Fußball WM 2026: Italiens WM-Aus wird zum Politikum – Verband wackelt

Italiens drittes WM-Aus in Folge hat sich zu einem Politikum entwickelt und erhöht den Druck auf Verbandspräsident Gabriele Gravina erheblich. Im Vorfeld der Fußball WM 2026 fordern politische Kräfte Konsequenzen, nachdem bereits die zweitstärkste Regierungspartei Lega den Rücktritt Gravinas verlangt hatte. Medienberichten zufolge schloss sich auch Sportminister Andrea Abodi dieser Linie an, und Teile des Parlaments zogen nach. Zugleich werden mögliche Nachfolger für Gravina und auch für Nationaltrainer Gennaro Gattuso gehandelt.

Italiens Sportminister Andrea Abodi (l.), CONI-Präsident Luciano Buonfiglio (M.) und FIGC-Präsident Gabriele Gravina (r.) verfolgen das WM-Qualifikations-Play-off-Spiel zwischen Bosnien und Herzegowina und Italien am 31. März 2026 im Stadion Bilino Polje in Zenica von der Tribüne aus. Getty Images
Italiens Sportminister Andrea Abodi (l.), CONI-Präsident Luciano Buonfiglio (M.) und FIGC-Präsident Gabriele Gravina (r.) verfolgen das WM-Qualifikations-Play-off-Spiel zwischen Bosnien und Herzegowina und Italien am 31. März 2026 im Stadion Bilino Polje in Zenica von der Tribüne aus. Getty Images

Druck auf Verbandspräsident Gabriele Gravina

Das wiederholte Scheitern bei Weltmeisterschaften hat den italienischen Fußball in die politische Debatte gezogen. Der Druck auf den seit 2018 amtierenden Verbandschef Gabriele Gravina wächst weiter, nachdem die Lega als zweitstärkste Regierungspartei bereits den Rücktritt gefordert hatte. Diese Entwicklung macht die Verantwortung der Verbandsspitze zum zentralen Thema in Medien und Politik.

Sportminister Andrea Abodi fordert Demission

Medienberichten zufolge sprach sich Italiens Sportminister Andrea Abodi für eine Demission des Verbandschefs aus. Abodi wird in italienischen Medien mit den Worten zitiert: „Es ist offenkundig, dass der italienische Fußball neu aufgebaut werden muss. Dieser Prozess muss mit einer Erneuerung der Verbandsspitze beginnen. Ich halte es für unfair, die eigene Verantwortung für das dritte WM-Aus Italiens in Folge abzustreiten“.

Der Minister verwies dabei auf die Vorgänge nach früheren Misserfolgen und zog einen direkten historischen Vergleich. Er erinnerte daran, dass Gravinas Vorgänger Luigi Abete und Carlo Tavecchio nach den missglückten WM-Qualifikationen 2018 und 2022 zurückgetreten waren.

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Parlamentarische Initiative: 40 Senatoren fordern Bericht von Giorgia Meloni

40 Senatoren aus Regierungskoalition und Opposition unterzeichneten darüber hinaus einen Antrag, in dem Ministerpräsidentin Giorgia Meloni aufgefordert wird, „dringend“ vor dem Parlament über den Zustand des italienischen Fußballs zu berichten. Damit rückt die nationale Politik formell in das Thema ein und verlangt eine parlamentarische Einordnung.

In dem Antrag heißt es weiter, das wiederholte Verpassen der WM sei nicht nur eine sportliche Niederlage, „sondern ein Rückschlag für einen der wichtigsten sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche des Landes“. Diese Wortwahl unterstreicht die Bedeutung des Fußballs über den reinen Sportbetrieb hinaus.

Kandidaten für Gravinas Nachfolge

Sollte Gravina den politischen Forderungen folgen und zurücktreten, gilt der frühere Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) Giovanni Malagò als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge. Malagòs frühere Funktion im CONI bringt eine Verknüpfung zwischen Sportverwaltung und nationaler Struktur in die Debatte um eine mögliche Neuaufstellung der Verbandsspitze.

Trainerdebatte: Gattuso unter Beschuss – Conte und Mancini gehandelt

Neben der Verbandsführung steht auch der Nationaltrainer Gennaro Gattuso unter Beschuss. Als mögliche Nachfolger für den ebenfalls unter Druck stehenden Trainer werden unter anderem Napoli-Coach Antonio Conte sowie Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021, gehandelt. Damit gewinnt die Diskussion um die künftige sportliche Leitung nationaler A-Nationalmannschaft an Fahrt.

Italiens Nationaltrainer Gennaro Gattuso singt leidenschaftlich die italienische Nationalhymne vor dem WM-Qualifikations-Playoff gegen Nordirland im Stadio di Bergamo in Bergamo am 26. März 2026. Marco Luzzani / Getty Images
Italiens Nationaltrainer Gennaro Gattuso singt leidenschaftlich die italienische Nationalhymne vor dem WM-Qualifikations-Playoff gegen Nordirland im Stadio di Bergamo in Bergamo am 26. März 2026. Marco Luzzani / Getty Images

Ignazio Larussa bringt konkreten Restrukturierungs-Vorschlag ein

Einen ersten konkreten Vorschlag zur Umstrukturierung brachte Senatspräsident Ignazio Larussa ein. Larussa schlug vor, die Klubs dazu zu verpflichten, „mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen“.

Dieser Vorschlag zielt direkt auf die Kader- und Personalpolitik der Klubs sowie auf die Entwicklung einheimischer Talente ab und würde die Zusammensetzung der Mannschaften in der Serie A nachhaltig beeinflussen.

Aleksander Ceferin kritisiert politische Einflussnahme

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sieht in der politischen Einflussnahme ein Kernproblem des italienischen Fußballs. Der 58-Jährige sagte der Gazzetta dello Sport: „Vielleicht sollten sich italienische Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas hat“.

Ceferin fügte hinzu: „Das größte Problem im italienischen Fußball ist das Verhältnis zwischen Fußballpolitik und ’normaler‘ Politik. Würden alle an einem Strang ziehen, wäre Italien bald wieder Europa- und Weltmeister.“