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Julian Nagelsmann übernahm am 22. September 2023 als Nachfolger des glücklosen Hansi Flick das Amt des Bundestrainers. 1015 Tage blieb er im Job, bevor sein Weg beim DFB endete. Der SID zeichnet die prägenden Stationen dieser Amtszeit nach.
WM 2026 heute: Nagelsman als Bundestrainer – die Chronologie bis zum WM-Aus gegen Paraguay

Ein Auftakt mit Symbolkraft
Passend zur WM gab Nagelsmann in den USA sein Debüt als zwölfter Bundestrainer der deutschen Geschichte. Bei seinem ersten Spiel in Hartford im Bundesstaat Connecticut war nur der erste DFB-Chefcoach Otto Nerz jünger als der 36-Jährige. Die DFB-Auswahl lag zunächst 0:1 zurück, drehte die Partie dann aber durch Treffer von Ilkay Gündogan, Niclas Füllkrug und Jamal Musiala. Der Start verlief damit erfolgreich, auch wenn sich nach dem Spiel vor allem über sein kariertes Flanell-Hemd gesprochen wurde. Das Holzfäller-Hemd wurde später für einen guten Zweck versteigert.
Zwischen Krise und EM-Euphorie
Zwei Monate nach diesem gelungenen Einstand geriet Nagelsmann bereits unter Druck. Wenige Monate vor der Heim-EM stand seine Mannschaft nach Niederlagen gegen die Türkei und in Österreich massiv in der Kritik. Der Bundestrainer zog daraus konsequente Schlüsse. Mats Hummels wurde endgültig aussortiert, Toni Kroos überzeugte er zur Rückkehr. Mit diesen Entscheidungen legte Nagelsmann den Grundstein für ein ordentliches Heimturnier.
Seinen größten sportlichen Höhepunkt erlebte er bei der EURO im eigenen Land. Siege in Frankreich und gegen die Niederlande nährten im März 2024 rechtzeitig vor dem Turnier die Euphorie. Gegen Schottland startete der Gastgeber dann völlig losgelöst ins Turnier, die Fans standen wieder hinter der Mannschaft. Trotzdem endete das Sommermärchen schon im Viertelfinale auf bittere Art.
Alle Länderspiele unter Julian Nagelsmann
Tränen, Rückschläge und Kritik an der Kommunikation
Besonders schmerzhaft blieb das Duell mit dem späteren Europameister Spanien. Deutschland war trotz einer schwachen ersten Halbzeit nahe an der Niederlage, Nagelsmann korrigierte seine Fehler bei der Aufstellung mit Leroy Sané und Emre Can zur Pause. Joker Florian Wirtz rettete die DFB-Auswahl in die Verlängerung, dort blieb ein Handspiel von Marc Cucurella durch Schiedsrichter Anthony Taylor ungeahndet. Kurz vor dem Elfmeterschießen traf Mikel Merino ins deutsche Herz. Danach sagte Nagelsmann: „Es tut weh, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird“. Seine Tränen und die spätere berühmte „Nachbar“-Rede bewegten die Nation.
Auch 2025 brachte nicht die erhoffte Stabilität. Das Final Four der Nations League sollte der DFB-Elf eine Mini-Heim-EM bescheren, doch die große Chance auf frühe WM-Euphorie blieb ungenutzt. Im Halbfinale gegen Portugal kosteten auch Nagelsmanns Wechsel den Sieg, das Spiel um Platz drei gegen Frankreich ging ebenfalls verloren. Noch größer wurden die Zweifel nach dem deutlichen Fehlstart in die WM-Qualifikation im September und der Blamage von Bratislava gegen die Slowakei. Erst das begeisternde Rückspiel gegen die Slowaken in Leipzig im November brachte die Wende.
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Parallel dazu geriet der Bundestrainer für seine Kommunikation immer wieder in die Kritik. Im WM-Vorfeld eierte er bei der Rolle von Joshua Kimmich mehrfach herum. Im März 2026 erklärte er Leon Goretzka öffentlich zum Stammspieler und nahm diese Aussage wenig später wieder zurück. Auch die überraschende Rückkehr von Manuel Neuer kostete ihn Glaubwürdigkeit, zudem verstieß er Oliver Baumann vor den Kopf. Nagelsmann selbst meinte dazu: „Generell bin ich über weite Strecken fein mit meiner Kommunikation“.
Das Ende nach dem WM-Drama
Bei der WM schien sich zunächst alles zu fügen. Gegen Curacao gelang ein Raketenstart, gegen die Elfenbeinküste herrschte Stimmungshoch, Deniz Undav wurde zum Turnierhelden. Doch der Eindruck täuschte. Gegen Ecuador unterliefen Nagelsmann weitere unverzeihliche Fehler, ehe Deutschland in der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay dramatisch früh ausschied. Nach dem Fiasko von Foxborough stellte er klar, dass er keiner sei, der weglaufe, doch die Uhr tickte. Nach einem Krisengespräch in der Frankfurter DFB-Zentrale legte er schließlich sein Amt nieder.
Insgesamt stand Nagelsmann in 37 Länderspielen an der Seitenlinie. 23 davon gewann Deutschland, sieben endeten unentschieden, darunter auch das WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay, das ebenfalls als Remis gewertet wird, und sieben gingen verloren. Im Schnitt holte er 2,05 Punkte pro Partie. Damit liegt er in der historischen Rangliste hinter Berti Vogts mit 2,18, Jupp Derwall mit 2,15, Helmut Schön mit 2,10 und Joachim Löw mit 2,08 auf Platz fünf.