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Julian Nagelsmann nutzt den vorletzten WM-Test gegen Finnland, um trotz zahlreicher Ausfälle seinen Plan B in der deutschen Aufstellung zu schärfen. Am Sonntagabend in Mainz will der Bundestrainer Rhythmus und Automatismen sammeln, während mit Manuel Neuer, Kai Havertz und Jamal Musiala gleich mehrere Stammkräfte fehlen oder noch nicht bei voller Belastung sind. Dafür rücken Oliver Baumann, Felix Nmecha, Lennart Karl und Deniz Undav in den Mittelpunkt.

Die Stimmung im DFB-Lager ist nach Grillabend mit Döner, Kindertrubel und einer wilden Uno-Runde gut, doch sportlich zwingt die Personallage Nagelsmann schon früh zu Anpassungen auf dem Weg zur WM. Der Coach sprach von einer „Weltklasse-1b-Lösung“ auf der Torhüterposition, sieht Neuer nach dessen Wadenproblemen aber weiter im Rennen für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko. Zugleich soll das Team in der kurzen Vorbereitungszeit nicht mit Taktik überladen werden, sondern über Spielfreude und jugendlichen Spieltrieb in den Flow kommen.
Baumann, Nmecha, Karl und Undav bekommen ihre Chance
Für die Generalprobe im ausverkauften Stadion von Mainz öffnet Nagelsmann bewusst mehrere Türen. Baumann darf sich erneut zeigen, obwohl er wegen Neuers Rückkehr zunächst wieder zurückgestuft wurde und möglicherweise auch für den Test am 6. Juni in Chicago gegen die USA noch eine Option bleibt. Außerdem bekommen Nmecha, Karl und Undav eine Bewährungschance, also Spieler, die nach Nagelsmanns Worten noch „reinrutschen könnten“ ins A-Team. Besonders Karl steht im Fokus. Der 18-Jährige soll die Alternative zu Serge Gnabry werden, der verletzt für die WM ausfällt, das Team im Quartier aber noch besucht hat, was Nagelsmann „sehr cool fand“. Auf der rechten Seite ist die Lage offen, denn neben Leroy Sané und Jamie Leweling kommt laut Bundestrainer auch Musiala für diese Position infrage. Ganz vorne ist Havertz gesetzt, dessen Auftritt im Champions-League-Finale mit dem FC Arsenal gegen Paris Saint-Germain die deutsche Auswahl nach der Busfahrt von Herzogenaurach nach Frankfurt im Teamhotel verfolgte. Im Sturm beginnt Deniz Undav.
Musiala zurück, Wirtz als Partner im Blick
Jamal Musiala brennt auf sein Comeback im DFB-Trikot und freut sich besonders auf das Wiedersehen mit Florian Wirtz. „Ich habe es vermisst, mit ihm zu zocken. Es macht richtig Spaß, mit ihm auf dem Platz zu sein“, sagte der 23 Jahre alte Offensivspieler vor dem vorletzten WM-Test am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) gegen Finnland. Sein bislang letztes Länderspiel absolvierte Musiala am 23. März 2025 in der Nations League gegen Italien, als die Partie 3:3 endete. Vor einem Jahr zog sich der Bayern-Star bei der Klub-WM eine schwere Verletzung zu. „Ich habe richtig Spaß hier. Die Tage waren super. Ich freue mich morgen auf dem Platz zu sein“, sagte Musiala weiter. Gemeinsam mit Wirtz wurde er in der Nationalmannschaft einst als Traumduo „Wusiala“ gefeiert, und genau dieses Zusammenspiel soll nun wieder aufleben. Auch Wirtz bekam von Musiala eine kleine UNO-Anekdote mit auf den Weg, denn der Verlierer des Kartenspiels musste sich nach seiner Niederlage mit einem peinlichen Spruch beim Bundestrainer vorstellen.
