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Julian Nagelsmann hat seinen Plan für die WM 2026 klar formuliert und kündigt unpopuläre Personalentscheidungen an. Er setzt auf Rollenverständnis statt auf Starpotenzial und hat bereits konkrete Vorstellungen – Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger, Oliver Baumann als Nummer eins und Leon Goretzka mit Stammplatz-Chancen. Gleichzeitig warnt er vor offen gebliebenen Baustellen im Kader und betont, dass Einsatzzeit, Charaktermerkmale und physische Verfügbarkeit über einen Platz im WM-Kader entscheiden werden. Die finalen Konturen will er in den März-Länderspielen in der Schweiz (27. März) und gegen Ghana (30. März) weiter schärfen.

Kernentscheidungen: Kimmich, Baumann und Goretzka
Nagelsmann nennt früh klare Besetzungen für Schlüsselpositionen: Joshua Kimmich soll in der Nationalmannschaft die Rolle des Rechtsverteidigers übernehmen, Oliver Baumann ist als Nummer eins vorgesehen. Überraschend für manche Beobachter: Leon Goretzka, der bei der EM außen vor blieb, „darf sich auf einen Stammplatz einrichten, den er beim FC Bayern nicht besitzt.“ Nagelsmann lobt Goretzkas Wucht und Kopfballstärke und vergleicht die Rolle mit seiner Aufgabe in der WM-Quali. In München sieht er Kimmich und Aleksandar Pavlovic auf der Sechs, wenn es wichtig wird – eine taktische Lösung, die Klub- und Nationalfunktion unterschiedlich gewichten soll.
Kaderprinzip: Rolle statt reines Starpotenzial
Der Bundestrainer betont ein klares Auswahlprinzip: Die Idealbesetzung im Team zählt mehr als bloßes Starpotenzial. „Es gebe Charaktermerkmale, die dir dazu verhelfen, ein guter Stammspieler zu sein (…), die dir aber eben nicht helfen, Kaderplatz 15 oder 16 zu sein“, sagt Nagelsmann und macht damit deutlich, dass bestimmte Spieler trotz hochkarätiger Vereinsbilanzen keinen Platz im erweiterten WM-Kader bekommen könnten. Nagelsmann unterscheidet zwischen Jokern und Stammkräften: Lennart Karl gesteht er eine Joker-Rolle zu, Said El Mala müsse in Köln dringend mehr spielen, „sonst: WM-Chance adé“. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Pavlovic und Felix Nmecha zu ähnlich seien, um beide dieselbe Ergänzer-Rolle zu füllen.
Offene Baustellen: Rechtsverteidiger-Backup, Innenverteidigung, Sechser und Neuner
Für Nagelsmann ist der potenzielle WM-Kader noch an mehreren Punkten verletzlich. Der zweite Rechtsverteidiger hinter Kimmich, die Innenverteidigung, die Mittelfeldzentrale und die Neuner-Position bleiben offen – teils aus sportlichen Gründen, oft verletzungsbedingt. Besonders die Gesundheit von Kai Havertz, Jamal Musiala und Florian Wirtz bezeichnet Nagelsmann als essenziell für eine erfolgreiche WM. Ganz vorne ist die Situation unübersichtlich: Nick Woltemade ließ nach starkem Start in Newcastle zuletzt nach, Tim Kleindienst fällt verletzt aus, und Niclas Füllkrug hat den Verein gewechselt. Das beeinflusst Marktwert, Einsatzzeit und die Perspektive auf Kaderplätze erheblich.
Lehrgang, Zeitplan und Risiko: März-Länderspiele als Gradmesser
Nagelsmann war in den vergangenen Monaten viel als Beobachter unterwegs und beschreibt die Vorbereitung als „super-komplexen“ Lehrgang mit „Crunch Time“ im Verein. Mit der Nationalmannschaft stehen im März nur Testspiele in der Schweiz (27. März) und gegen Ghana (30. März) an – Gelegenheiten, Auswahl und Rollen zu testen, aber keine umfassenden Experimente zu wagen. Nagelsmann warnt vor dem Worst-Case: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du mit deiner neuen und angepassten Planung in die März-Länderspiele gehst, das erste in der Schweiz verlierst und dann weißt, dass die letzten vier Monate (…) für die Katz waren.“ Gleichzeitig macht er klar, dass weltpolitische Themen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen; sein Fokus bleibt rein sportlich.