfalls mitverdient. Über eine eigene Resale-Plattform nimmt der Weltverband sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer jeweils 15 Prozent Gebühr pro Ticket. Für Infantino dürfte das bestens klingen. Auf diesem Markt legen die Anbieter die Preise selbst fest, weshalb für das Eröffnungsspiel Summen von bis zu 22.000 Dollar verlangt werden.
Wenn auch der eigene Name Geld kostet
Wer schon durch den Verkauf von Omas letztem Goldohrring zu neuem Geld gekommen ist, kann es bei der FIFA direkt wieder ausgeben. Der Verband verkauft kostenpflichtige Fan-Grüße für die Stadionanzeige. Das Angebot heißt „Super Shoutout“ und kostet 79 Dollar. Diese Botschaften sollen vor dem Anpfiff eingeblendet werden. Die Oma wird sich freuen.
Gleichzeitig sorgt das Turnier auch im TV-Geschäft für zusätzliche Einnahmen. Wegen der Hitze sind in den Halbzeiten verpflichtende Trinkpausen nach jeweils 22 Minuten vorgesehen. Mehr Unterbrechungen bedeuten mehr Werbezeit für die TV-Sender. Hinzu kommt der erweiterte Spielplan mit 48 statt 32 Mannschaften, der mehr Partien und damit grundsätzlich auch mehr TV-Erlöse verspricht, sofern das Interesse an allen Spielen tatsächlich groß genug ist.
Anreise, Parkplatz und Bierpreis
Wer überhaupt in die USA einreisen kann, sieht sich unterwegs mit weiteren Kostenfallen konfrontiert. In New York kostete eine Hin- und Rückfahrt mit der Bahn zum Stadion bislang 12,90 Dollar. Dann stellte die Bahngesellschaft die Frage, was die Touristen wohl tun, wenn sie zu den WM-Spielen ins Stadion wollen. Aus den 12,90 Dollar wurden kurzerhand 150 Dollar.
Nach großem Aufschrei lenkte das Unternehmen ein und senkte den Preis auf 105 Dollar. Wer lieber mit dem Auto kommt, wird ebenfalls zur Kasse gebeten, denn Parkgebühren von bis zu 300 Dollar können die Ticketpreise sogar übertreffen. Und wer schließlich im MetLife Stadium sitzt, muss für ein 0,5 Liter Bier rund 12 Euro einplanen.
Da sitzt man am Ende womöglich lieber im Biergarten mit Freunden und rechnet aus, wie viel man spart, wenn man das Bier bei Jürgen um die Ecke kauft.