Neuer unter Beobachtung, Pavlovic und Nmecha als Doppelsechs
Die wichtigste offene Frage bleibt der Gesundheitszustand von Manuel Neuer. Der Torwart plagt sich mit Problemen an der „Wade der Nation“, trainierte am Freitag aber bereits wieder und drehte auf dem Platz seine Runden. „Heute war er schon schneller unterwegs“, sagte Nagelsmann, „er ist voll im Soll.“ Ob es für den 14. Juni in Houston zum WM-Auftakt gegen Curacao reicht, ließ der Chefcoach offen. Im Mittelfeld schärfen die Kollegen derweil hinter verschlossenen Türen „die Abläufe nochmal“, wie Nagelsmann es ausdrückte. Überfrachtet werde das Team dabei nicht, denn „wir wollen es in der kurzen Zeit nicht übertreiben. Taktisch werden wir die Welt nicht einreißen.“ Stattdessen setzt er auf jugendlichen Spieltrieb, Tempo und „Spaß am Fußball“, damit die Mannschaft in den berühmten Flow kommt. Auf der Doppelsechs ist die Besetzung bereits deutlich: Neben dem gesetzten Münchner Aleksandar Pavlovic soll der Dortmunder Felix Nmecha spielen, den Nagelsmann zuletzt in den Kreis der „Weltklasse“ gehoben hatte. „Ich bin einfach extrem überzeugt von dem Spieler“, sagte er.
Voraussichtliche Aufstellungen
Deutschland: Baumann/TSG Hoffenheim (35 Jahre/11 Länderspiele) – Kimmich/Bayern München (31/108), Tah/Bayern München (30/45), Schlotterbeck/Borussia Dortmund (26/25), Raum/RB Leipzig (28/36) – Pavlovic/Bayern München (22/9), Nmecha/Borussia Dortmund (25/6) – Karl/Bayern München (18/2), Musiala/Bayern München (23/40), Wirtz/FC Liverpool (23/39) – Undav/VfB Stuttgart (29/7) – Trainer: Nagelsmann Finnland: Hradecky/AS Monaco (36/103) – Alho/Asteras Tripolis (33/49), Koski/Deportivo Alavés (24/9), Miettinen/Mjällby AIF (23/2), Lähteenmäki/FC Nordsjaelland (19/6) – Suhonen/Odense BK (25/14), Markhiev/1. FC Nürnberg (24/7) – Antman/Glasgow Rangers (24/29), Walta/Swansea City (22/12), Skyttä/1. FC Kaiserslautern (24/4) – Pohjanpalo/FC Palermo (31/87) – Trainer: Jacob Friis, Schiedsrichter: Matheus Delgado Candançan (Brasilien)
Liveticker heute
Das Mainz-Omen: 2014 war es der letzte Schritt vor dem WM-Titel
2014 bestritt Deutschland sein letztes Heimspiel vor dem WM-Titel ebenfalls in der MEWA Arena in Mainz – ein 6:1 gegen Armenien. Damals wie heute fehlte Manuel Neuer verletzungsbedingt. Damals wie heute war es der letzte Abschied auf deutschem Boden vor dem Atlantik-Flug. Was danach kam: Weltmeister. Das Omen ist real.Wer ist Finnland? Rang 73, Pohjanpalo und der Uhu
Finnland steht auf FIFA-Rang 73 und hat die WM 2026 verpasst. Gefährlichster Angreifer ist Joel Pohjanpalo (FC Palermo, Torschützenkönig der Serie B), im Tor steht der erfahrene Lukas Hradecky (AS Monaco, 103 Länderspiele). Trainer ist der Däne Jacob Friis: „Es wird sehr schwierig – aber eine gute Gelegenheit zu sehen, wie nah wir dran sind.“ Der Spitzname der Finnen: „Huuhkajat“ – die Uhus.Klare Wettquoten: Deutschland mit Quote 1.14 haushoher Favorit
Die Wettquoten sprechen eine deutliche Sprache: Deutschland siegt laut bwin mit Quote 1.14, ein Unentschieden steht bei 8.50, ein Finnland-Sieg bei 13.50. Die historische Bilanz untermauert das: 16 Siege, 6 Remis und nur 1 Niederlage in 23 Spielen gegen Finnland – Torverhältnis 82:19.Mainz ausverkauft – letztes Heimspiel vor der WM
Die MEWA Arena in Mainz ist ausverkauft. 33.305 Zuschauer erleben heute Abend das letzte Heimländerspiel der deutschen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Es ist das 1036. Länderspiel der DFB-Geschichte.Zum dritten Mal in Folge in Blau
Das letzte Heimländerspiel vor Beginn der Weltmeisterschaft bestreitet die Nationalmannschaft in Blau. Gegen Finnland trägt das DFB-Team in der ausverkauften Arena in Mainz die blauen Auswärtstrikots von adidas – zum dritten Mal in Folge nach dem 4:3 gegen die Schweiz und dem 2:1 gegen Ghana.